James Smith: Ohne ein Heim

Schätze der Gnade 52


Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.
(Matthäus 8:20)

Welch erstaunliche Tatsache!
Hier haben wir den Schöpfer aller Dinge – ohne ein Heim!
Der Herrscher des Universums – ohne einen Wohnsitz!
Ewiger, unvergänglicher König – bedürftiger als die Vögel des Himmels oder Tiere der Erde!

„Und so ging jeder in sein Haus. Jesus aber ging an den Ölberg“  (Johannes 7:53-8:1).

Jeder hatte ein Zuhause, nur Er nicht!

Wie kam es dazu?
Es ist die LIEBE!
Liebe für wen?
Die Liebe für Sünder – für die schändlichsten und gemeinsten Menschen!
Doch wieso erniedrigte Er sich auf diese Weise?
Er wurde arm – damit wir reich würden!

Ohne eine Behausung lebte der Herr hier auf Erden, um uns eine Residenz im Himmel zu sichern!

Die Zeit hier auf Erden lebte Er in Armseligkeit, um uns einen glorreichen Teil in der Ewigkeit zu schenken!

O, Jesus, wie wunderbar ist deine Liebe!

Meine Seele, verehre, preise, bewundere die erstaunliche Liebe deines Herren!

Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
(2. Korinther 8:9)

Quelle: Grace Gems 25.12.2017 – Bible Readings for the Lord’s Household – James Smith
Übersetzung: TheologiaDE.blog

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Martin Luther: Warnung vor Irrlehren

Eine Predigt von Martin Luther über das Wort Gottes, die Wachsamkeit und dem Fliehen von Irrlehren.

Ein kurzer Auszug:

Der Herr will, daß wir nur am Wort halten und von denselben uns nicht sollen abführen lassen. Was aber dem Wort entgegen ist, daß sollen wir hassen und fliehen, als den Teufel selbst. Darum soll niemand sicher sein, noch schlafen. Denn es wird nicht fehlen (wie zuvor gesagt), wo das Wort recht und fein ist, da bleiben die Wölfe nicht außen, sondern kommen gewiß. Wie man den sieht, erstlich in der Kirche, danach auch in weltlichem Regiment und Haushalten. Allenthalben mischt sich der Wolf ein, ob er uns von Wort reißen und Schaden tun könnte. Die christliche Kirche hat das rechte, reine Wort Gottes; dabei kann der Teufel sie nicht bleiben lassen, führt allerlei Schwärmer herrein, die von der Taufe, vom Abendmahl Christi, von Christus selbst etwas Neues uns Sonderliches bringen, die Leute dadurch Irre machen und verführen. Und wo sich solche Schwärmer finden, haben wir, als heillose, vorwitzige Leute, die Unart an uns, sobald wir etwas Neues hören, daß wir sofort darauf fallen, fallen vom Wort, und gaffen solchen Rotten und Schwärmern auch noch nach.

Aber weil wir so unfleißig daß Wort hören, und ledige Herzen behalten, die sich nicht an das Wort halten, daher kommt es, daß der Teufel solche ledigen Herzen findet, und sie in grobe und schlimme Irrtümer führt. Davor will uns der Herr gerne warnen, daß wir nicht solche leichtfertigen Herzen behalten, sondern bedächten, wie wir Gottes Wort ja wohl und fest fassen könnten. Denn er schickt uns nicht unter die Engel, sondern unter die Wölfe; da heißt es gut aufpassen. Wer nun hier der Sache will gewiß sein und nicht irren, der halte sich, spricht Christus, an mein Wort. Das ist das rechte Licht, daß ich euch angezündet habe, und der Harnisch, damit ihr euch gegen des Teufels Stiche halten könnt, und euch fein wehren, wenn er auch gleich den Schafskleidern zu euch kommen wird.

