Gottes Vorsehung und unsere Abhängigkeit

Der vollkommen weise, gerechte und gnädige Gott über­lässt seine eigenen Kinder oftmals für eine bestimmte Zeit viel­fältigen Versuchungen und der Verdorbenheit ihres eigenen Herzens, um sie für ihre früheren Sünden zu züchtigen oder ihnen die geheime Kraft der Verdorbenheit und Unaufrichtig­keit ihres Herzens klar zu machen, damit sie gedemütigt wer­den. Er tut dies auch, um sie in eine engere und beständigere Abhängigkeit von seiner Hilfe zu bringen. Er tut dies ferner, damit sie sich bei künftigen Anlässen zur Sünde vorsehen, und er tut dies aus weiteren gerechten und heiligen Gründen. Daher geschieht alles, was immer einem seiner Erwählten wider­fährt, nach seiner Anordnung zu seiner Ehre und zu ihrem Besten.

Aus dem Baptistischen Glaubensbekenntnis von 1689. Kapitel 5, Artikel 5.

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John Owen – Keine Besserung irgendeiner natürlichen Veranlagung

Die Abtötung der Sünde besteht nicht in der Verbesserung einer ruhigen, gelassenen Natur. Manche Menschen genießen aufgrund ihres natürlichen Wesens einige Vorteile, solange sie nicht wie viele andere der Gewalt von unmäßigen Leidenschaften und ungestümen Neigungen ausgesetzt sind. Wenn nun diese Menschen ihre natürliche Veranlagung und das Temperament durch Disziplin, Überlegungen und Vernunft verbessern, so können sie vor sich selbst und anderen als Personen dastehen, welche die Sünde wirklich abgetötet haben. Währenddessen kann aber ihr Herz ein stehender Pfuhl voller Abscheulichkeiten bleiben. Der eine Mensch ist vielleicht sein ganzes Leben weder durch Ärger noch durch Leidenschaften aufgebracht und auch anderen bereitet er keine Schwierigkeiten, wohingegen eine andere Person täglich für sich selbst und für andere ein Problem darstellt. Und doch kann der Letztgenannte mehr dazu beigetragen haben, seine Sünde abzutöten, als der erste. Die Menschen sollen sich nicht bemühen, ihre Abtötung der Sünde durch Dinge zu erreichen, für die ihnen das natürliche Temperament weder Leben noch Vitalität verleiht. Vielmehr sollen ihnen Selbstverleugnung, Unglaube, Neid und andere geistliche Sünden bewusst werden; dann werden sie mehr Einsicht über sich selbst gewinnen.

Aus dem Buch: „Von der Abtötung der Sünde“ von John Owen.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/von-der-abtotung-der-sunde.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

Sinclair Ferguson: Wie Sünde abgetötet wird

Die Nachwirkung eines Gesprächs kann die Weise ändern, wie wir über dessen Wichtigkeit denken.

Mein Freund – ein jüngerer Pastor – saß am Ende einer Konferenz mit mir zusammen am Tisch und sagte: „Bevor wir heute auseinandergehen, erkläre mir doch nacheinander die notwendigen Schritte, um einem Menschen zu helfen, die Sünde abzutöten.“ Wir sprachen eine Weile darüber und gingen anschließend ins Bett. Hoffentlich fühlte er sich durch dieses Gespräch ebenso gesegnet wie ich. Noch immer frage ich mich, ob er seine Frage als Pastor stellte oder einfach für sich selbst – oder beides.

Wie würdest du diese Frage am ehesten beantworten? Das erste was zu tun ist: Schlag die Bibel auf. Ja, schlag John Owen auf (immer eine gute Idee!), oder einen anderen Ratgeber, sei er tot oder lebendig. Aber vergiss nicht, wir wurden in diesem Bereich nicht nur mit guten menschlichen Quellen alleingelassen. Es ist notwendig aus dem „Mund Gottes“ unterwiesen zu werden. Damit die Grundsätze, welche wir anzuwenden lernen, sowohl die Autorität Gottes als auch die Versprechen Gottes beinhalten, um sie funktionstüchtig zu machen.

