Martin Luther: Von der Gerechtigkeit

Eine Predigt von Martin Luther über die Gerechtigkeit vor Gott.

Ein kleiner Auszug:

Wer nun aus dem Wort Christi den Bericht hat, und glaubt, daß solche Sünden ihm vergeben sind, der ist gerecht: nicht seinethalben, denn Sünden hat er; sondern der Gnade halben, daß solche Sünden durch den Glauben an Christus vergeben sind. Darum spricht Petrus in der Apostelgeschichte Kapitel 15,9.: Gott reinige die Herzen durch den Glauben. Dies Reinigen aber geht nicht so zu, daß wir keine bösen Gedanken noch Lust mehr im Herzen fühlen; welches wird nicht ihr Herr geschehen, bis wir begraben, und zum anderen und ewigen Leben auferstehen werden; da wird das Herz wahrhaftig gereinigt sein. Hier aber geht solches im Wort und Glauben, daß Gott die Sünde um Christus willen nicht zurechnen noch strafen, sondern vergeben und nachlassen will. Doch dazu folgt die Frucht des Glaubens, daß wir durch die Hilfe des Heiligen Geistes anfangen, fromm zu sein und Gott seinen Gehorsam zu leisten; aber, wie gemeldet, es ist ein unvollkommener Gehorsam, darum muß die Vergebung der Sünde sein.

Das fünfte Gebote, wie ihr wißt, heißt also: Du sollst nicht töten. Der dachten die Pharisäer, wenn sie mit der Hand nicht totschlügen, so hätten sie diesem Gebot genug getan, es hätte keine Not, niemand könnte sie höher treiben. Aber Christus spannt es ihnen höher und spricht: Nein, Geselle, es hat eine andere Meinung. Wenn das fünfte Gebot also hieße: Deiner Hand soll nicht töten; so hätte dem Gebot genug getan, will er mit der Hand nicht tötet. Aber es lautet also: Du sollst nicht töten, das ist: dein Herz, dein Mund, deine fünf Sinnen und alles, was du hast und an dir ist, daß soll deinem Nächsten nicht schädlich sein. Du sollst nicht allein den Körper totschlagen, sondern auch alles das lassen, was zum Tod dient.

Daraus ist klar, daß der Herr daß Wort “ töten “ nicht so eng spannt, daß es allein hieße, das Leben ihnen und ein Aas machen; sondern es begreift alles das Tun, aus welchem der Tod folgen müßte. Als, wenn du jemand feind bist, und gönnst ihn nicht einen Bissen Brot, wie der reiche Mann dem armen Lazarus; da müßte ein solcher Mensch deinetwegen Sterben und verderben. Du würgst ist ihn mit der Faust nicht, und bist doch ein Mörder, nach dem Spruch: Gibst du deinem Bruder nicht zu essen, so hast du ihn erwürgt. Und 1 Johannes 3,15. “ Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todschläger, und ihr wisset, daß ein Totschläger hat nicht das ewige Leben bei ihm bleibend „; Ursache, wo Haß ist, da fehlt nur die Gelegenheit, daß der Totschlag leicht folgen kann. Darum wer dies Gebot halten will, der muß nicht allein die Hand an sich halten, sondern das Herz soll auch ohne allen Zorn sein: daß man nicht einen so sauren Blick sehen, nicht ein hartes Wort fahren lasse, auch gegen die, da alle Welt sagen muß, sie haben alles Unglück um uns verdient.

Wer sich nun also in den zehn Geboten übte, meinst du nicht, er würde nicht jede Stunde Ursache haben, seine Sünde zu beichten, zu beten und sich im Glauben und Wort zu üben? Denn das Beichten muß sein, wenn der Zorn oder andere Lüste uns angreifen, daß wir es nicht leugnen noch entschuldigen, sondern Gott bekennen und ihm von ganzem Herzen beichten, daß wir Unrecht getan haben. Da muß danach das Beten auch folgen, daß Gott solches uns nicht zurechnen soll, sondern vergeben, und uns, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist frömmer machen. Auf solches Gebet soll der Glaube folgen, daß wir nicht zweifeln, es sei uns durch Christus diese und andere Sünde vergeben.

Die ganze Predigt:

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Steven Lawson: Gottes Zorn verkündigen

Der Reformator Johannes Calvin sagte einmal, „Predigen ist die öffentliche Auslegung der Schrift durch Männer die von Gott gesandt sind, worin Gott selbst anwesend in Gericht und Gnade ist.“ Treuer Dienst an der Kanzel verlangt es beides, das Gericht und die Gnade zu verkünden. Das Wort Gottes ist scharf, ein zweischneidiges Schwert, es erweicht und härtet, tröstet und betrübt, rettet und verdammt.