Um dieser Gefahr wegen, daß wir nicht auch vom Teufel verführt werden, warnt uns der Herr hier und sagt: “ Sehet euch vor „. Als wollte er sagen: Werdet ihr verführt, so ist die Schuld nicht meine, sondern euer. Ursache, ich habe euch mein Wort rein und lauter gegeben, daß soll euer Hut und Licht sein, daß euch vorleuchte. Schaut nur ihr darauf, und laßt dieses Licht nicht aus den Augen, sondern haltet euch fest daran. Höret ihr jemand dagegenreden, daß mit meinem Wort nicht stimmt, so sprecht: Ich höre nicht; hier ist mein Licht, daß leuchtet mir anders.

Wie er bald dem Anfang im Paradies mit Adam und Eva bewiesen, und sie mit allen ihren Nachkommen in Sünde, Tod und Zorn Gottes geworfen hat. Aus solchen Jammer hat uns unser barmherziger Gott und Vater im Himmel durch seinen Sohn geholfen, daß wir von Sünden und Tod sind selig geworden. Darum schleicht der Feind uns wieder nach, ob er aus solcher Gnade uns rücken und in den alten Unfall bringen könnte. Da müssen wir uns wohl vorsehen, und treu am Wort halten, sonst sind wir verloren.

Das ist die erste Regel, daß wir uns durch die Schafwolle nicht sollen betrügen lassen. Denn wenn auch die Worte gut, daß Amt recht, daß äußerliche Leben ohne Ärgernis, und daneben große, sonderliche, und nicht schlechte Gaben sind; dennoch kann man verführt und betrogen werden: das unter dem guten Wort ein schädliches Gift, unter dem rechten Amt ein gefährlicher Mißbrauch, unter dem guten Leben ein Betrug, und unter den großen Gaben ein falsches Herz verborgen liegen. Darum, sobald du das Schafskleid siehst, so denke: Hier ist es nicht sicher; denn Christus selbst warnte, daß auch die Wölfe Schafskleider anziehen und sich darunter verbergen. Darum muß ich den Schafspelz aufdecken und darunter sehen. Wie geschieht nun das?

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Des Königs Königreich

Eine Predigt von Martin Luther über das Königtum und Königreich Christi, dem Heiland im Alten Testament und der Dienerschaft.

Ein kurzer Auszug:

Dagegen aber, sagt Sacharja, wird dieser arme und bettlerische König eine andere Macht haben, denn sonst alle Könige und Kaiser haben, die jemals auf Erden gekommen sind, sie seien gleich so große und mächtige Herren gewesen, als nie zuvor gewesen sind. Nicht ein reicher, prächtiger, herrlicher König vor der Welt, sondern ein Gerechter und ein Heiland, der Gerechtigkeit und Seligkeit mitbringen, und Sünde und Tod angreifen, und ein Sündenfeind und Todesfeind sein soll, der allen denen von Sünden und ewigen Tod helfen will, die an ihn glauben und ihn als ihren König aufnehmen, und sich den armen, und geliehenen Esel nicht ärgern lassen. Die solches tun, denen soll die Sünde vergeben sein und der Tod nicht schaden, sondern sie sollen das ewige Leben haben. Und ob sie schon leiblich einmal Sterben und begraben werden, so soll es doch nicht ein Tod sein noch heißen, sondern nur ein Schlaf. Solches will der Prophet von diesem Könige uns lehren mit dem, daß er ihm diese zwei Namen gibt und heißt ihn gerecht und einen Heiland, der dem Tod die Zähne ausbrechen, dem Teufel den Bauch zerreißen, und also uns, die wir an ihn glauben, von Sünden, Tod frei machen soll, und unter die Engel führen, da ewiges Leben und Seligkeit ist.