Mir kommen einige Passen zum Studieren in den Sinn: Römer 8:13; Römer 13,8-14 (der Text von Augustinus); 2. Korinther 6,14-7,1; Epheser 4,17-5,21; Kolosser 3,1-17; 1 Petrus 4,1-11; 1 Johannes 2,28-3,11. Bemerkenswerterweise kommt das Verb „töten“ („abtöten“) nur zweimal in diesen Passagen vor. Ebenso bedeutend ist, dass es in jeder Passage um mehr geht als nur dieser einen Ermahnung, die Sünde zu töten. Diese Beobachtung erweist sich, wie wir später sehen werden, als enorm wichtig.

„Sinclair Ferguson: Wie Sünde abgetötet wird“ weiterlesen

J. C. Ryle: Der gefallene Mensch

Schätze der Gnade 18

Soll ich euch verraten, was mich am meisten davon überzeugt, dass der Mensch eine gefallene und verdorbene Kreatur ist?

Es sind nicht die schlechten Angewohnheiten der Menschen.

Es ist auch nicht der hemmungslose Überkonsum.

Es liegt nicht an den überfüllten Bierschenken.

Es liegt auch nicht an dem Mörder im Gefängnis.

Nicht einmal der eingestandene Treuebruch oder der verabscheuungswürdige Götzendienst lässt mich darauf schließen.

All diese Dinge bestätigen nur, dass der Mensch gefallen ist. Ausschlaggebend ist meiner Ansicht nach – der weitverbreitete „Geist des Schlummerns“, Menschen unterliegen ihm in Ketten. Wenn ich sehe wie unzählige Menschen, seien sie einfühlsam, intelligent oder ordentlich – sich langsam zum Grab hinbewegen und dabei nicht einmal Sorge über ihre Sünden tragen, dann habe ich genügend Beweise dafür, dass der Mensch „in Sünde geboren ist“ und Gott entfremdet. Man kann dieser Schlussfolgerung nicht entkommen.

Der Mensch schläft von Geburt an – und muss aufgeweckt werden.
Er ist blind – und muss sehend gemacht werden.
Er ist tot – und muss zum Leben erweckt werden.

Kein Herz ist in einem schlimmeren Zustand, als das Herz, dass kein Gespür für die Sünde hat!

Licht ist das Erste was Gott schuf. Als Er die Welt schuf, sprach Er: „Es werde Licht.“ (1. Mose 1:3) Auf die gleiche Art und Weise, wenn ein Mensch erweckt, bekehrt und ein wahrhaftiger Christ gemacht wird, schafft der Heilige Geist Licht im Herzen eines Menschen.  (2. Korinther 4:6)

Wenn Menschen ihre Sünde nicht erkennen – dann werden sie auch die Errettung nicht wertschätzen. Doch sobald ein Mensch in sein eigenes Herz schauen kann, dann wird er anfangen zu weinen und sagen: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Unseren Geistlich-kranken-Zustand zu erkennen – ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn man das Gespür bekommt, man wäre schlecht, böse und verdiene die Hölle – dann fängt man an wirklich heilig zu werden.

Demütigt sich ein Mensch in Sack und Asche und schreit auf: „Herr, ich bin schäbig! Herr, ich bin der schlimmste Sünder!“, dann ist es tausendmal besser, obwohl er sich miserabel fühlt, als überhaupt nichts zu empfinden. Alles ist besser als ein totes Gewissen, ein eiskaltes Herz oder eine gebetslose Zunge zu haben!

Das Selbst [Fleisch] und die Sünde zu verleugnen, ist die Wurzel allen Unheils der Seele.