Die Verkündung von Gottes Zorn dient als samtweicher, schwarzer Hintergrund, welches den Diamanten von Gottes Gnade noch heller scheinen lässt als zehntausend Sonnen. Der heilige Zorn ist eine dunkle Leinwand, die den Glanz seiner errettenden Gnade vollkommen zum Ausdruck bringt. Das Predigen von Gottes Zorn zeigt uns auf hervorragende Weise wie Barmherzig und Gütig Er gegenüber Sünder ist.

Wie Trompeter stehend auf einer Burgmauer vor Bedrohungen warnt, so müssen Prediger den ganzen Ratschluss Gottes verkünden. Wer an der Kanzel steht, muss die ganze Wahrheit in den Schriften verkünden, was beides, den souveränen Zorn und die großartige Liebe beinhaltet. Sie können sich nicht rauspicken was sie predigen möchten. Der Zorn Gottes muss angesprochen werden, es ist nicht optional – es ist ein göttlicher Auftrag.

Tragischerweise fehlt heutzutage in zu vielen Kanzeln die Verkündigung von Gottes bevorstehenden Zorn. Prediger rechtfertigen den Zorn Gottes oder verlieren nicht mal ein Wort darüber. Sie behaupten, um die Liebe Gottes zu verstärken, müssen wir seinen Zorn verharmlosen. Doch wenn wir den Zorn Gottes weglassen, vernebeln wir nur seine erstaunliche Liebe. Auf eigenartige Weise ist es unbarmherzig die heilige Vergeltung zurückzuhalten.

Wieso ist es notwendig den heiligen Zorn zu verkünden? Erstens: Die Heiligkeit Gottes verlangt es. Ein wesentlicher Teil Seiner moralischen Vollkommenheit ist Sein Hass der Sünde. A. W. Pink behauptet, „Der Zorn Gottes ist seine Heiligkeit, die durch praktizieren der Sünde (der Menschen), aufgeheizt wurde.“ Gott ist ein „verzehrendes Feuer“ (Heb. 12:29), Er ist „täglich Zornig“ auf Gottlose (Ps 7:11-12) Gott „hasst Gottlosigkeit“ (Ps 45:7-8) und zürnt mit allen, die seinem perfekten Wesen widersprechen. Somit wird Er alle Sünder am Tag des Gerichts „vertilgen“ (Ps 5:7).

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Jonathan Edwards: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes

Kurzbiographie:

Jonathan Edwards (1703-1758) ist einer der einflußreichsten Theologen Amerikas und eine wichtige Person der Erweckungsbewegung des „First Great Awakening“ (1740-1760). Der Puritaner hielt wie die anderen auch an die Reformierte Theologie. Er kam zu der Erkenntnis eines absolut souveränen Gottes nachdem er als 18-Jähriger über 1. Timotheus 1:17 nachsinnte, dies spiegelt sich auch in seinen Predigten und Büchern wieder. Seine bekannteste Predigt bzw. die bedeutenste Predigt auf amerikanischen Boden „Sünder in den Händen eines Zornigen Gottes“ wurde 1741 in Enfield abgehalten.

Seine Technik beim vortragen der Predigten war sehr unspektakulär, er laß sie in einem gleichmäsigen aber überzeugten Ton vor und mied dabei zu schreien oder sonstige theatralische handlungen.


Die ganze Predigt gibt es hier.

„Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.“
5. Mose 32,35

Nichts kann die unbekehrten Menschen in irgendeinem Augenblick vor der Hölle bewahren als allein der Wille Gottes. Damit meine ich jenen souveränen, erhabenen Willen, der durch keine Verpflichtung und durch keine Schwierigkeiten, überhaupt durch nichts gehindert oder zurückgehalten wird als durch sich selbst; nichts anderes ist nur im geringsten und in jeder Hinsicht an der Bewahrung der Unbekehrten in einem bestimmten Augenblick beteiligt. Die Wahrheit dieser Behauptungen wird sich auf Grund der folgenden Überlegungen erweisen:

1. Es fehlt Gott nicht an der Macht, die unbekehrten Menschen in einem beliebigen Moment in die Hölle zu stoßen. Die Kraft der Menschenhände ist dahin, wenn sich Gott erhebt. Die stärksten Menschen können ihm nicht widerstehen, und niemand kann aus seiner Hand befreien. Gott kann nicht nur die unbekehrten Menschen in die Hölle stürzen; es fällt ihm das dazu noch sehr leicht. Manchmal hat ein Fürst dieser Erde die größte Schwierigkeit, einen Aufrührer zu unterwerfen, wenn es diesem gelungen ist, sich mit einem großem Anhang und damit mit einer gewissen Macht in einer Festung zu halten. Anders bei Gott – keine Festung bietet den geringsten Schutz gegen Seine Macht. Mögen sich die Feinde Gottes die Hände reichen, mögen sie sich in großer Zahl verbünden und einander beistehen – sie werden im Nu zu Scherben zerbrochen. Sie gleichen einem Haufen leichter Spreu vor einem Wirbelwind oder einer Menge dürrer Stoppeln vor einem verzehrenden Feuer. Es erscheint uns leicht, einen Wurm zu zertreten, der am Boden dahin kriecht, oder einen Faden zu durchschneiden oder entzwei zu brennen, an welchem etwas aufgehängt ist; ebenso leicht fällt es Gott, seine Feinde in die Hölle zu werfen, wenn es ihm beliebt. Wer sind wir denn eigentlich, dass wir glauben, wir könnten vor Ihm stehen, vor dessen Schelten die Erde erzittert, vor dem die Felsen fallen?

2. Die Gottlosen verdienen es auch, in die Hölle geworfen zu werden; die Gerechtigkeit Gottes steht dem keineswegs im Wege; sie erhebt durchaus keinen Einspruch, wenn Gott seine Macht gebraucht, um Sünder in irgendeinem Augenblick zu verderben. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit ruft laut nach einer schonungslosen Bestrafung ihrer Sünden Die göttliche Gerechtigkeit sagt von dem Baum, der Früchte wie diejenigen Sodoms hervorbringt:„Haue ihn ab! Warum hindert er das Land?“ (Lk 13,7) Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit wird jeden Moment über ihren Häuptern geschwungen, und nur Gottes souveräne Gnade und sein erhabener Wille halten es noch vor dem vernichtenden Schlag zurück.

3. Das Gerichtsurteil, die Verdammnis zur Hölle, ist schon gefällt. Die Sünder haben es nicht nur verdient, dorthin zu gelangen; gegen sie steht der Rechtsspruch im Gesetz Gottes, jene ewige und unumstößliche Rechtsordnung, die Gott zwischen sich und der Menschheit aufgestellt hat; schon deshalb sind die Sünder jetzt schon für die Hölle bestimmt. Joh 3,18: „Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt.“ Demnach gehört jeder unbekehrte Mensch jetzt schon der Hölle; dort ist sein Platz; von dorther stammt er ja. Joh 8,23: „Ihr seid von unten!“ Und dorthin ist er schon unterwegs nach dem Ort, den die Gerechtigkeit, das Wort Gottes und das Urteil eines unveränderlichen Gesetzes ihm zuweisen.

4. Auf den Unbekehrten lastet jetzt schon derselbe Zorn Gottes, der sich dereinst in den Höllenqualen auswirken wird. Wenn sie nicht im nächsten Moment zur Hölle fahren, so liegt es nicht daran, dass Gott, in dessen Macht sie ja fortwährend stehen, nicht jetzt schon gegen sie erzürnt wäre – ebenso sehr wie gegen so viele unglückliche Geschöpfe, die jetzt in der Hölle gequält werden und dort den grimmigen Zorn Gottes erfahren und tragen müssen. Ja, Gott zürnt den vielen noch mehr, die jetzt noch auf der Erde sind, ohne Zweifel sogar etlichen, die jetzt vielleicht diese Predigt lesen und sich dennoch behaglich fühlen. Wenn Gott Seine Hand noch zurückhält und sie noch nicht dahinrafft, so liegt es nicht daran, dass Er nicht an ihre Gottlosigkeit dächte und sich nicht darüber entrüsten würde. Gott ist kein Wesen wie sie selbst, obschon sie sich vielleicht einbilden, er sei es. Gottes Zorn ist gegen sie entbrannt; ihre Verdammnis schlummert nicht. Der Abgrund ist zu ihrem Empfang bereit; das Feuer brennt schon und der Ofen ist glühend heiß; die Flammen wüten. Das glitzernde Schwert ist geschliffen und gezückt und der Abgrund unter ihnen sperrt sein Maul weit auf.

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