Daß es nun unser König, der liebe Herr Jesus Christus, und ist dies sein Reich und Amt. Er geht nicht mit Thalern, Kronen und großen Königreichen, und weltlicher Pracht um; nein, sondern wenn wir müssen Sterben und können das Leben hier nicht länger behalten, so ist dies sein Amt und Werk, daß wir durch sein Leiden und Tod wissen, wo wir bleiben sollen; daß wir können sagen: Ich bin geheiligt durch meinen König Jesu Christum, der ist darum so elendiglich gekommen, hat sich darum an das Kreuz schlagen lassen, daß er mich heiligen wollte und in mir ersäufen meine Sünde und Tod. Wer solches also glaubt, wie er es hört und im Evangelium gepredigt wird, der hat es also. Daß er dadurch seine Gerechtigkeit dir anziehen will, daß seine Heiligkeit dein und seine Unschuld auch dein eigen sein soll. Denn wir sind elende, arme Sünder, aber er tröstet uns und spricht: Gib mir deine Sünde her, und ich gebe dir meine Gerechtigkeit und Heiligkeit; lasse dir deinen Tod abziehen und ziehe dafür mein Leben an. Das heißt eigentlich Christi Regiment. Denn all sein Amt und Werk ist dieses, daß er uns täglich Sünde und Tod ausziehe, und seine Heiligkeit und Leben uns anziehe.

der Apostel und anderer, so hier mit dem Herrn Christus zu Jerusalem einlaufen. Denn weil der Herr Christus ein König ist, so muß er auch ein Reich oder Volk haben, und das Volk muß sich mit rechtem gebührlichen Dienst gegen diesen König erzeigen. Was nun solcher Dienst sei, zeigt die Geschichte sehr fein an. Denn hier findet man Leute, die den Herrn Christum als einen König erkennen, und sich nicht scheuen, neben dem elenden Esel und armen König her zu laufen. Unter denselben sind die Apostel die ersten, die erkennen den Herrn Christum für den Rechten Messias, der gerecht machen und ein Heiland wider Sünde und Tod sein werde. Deswegen bringen sie hier dem Herrn Christus den Esel, das ist, sie weisen die Juden zu Christus, die bisher unter dem Gesetz gelebt, und solche Last, wie ein Esel, getragen hatten. Jetzt aber mit dem Esel führen sie zu Christus auch das junge Füllen, die Heiden, so noch ungezähmt und unter keinem Gesetz gewesen waren. Denn Christus ist ein Heiland aller Menschen. Deswegen alle rechtschaffenen Prediger und Lehrer die Leute zu Christus leiten und führen sollen. Das ist der eine Gottesdienst, der diesem König gebühret, daß man ihn für einen Gerechten und Heiland erkennen, annehmen, rühmen und preisen, und jedermann zu ihm weisen soll.

Die ganze Predigt:

„Martin Luther: Des Königs Königreich“ weiterlesen

C. H. Spurgeon: Wer kann die Tiefen der Hölle ergründen?

Schätze der Gnade 34


Wenn wir Aussagen aus der Bibel nehmen, über die bevorstehende Verdammnis, melden sich plötzlich Leute zu Wort und behaupten, wir hätten die Idee der Höllenqualen von Philosophen wie Dante oder Milton! Und doch, würden wir auch die erschreckendsten und beängstigendsten Beschreibungen über verlorene Seelen nehmen, würden sie letztlich doch nichts im Vergleich zu der Liebe des Christus sein. Horcht hin: „Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist! “ [Mat. 25:41]

Du und ich, wir werden niemals in der Lage sein, uns die Tiefen der Hölle vorzustellen. Es ist wie ein dunkler Schleier durch den man nicht hindurchschauen kann – wir können uns nicht vorstellen, wie furchterregend der Kerker der verlorenen Seelen ist!

Wie glücklich können wir uns nun schätzen, noch nie das Jammern einer verdammten Seele gehört zu haben, denn im Vergleich zu dem, sind tausend Qualen hier auf Erden wie das Flüstern einer Magd.

Es wäre für uns Menschen nicht möglich zuzuschauen, wie diese Seelen einer ewigen, niemals mindernden Pein unterliegen. Unsere Augen würden in einem Moment das Augenlicht verlieren und in Dunkelheit gehüllt sein – diesen Anblick kann niemand ertragen.

Die Hölle ist schrecklich. Man kann auch von ihr sagen: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist“ – diesen Horror hat Gott denen bereitet, die Ihn hassen!

Sünde ist die Gebärmutter der Hölle! Das Wesen der Sünde ist Hölle. Sie ist die Schale der Hölle. Die Sünde wird zur Hölle, sobald sie sich vollständig entwickelt hat! Sünde bedeutet Hölle!