Quelle: Grace Gems 06.16
Übersetzung: TheologiaDE.blog

A. W. Pink: Die Ungeheuerlichkeit der Sünde

Schätze der Gnade 10

„Hasst das Böse …“ Römer 12:9

Würden wir die ganze Welt gründlich untersuchen – dann würden wir nichts finden, dass scheußlicher ist als die Sünde. Das niedrigste und verachtenswerteste Ding in dieser Welt hat ein gewisses Maß an Wert in sich, als ein Kunstwerk Gottes. Doch Sünde und ihre faulen Ausflüsse haben nicht den geringsten Bruchteil von Wert in sich. Sünde ist durch und durch Böse, ohne den geringsten Anteil von Gutem – die Zusammenfassung der Widerwärtigkeit.

Die Abscheulichkeit der Sünde zeigt sich in ihrem Urheber: „Wer die Sünde tut, der ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an.“ (1 Joh. 3:8 SCH2000) Die Sünde ist das Geschäft des Teufels, und er selbst praktiziert sie unaufhörlich!

Die Ungeheuerlichkeit der Süde zeigt sich in dem, was sie mit dem Menschen tat: Sie hat die Natur des Menschen völlig zerstört und ihn unter den Fluch Gottes versetzt!

Die Sünde ist der Ursprung all unseres Elends. Alle Ungerechtigkeit und Erbärmlichkeit ist ihre Frucht. Es gibt keine seelische Not, keinen Herzensqualen, keine körperlichen Schmerzen – außer aufgrund von Sünde. All diese Nöte, unter denen die Menschheit jammert, sind auf die Sünde zurückzuführen.

Sünde ist der Grund aller göttlichen Bestrafungen: „Dein Wandel und deine Taten haben dir das eingetragen; deine Bosheit ist schuld daran, dass es [nun] so bitter steht, dass es dir bis ans Herz dringt! (Jeremia 4:18 SCH2000) Gäbe es keine Sünde, so gäbe es…

keine Kriege,
keine Katastrophen,
keine Gefängnisse,
keine Krankenhäuser,
keine Irrenanstalten,
keine Friedhöfe.
Wer nimmt sich trotz allem diese Dinge zu Herzen?

„Die Arglist der Sünde!“ Die Sünde hat viele Gewänder. Die Sünde in ihrer bloßen Form – sieht aus wie ein schwarzes, missgestaltetes Monster. Wie Gott die Sünde sieht, können wir in den vielen Gleichnissen sehen, die der Heilige Geist nutzt, um uns ihre Hässlichkeit und Widerwärtigkeit zu zeigen. Sünde ist vergleichbar mit dem Schaum eines überbrodelnden Kochtopfs, in dem eine abscheuliche Leiche ist, und mit einem toten und verfaulenden Körper!

In Sünde ist viel größere Bösartigkeit als man für gewöhnlich vermutet und das sogar bei der Mehrheit der Kirchenmitglieder. Menschen sehen die Sünde als ein Gebrechen an und bezeichnen sie als menschliches Manko oder vererbliche Schwäche.  Die Mehrheit betrachtet sie als bloße Bagatelle.

Unzählige religiöse Menschen erkennen so wenig Abscheulichkeit in Sünde, dass sie sich einbilden, ein paar Tränen würden ihren Schmutz abwaschen. Sie nehmen so wenig Kriminalität an ihr war, dass sie sich einreden, ein paar gute Werke seien eine völlige Wiedergutmachung.

Alle Vergleiche versagen darin, die entsetzliche Bösartigkeit dieser abscheulichen Sache, die Gott hasst, aufzuzeigen.  Wir können nichts Schlimmeres von der Sünde sagen, als was sie ist.

Quelle: Grace Gems
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Charles H. Spurgeon: Wir sind wie Motten!

Schätze der Gnade 5

Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen; belebe mich in deinen Wegen! (Psalm 119:37)

Meine lieben Freunde, starrt nicht auf die Sünde …
denn das Schauen brütet ein Verlangen,
und das Verlangen zeugt die Lust,
und die Lust bringt die Sünde mit sich!

Halte deine Augen auf den richtigen Pfad – so wirst du auch dein Herz auf den richtigen Pfad halten können.