Stelle dich vor die Tore der Hölle und erkenne, wie giftig das Gegenmittel des Himmels ist. Denn dieses Gegenmittel kommt durch die fürchterlichen Qualen und den Tod des Eingeborenen Sohnes.

Jesus ist der wahre Liebhaber der Seelen – Er führt Menschen niemals hinter das Licht!
Ein Mensch auf der anderen Seite, der die Pein der Hölle versucht herunterzuspielen – dieser Mensch trachtet danach seinen Nächsten umzubringen, mit dem Vorwand, sein Freund zu sein!

Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus
(1 Thessalonicher 5:9)

Quelle: Grace Gems 20.08.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

John Newton: Christus in unserer Mitte

Schätze der Gnade 32


Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!
(Matthäus 28:20)

Der natürliche Mensch hat finstere und entwürdigende Gedanken, wenn es um Gott geht. Er ist den Menschen fremd.

Doch wenn das Herz erleuchtet wird, werden wir erkennen, wie Jakob das tat: „Wahrlich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht! [1. Mose 28:16]“ Obwohl wir Ihn nicht sehen können – so sieht Er uns und ist uns näher als wir uns selbst!

Wenn wir nun errettet sind, dann fangen wir an zu erkennen, dass dieser Christus allgegenwärtig ist. Das Reich des Himmels und der Erde, die Natur, die göttliche Vorhersehung und Fürsorge, wie auch seine Gnade – alles ist in Seiner Hand. Er ist es doch, mit dem wir es zu tun haben. Der Heiland, der Qualen erlitt und starb, damit wir erlöst werden. Er ist noch immer der Sanftmütige und Mitfühlende, wie Er es in der Zeit seiner Fleischwerdung hier auf Erden gewesen ist.

Diesen Jesus kennen wir durch das Evangelium – im Angesicht seiner Offenbarung als Hirte, Richter, Bräutigam und Freund. Freimütig und demütig können wir nun in das Allerheiligste Heiligtum treten, um all unsere Sorgen und Anliegen vorzubringen. Wir können seiner mächtigen Hand vertrauen – Er erhält ja alle Dinge [Hebr. 1:3]. Seiner Liebe können wir vertrauen, denn Er ist es, der unsere Scham und Strafe am Kreuz trug – all das um Sünder aus ihrem Elend zu befreien!

Es gibt eine Höhe, Breite, Länge und Tiefe der wunderbaren, erlösenden Liebe, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übertrifft!

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden den Namen erhält, dass er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit gebe, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden an dem inneren Menschen, dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, damit ihr, in Liebe gewurzelt und gegründet, dazu fähig seid, mit allen Heiligen zu begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe sei, und die Liebe des Christus zu erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes.
(Epheser 3:14-19)

Quelle: Grace Gems 10.2014
Übersetzung: TheologiaDE.blog

James Smith: Die Ewigkeit

Schätze der Gnade 29


Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.
(Matthäus 25:46)

Die Seele lebt ewig – sie wird niemals aufhören zu existieren. Gott hat in seinem ewigen und unwandelbaren Plan beschlossen, dass sie ewig leben wird.

Die Ewigkeit! Wer kann sie jemals in ihrer Fülle erfassen.

Für immer! Wer kann sich so etwas vorstellen!

Millionen von Jahre…
zahlreicher als die Sterne am Himmel,
zahlreicher als der Sand am Meer,
zahlreicher als alle Grashalme der Erde,
zahlreicher als die Blätter, die im Herbst fallen,
– sie sind alle nichts im Vergleich zu der Ewigkeit!

Doch wo werden wir sein? Wie werden wir die Ewigkeit verbringen? Werden wir leiden oder fröhlich sein?

Alles hängt von dem Zustand ab, in dem man sich befindet und letztlich stirbt. Leben wir in Sünde, uns selbst und dem Satan dienend – dann sterben wir unter dem Fluch Gottes und verdienen es in der Hölle auf ewig zu sein. Glauben wir jedoch an Jesus Christus und leben für Gott – dann sind wir unter dem Segen Gottes und empfangen und genießen die Herrlichkeit im Himmel auf ewig.