Wenn nicht die erste Frau diese verbotene Frucht angestarrt und gesehen hätte, „dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht“, so hätte sie die verbotene Frucht nicht gepflückt und gegessen – und wir wären jetzt nicht Kinder der Sünde und des Leidens!

Meine Freunde, wenn wir anfangen, Ungerechtigkeit [Frevel] anzusehen, dann werden wir mit Sicherheit zu Fall kommen! Es gibt einige Sünden, die wir gebrechliche, arme Kreaturen nicht aushalten anzusehen. Wir sind wie Motten neben einer brennenden Kerze – das einzige was sicher für uns wäre, ist es, aus diesem Raum zu flüchten, raus an die frische Luft. Doch wenn wir in die Nähe der Kerze kommen, so werden wir mit Sicherheit unsere Flügel verbrennen und eventuell sogar uns selbst zerstören.

Genau so müssen wir darauf Acht geben, dass wir uns nicht an die Sünde gewöhnen. Ich bin davon überzeugt, dass sogar das Lesen in der Tageszeitung von den bösen Geschehnissen, uns befleckt. Wenn wir uns daran gewöhnen solche Dinge zu betrachten, so werden wir letztendlich immer weniger über schlechte, grobe Angewohnheiten denken, wie wir einst taten.

Nichts kann uns von den Klauen der Sünde fernhalten, wie das fallen in die Arme von Christus. Auf Christus schauen ist das perfekte Heilmittel gegen das Schauen auf die Sünde.

Lenke meine Augen von der Nichtigkeit, mein Herr, indem du sie mit einer Vision von dir selbst füllst, dieses grandiose Spektakel, welches Menschenaugen, Engelsaugen oder Gott selbst niemals zuvor sah – nämlich die Fleischwerdung Gottes, wie er unsere Sünden dort am Kreuz trug.

Lass deine Augen dort sein – und alles ist gut.

Quelle in Englisch
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Westminster Bekenntnis – Kapitel 6: Vom Fall des Menschen, der Sünde und deren Strafe

Das Westminster Bekenntnis aus dem Jahre 1647 in Deutsch vorgelesen.

Artikel 1: Der Sündenfall (0:16)
Artikel 2: Die Folgen des Sündenfalls (0:38)
Artikel 3: Erbsünde durch Abstammung (0:55)
Artikel 4: Die Erbsünde führt zu den einzelnen Sünden (1:17)
Artikel 5: Der Christ wird in diesem Leben nicht sündlos (1:38)
Artikel 6: Die gerechte Strafe für die Sünde (2:02)

Michael Horton: Reformierte Theologie Vs. Hyper-Calvinismus

Ehe der durchschnittliche Gläubige lernt, was reformierte Theologie (z.B. Calvinismus) eigentlich ist, lernt er normalerweise zuerst, was es nicht ist. Es ist oft so, dass Kritiker die reformierte Theologie nicht nach ihren Lehren definiert, sondern nachdem, was sie denken, wäre die logische Schlussfolgerung. Noch tragischer ist aber, dass einige Hyper-Calvinisten dem gleichen Kurs folgten. So oder so, der „Calvinismus“ wird am Ende von einer Extreme dargestellt, die er selbst nicht als Biblisch anerkennt. Die Vorwürfe gegen die reformierte Theologie, wofür der Hyper-Calvinismus schuldig ist, empfingen eine deutliche Antwort von der internationalen Dordrechter Synode (1618-1619) und dem Westminster Bekenntnis.

Ist Gott der Autor der Sünde?

Der Gott Israels ist der Fels; vollkommen ist sein Tun; ja, alle seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist er“ (5. Mose 32.4-5, Schlachter 2000). In der Tat, Jakobus hatte reale Menschen im Sinn als er verwarnte, „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott ist unangefochten vom Bösen; er selbst versucht aber auch niemand. (Jakobus 1:13, Schlachter 1951). Sünde und Bosheit haben ihren Ursprung nicht in Gott oder der Schöpfung, jedoch im eigenhändigen Willen und Handeln von Geschöpfen.