Lass dir diese Tatsache, auf ewig zu leben, gründlich durch den Kopf gehen. Versuche dir vorzustellen, was es heißt zu sagen: „Ich werde für immer leben! Ich werde mein Leben entweder in unaussprechlicher Freude verbringen oder in unvorstellbaren Qualen. Mein ewiges Leben ist von meinem jetzigen Zustand abhängig. Verbringe ich mein Leben in einem unbekehrten Zustand – dann bin ich verdammt und verloren, was bedeutet, für immer verloren. „

[Gott] lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen!
(Psalm 90:12)

Quelle: Grace Gems 15.07.2017 | „The Way of Salvation Set Forth“ von James Smith
Übersetzung: TheologiaDE.blog
Video: https://www.youtube.com/watch?v=HqV2Zy_6YMk

Martin Luther: Gottes Reich und das Weltreich

Eine Predigt von Martin Luther über das Weltreich und dem Reich Gottes.

Ein kleiner Auszug:

Und zwar, wie gesagt, die Römer hatten kein Recht, daß sie die Juden überzogen und sich untertänig machten. Denn die Römer waren ja Heiden, die Gottes Wort und den rechten Gottesdienst nicht hatten, wie die Juden. Das tat den Juden sehr wehe; ließen deswegen sich bedenken, sie hätten ihr Recht scharf ergriffen und wohl gefaßt. Aber sie fehlten, gleichwie wir in solchem Fall auch fehlen. Denn obschon dein Nächster dir Unrecht tut, so sollst du doch deine Rechnung nicht darauf machen; sondern dahin sehen und denken: Wie, wenn ich mich vor unserem Herrn Gott so hoch versündigt, daß ich längst verdient hätte, daß er mir nicht allein mein Recht, sondern auch Leib und Leben genommen sollte haben? Das ist das eine, daß wir lernen sollen.

Nun ist es nicht weniger, die Juden benahmen sich sehr übel daß sie sollten einem heidnischen Kaiser untertan sein; dachten: Wir sind Gottes Volk, die Heiden wissen von Gott nichts, Leben dazu in aller Abgötterei und Schanden: wie kommen wir denn dazu, daß wir ihnen dienen, und sie unserer Herren sein sollen? Aber was gottesfürchtige, fromme Leute waren, die hoben ihre Hände zu Gott auf und baten um Gnade; auf das Recht aber pochten sie nicht; denn sie wußten, daß sie es mit ihren Sünden wohl verdient hätten.

Darum sollen wir lernen unsere Klage mäßigen und eine gleiche Rechnung machen: daß wir nicht allein dahin sehen, was wir für ein Recht gegen andere haben, sondern was für ein Unrecht wir gegen Gott tun; und alsdann in aller Demut und Geduld unsere Hände zu Gott aufheben, und sagen: Wahr ists, es geschieht mir Unrecht, ich habe es um diesen Menschen nicht verdient; aber ich muß auch hinter und über mich sehen, wie ich mit Gott dran bin. Da finde ich ein langes Register, daß verklagt mich, daß ich zehnmal Ärger bin, und habe zehnmal, ja, tausendmal mehr wider Gott gesündigt, denn mein Nächster wider mich. So muß ich sagen: O Herr, vergib, ich will auch vergeben.

 

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Das Wort Gottes, horcht hin

Eine Predigt von Martin Luther über die Autorität, Kraft und Wichtigkeit des Wortes Gottes.

Ein kleiner Auszug:

Hier soll man zuerst lernen, was das Wort “ Himmelreich “ heiße, nämlich, daß es nicht heiße ein Königreich auf Erden, sondern ein Reich im Himmel, da Gott selbst allein König ist. Das heißen wir die christliche Kirche, die hier auf Erden ist. Denn der Herr braucht darum dies Gleichnis von der Hochzeit, daß des Königs Sohn, unser lieber Herr, der Herr Christus, die Kirche sich zur Braut nimmt. Darum sollen man das Himmelreich auch also verstehen lernen, daß es sei hier unten auf Erden, und sei doch nicht ein weltlich noch zeitlich Reich, sondern ein geistliches und ewiges. Denn mit uns Christen hier auf Erden geht es also, daß wir schon mehr denn die Hälfte im Himmelreich sind, nämlich, mit der Seelen und Geist, oder nach dem Glauben, bis der Leib endlich auch nach kommt.

Denn wo das Evangelium ist, da ist Christus. Wo Christus ist, da es der Heilige Geist und zu sein Reich, das Rechte Himmelreich; und alle, so daß Wort und Sakrament haben und Glauben, und durch den Glauben in Christum bleiben, sind himmlische Fürsten und Kinder Gottes. Und ist allein darum zu tun, daß unser Herr Gott die Wand weg tue, die noch dazwischen ist, das ist, daß wir sterben, so wird es alsdann eitel Himmel und Seligkeit sein.

Sind aber solches nicht elende, unselige Leute, so um ihres Ackers oder Hantierung willen dieser herrliche Mahlzeit, nämlich, Vergebung der Sünden und ewiges Leben, verachten, und dennoch die Hoffnung haben, es soll ihnen wohl dabei gehen? Denn sonst würden sie sich den Acker oder die Hantierung nicht so sehr lieb sein lassen, daß sie darüber diese Mahlzeit versäumten.

Also soll es gehen, wo man das Wort Gottes verachtet und nicht hören will, welches die höchste und größte Sünde ist; deswegen gehört auch die höchste und schärfste Strafe darauf.

Unser Herr Gott wollte gern, daß wir auf die Knie davor niederfielen [vor dem Wort Gottes], und es nicht allein mit goldenen Buchstaben in die Bücher, sondern in die Herzen schrieben. So will es die Welt da am wenigsten haben, ja, kann es kaum leiden, daß es geschrieben ist in den Büchern und auf der Kanzel erschallt. Den Teufel will sie im Herzen haben, der regiert sie auch, daß wohl besser taugte.

Denn da verheißt dir Gott und spricht: Wenn du mein Wort fleißig hörst und behältst es, sollst du ein Herr des Teufels sein, daß er vor dir fliehen und zu dir nicht nahen darf. Denn wo mein Wort ist, da bin ich auch. Wo aber ich bin, da wird der Teufels sich nicht dürfen finden lassen, sondern muß davon gehen.


Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Von der Gerechtigkeit

Eine Predigt von Martin Luther über die Gerechtigkeit vor Gott.

Ein kleiner Auszug:

Wer nun aus dem Wort Christi den Bericht hat, und glaubt, daß solche Sünden ihm vergeben sind, der ist gerecht: nicht seinethalben, denn Sünden hat er; sondern der Gnade halben, daß solche Sünden durch den Glauben an Christus vergeben sind. Darum spricht Petrus in der Apostelgeschichte Kapitel 15,9.: Gott reinige die Herzen durch den Glauben. Dies Reinigen aber geht nicht so zu, daß wir keine bösen Gedanken noch Lust mehr im Herzen fühlen; welches wird nicht ihr Herr geschehen, bis wir begraben, und zum anderen und ewigen Leben auferstehen werden; da wird das Herz wahrhaftig gereinigt sein. Hier aber geht solches im Wort und Glauben, daß Gott die Sünde um Christus willen nicht zurechnen noch strafen, sondern vergeben und nachlassen will. Doch dazu folgt die Frucht des Glaubens, daß wir durch die Hilfe des Heiligen Geistes anfangen, fromm zu sein und Gott seinen Gehorsam zu leisten; aber, wie gemeldet, es ist ein unvollkommener Gehorsam, darum muß die Vergebung der Sünde sein.