Die Schrift liefert uns hierzu ein paar Leitplanken: Auf der einen Seite wirkt Gott „alles nach dem Ratschluss seines Willens“ (Eph. 1:11); auf der anderen, übt Gott nicht – vielmehr, kann nicht – böses ausüben. Wir sehen diese zwei Leitplanken des Öfteren flüchtig in einigen Abschnitten, am deutlichsten aber in 1. Mose 45 und Apostelgeschichte 2. Beim Ersteren erkennt Josef, dass obwohl der Vorsatz seiner Brüder, ihn als Sklave zu verkaufen, böse war, Gott es gut gemeint hat, damit viele Menschen während der Hungersnot gerettet werden (Verse 4-8). In dem gleichen Atemzug lesen wir in Apg. 2:23, dass „gesetzlose Menschen“ für die Kreuzigung verantwortlich sind, und doch wurde Jesus „nach Gottes festgesetztem Rat und Vorherwissen dahingegeben …“. Die Herausforderung hier liegt darin, das zu bejahen was die Schrift lehrt und nicht weiter zu spekulieren. Wir wissen zwar von der Schrift das beides wahr ist, jedoch nicht wie das sein kann. Die vielleicht prägnanteste Aussage zu diesem Argument ist im Westminster Bekenntnis zu finden (Kapitel 3:1): „Gott hat von aller Ewigkeit her nach dem vollkommen weisen und heiligen Ratschluss seines eigenen Willens uneingeschränkt frei und unveränderlich alles angeordnet, was auch immer geschieht;“ – dort ist die erste Leitplanke – doch so, dass Gott dadurch weder Urheber der Sünde ist noch dem Willen der Geschöpfe Gewalt angetan, noch die Freiheit oder Möglichkeit der Zweitursachen aufgehoben, sondern vielmehr in Kraft gesetzt werden.“1 und hiermit die zweite Leitplanke. Der gleiche Punkt wird auch im niederländischen Glaubensbekenntnis gemacht (Artikel 13) und fügt hinzu, „über alles aber, was er tut, dass die menschliche Fassungskraft übersteigt, wollen wir nicht neugierig und über unsere Fassungskraft nachforschen.“2

  „Michael Horton: Reformierte Theologie Vs. Hyper-Calvinismus“ weiterlesen

R. C. Sproul: Wie Sündhaft ist der Mensch?

Stelle dir einen Kreis vor. Dieser Kreis repräsentiert den Charakter des Menschen. Jedes Mal, wenn ein Mensch Sündigt taucht ein Fleck – eine Art moralischer Schandfleck – in diesem Kreis auf, welcher den Charakter des Menschen ruiniert. Sobald weitere Sünden erfolgen tauchen mehr Schandflecken in diesem Kreis auf. Wenn Sünden sich also weiterhin vermehren, dann wird der Kreis irgendwann vollständig mit Flecken und Makel gefüllt sein. Ist es wirklich schon so weit? Der menschliche Charakter ist offensichtlich mit Sünde befleckt, es geht in dieser Diskussion jedoch um das Ausmaß dieser Beschmutzung. Die Römisch-Katholische Kirche behauptet, dass der Charakter des Menschen nicht vollständig beschmutzt ist und eine kleine Insel an Rechtschaffenheit besitzt. Die protestantischen Reformatoren aus dem 16. Jahrhundert dagegen, bekräftigten die lückenlose Verschmutzung und Verderbtheit des Menschen, welche uns vollkommen korrupt darstellt.

Es gibt einen Haufen an Missverständnissen zu diesem Bekenntnis der Reformatoren. Der Begriff „totale Verderbtheit“, wird in der klassischen, reformierten Theologie verwendet, um die Zwangslage des Menschen zu beschreiben. Menschen tendieren bei der Erwähnung dieses Wortes zusammenzuzucken, weil es eine weiterverbreitete Verwechslung zwischen dem Konzept der totalen Verderbtheit und dem Konzept der äußersten Verderbtheit gibt. Äußerste Verderbtheit würde bedeuten, dass der Mensch so Böse ist, so korrupt, wie er nur sein kann. Ich denke nicht, dass es einen Menschen gibt, der aufs äußerste Verdorben ist, dies ist aber nur wegen der Gnade Gottes und der Kraft seiner allgemeinen Gnade so. So viele Sünden wie wir auch Individuell begangen haben, wir hätten schlimmer sein können. Wir hätten öfters Sündigen können. Wir hätten Sünden begehen können die noch abscheulicher sind. Wir hätten auch eine größere Anzahl an Sünden begehen können. Totale Verderbtheit bedeutet nun nicht, dass der Mensch so schlecht ist, wie man es sich nur vorstellen kann.

Wenn die protestantischen Reformatoren nun von totaler Verderbtheit sprachen, meinten sie, dass die Sünde – ihre Kraft, ihr Einfluss, ihr Trieb – den ganzen Menschen beeinflusst. Unser Körper ist gefallen, unser Herz ist gefallen, unser Verstand ist gefallen – es gibt nichts an uns das die Verwüstung der Sünde entfliehen könnte. Sünde beeinflusst unser Verhalten, unser Gedankenleben, sogar unsere Unterhaltungen. Die ganze Person ist gefallen. Dies ist das wahre Ausmaß unserer Sündhaftigkeit, wenn bei dem Standard und der Norm von Gottes Perfektion und Heiligkeit verurteilt.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Jonathan Edwards: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes

Kurzbiographie:

Jonathan Edwards (1703-1758) ist einer der einflußreichsten Theologen Amerikas und eine wichtige Person der Erweckungsbewegung des „First Great Awakening“ (1740-1760). Der Puritaner hielt wie die anderen auch an die Reformierte Theologie. Er kam zu der Erkenntnis eines absolut souveränen Gottes nachdem er als 18-Jähriger über 1. Timotheus 1:17 nachsinnte, dies spiegelt sich auch in seinen Predigten und Büchern wieder. Seine bekannteste Predigt bzw. die bedeutenste Predigt auf amerikanischen Boden „Sünder in den Händen eines Zornigen Gottes“ wurde 1741 in Enfield abgehalten.

Seine Technik beim vortragen der Predigten war sehr unspektakulär, er laß sie in einem gleichmäsigen aber überzeugten Ton vor und mied dabei zu schreien oder sonstige theatralische handlungen.


Die ganze Predigt gibt es hier.

„Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.“
5. Mose 32,35

Nichts kann die unbekehrten Menschen in irgendeinem Augenblick vor der Hölle bewahren als allein der Wille Gottes. Damit meine ich jenen souveränen, erhabenen Willen, der durch keine Verpflichtung und durch keine Schwierigkeiten, überhaupt durch nichts gehindert oder zurückgehalten wird als durch sich selbst; nichts anderes ist nur im geringsten und in jeder Hinsicht an der Bewahrung der Unbekehrten in einem bestimmten Augenblick beteiligt. Die Wahrheit dieser Behauptungen wird sich auf Grund der folgenden Überlegungen erweisen:

1. Es fehlt Gott nicht an der Macht, die unbekehrten Menschen in einem beliebigen Moment in die Hölle zu stoßen. Die Kraft der Menschenhände ist dahin, wenn sich Gott erhebt. Die stärksten Menschen können ihm nicht widerstehen, und niemand kann aus seiner Hand befreien. Gott kann nicht nur die unbekehrten Menschen in die Hölle stürzen; es fällt ihm das dazu noch sehr leicht. Manchmal hat ein Fürst dieser Erde die größte Schwierigkeit, einen Aufrührer zu unterwerfen, wenn es diesem gelungen ist, sich mit einem großem Anhang und damit mit einer gewissen Macht in einer Festung zu halten. Anders bei Gott – keine Festung bietet den geringsten Schutz gegen Seine Macht. Mögen sich die Feinde Gottes die Hände reichen, mögen sie sich in großer Zahl verbünden und einander beistehen – sie werden im Nu zu Scherben zerbrochen. Sie gleichen einem Haufen leichter Spreu vor einem Wirbelwind oder einer Menge dürrer Stoppeln vor einem verzehrenden Feuer. Es erscheint uns leicht, einen Wurm zu zertreten, der am Boden dahin kriecht, oder einen Faden zu durchschneiden oder entzwei zu brennen, an welchem etwas aufgehängt ist; ebenso leicht fällt es Gott, seine Feinde in die Hölle zu werfen, wenn es ihm beliebt. Wer sind wir denn eigentlich, dass wir glauben, wir könnten vor Ihm stehen, vor dessen Schelten die Erde erzittert, vor dem die Felsen fallen?

2. Die Gottlosen verdienen es auch, in die Hölle geworfen zu werden; die Gerechtigkeit Gottes steht dem keineswegs im Wege; sie erhebt durchaus keinen Einspruch, wenn Gott seine Macht gebraucht, um Sünder in irgendeinem Augenblick zu verderben. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit ruft laut nach einer schonungslosen Bestrafung ihrer Sünden Die göttliche Gerechtigkeit sagt von dem Baum, der Früchte wie diejenigen Sodoms hervorbringt:„Haue ihn ab! Warum hindert er das Land?“ (Lk 13,7) Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit wird jeden Moment über ihren Häuptern geschwungen, und nur Gottes souveräne Gnade und sein erhabener Wille halten es noch vor dem vernichtenden Schlag zurück.

3. Das Gerichtsurteil, die Verdammnis zur Hölle, ist schon gefällt. Die Sünder haben es nicht nur verdient, dorthin zu gelangen; gegen sie steht der Rechtsspruch im Gesetz Gottes, jene ewige und unumstößliche Rechtsordnung, die Gott zwischen sich und der Menschheit aufgestellt hat; schon deshalb sind die Sünder jetzt schon für die Hölle bestimmt. Joh 3,18: „Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt.“ Demnach gehört jeder unbekehrte Mensch jetzt schon der Hölle; dort ist sein Platz; von dorther stammt er ja. Joh 8,23: „Ihr seid von unten!“ Und dorthin ist er schon unterwegs nach dem Ort, den die Gerechtigkeit, das Wort Gottes und das Urteil eines unveränderlichen Gesetzes ihm zuweisen.

4. Auf den Unbekehrten lastet jetzt schon derselbe Zorn Gottes, der sich dereinst in den Höllenqualen auswirken wird. Wenn sie nicht im nächsten Moment zur Hölle fahren, so liegt es nicht daran, dass Gott, in dessen Macht sie ja fortwährend stehen, nicht jetzt schon gegen sie erzürnt wäre – ebenso sehr wie gegen so viele unglückliche Geschöpfe, die jetzt in der Hölle gequält werden und dort den grimmigen Zorn Gottes erfahren und tragen müssen. Ja, Gott zürnt den vielen noch mehr, die jetzt noch auf der Erde sind, ohne Zweifel sogar etlichen, die jetzt vielleicht diese Predigt lesen und sich dennoch behaglich fühlen. Wenn Gott Seine Hand noch zurückhält und sie noch nicht dahinrafft, so liegt es nicht daran, dass Er nicht an ihre Gottlosigkeit dächte und sich nicht darüber entrüsten würde. Gott ist kein Wesen wie sie selbst, obschon sie sich vielleicht einbilden, er sei es. Gottes Zorn ist gegen sie entbrannt; ihre Verdammnis schlummert nicht. Der Abgrund ist zu ihrem Empfang bereit; das Feuer brennt schon und der Ofen ist glühend heiß; die Flammen wüten. Das glitzernde Schwert ist geschliffen und gezückt und der Abgrund unter ihnen sperrt sein Maul weit auf.

„Jonathan Edwards: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes“ weiterlesen