Das fünfte Gebote, wie ihr wißt, heißt also: Du sollst nicht töten. Der dachten die Pharisäer, wenn sie mit der Hand nicht totschlügen, so hätten sie diesem Gebot genug getan, es hätte keine Not, niemand könnte sie höher treiben. Aber Christus spannt es ihnen höher und spricht: Nein, Geselle, es hat eine andere Meinung. Wenn das fünfte Gebot also hieße: Deiner Hand soll nicht töten; so hätte dem Gebot genug getan, will er mit der Hand nicht tötet. Aber es lautet also: Du sollst nicht töten, das ist: dein Herz, dein Mund, deine fünf Sinnen und alles, was du hast und an dir ist, daß soll deinem Nächsten nicht schädlich sein. Du sollst nicht allein den Körper totschlagen, sondern auch alles das lassen, was zum Tod dient.

Daraus ist klar, daß der Herr daß Wort “ töten “ nicht so eng spannt, daß es allein hieße, das Leben ihnen und ein Aas machen; sondern es begreift alles das Tun, aus welchem der Tod folgen müßte. Als, wenn du jemand feind bist, und gönnst ihn nicht einen Bissen Brot, wie der reiche Mann dem armen Lazarus; da müßte ein solcher Mensch deinetwegen Sterben und verderben. Du würgst ist ihn mit der Faust nicht, und bist doch ein Mörder, nach dem Spruch: Gibst du deinem Bruder nicht zu essen, so hast du ihn erwürgt. Und 1 Johannes 3,15. “ Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todschläger, und ihr wisset, daß ein Totschläger hat nicht das ewige Leben bei ihm bleibend „; Ursache, wo Haß ist, da fehlt nur die Gelegenheit, daß der Totschlag leicht folgen kann. Darum wer dies Gebot halten will, der muß nicht allein die Hand an sich halten, sondern das Herz soll auch ohne allen Zorn sein: daß man nicht einen so sauren Blick sehen, nicht ein hartes Wort fahren lasse, auch gegen die, da alle Welt sagen muß, sie haben alles Unglück um uns verdient.

Wer sich nun also in den zehn Geboten übte, meinst du nicht, er würde nicht jede Stunde Ursache haben, seine Sünde zu beichten, zu beten und sich im Glauben und Wort zu üben? Denn das Beichten muß sein, wenn der Zorn oder andere Lüste uns angreifen, daß wir es nicht leugnen noch entschuldigen, sondern Gott bekennen und ihm von ganzem Herzen beichten, daß wir Unrecht getan haben. Da muß danach das Beten auch folgen, daß Gott solches uns nicht zurechnen soll, sondern vergeben, und uns, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist frömmer machen. Auf solches Gebet soll der Glaube folgen, daß wir nicht zweifeln, es sei uns durch Christus diese und andere Sünde vergeben.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Wie Gott will, dass wir beten

Eine Predigt von Martin Luther über das beständige Gebet.

Ein kleiner Auszug:

Da siehe nun auf dies Weiblein, und lerne dich auch in solchem Fall halten, wie sie sich hält. Sie geht hin und sieht solches nicht, ist gleich blind im Geist, daß sie eine Heidin und er ein Jude ist. Denn das Vertrauen und Herz zu Christo ist so groß, daß sie denkt: Er wird mich nicht lassen. Mit solchem Glauben löscht sieht das aus, daß sie eine Heidin ist. Das würde ein anderer ohne Glauben nicht getan haben; sondern würde also gedacht haben: Du bist des Teufels, es ist vergebens, daß du betest; Laß sein Volk bitten, mit dir will Gott nichts zu tun haben, und würde darum nicht gebeten haben. Aber das Weiblein läßt sich nicht anfechten, diskutiert nicht bei sich selbst: Du gehörst in das Haus nicht, du bist eine ausgeschlossene Heidin, und nicht Wert, daß dich die Erde trage.

Dennoch läßt sich der Herr noch nicht finden, wie sie ihn gerne hätte. Denn höre, was sagt er zu diesem Weiblein? “ Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme, und werfe es vor die Hunde „. Wenn er solch ein Wort zu mir gesagt hätte, ich wäre schnell davongelaufen, und hätte gedacht: es ist umsonst, was du tust, da es nicht zu holen. Denn es ist über die Maßen ein hartes Wort, daß der Herr ihr vor die Füße wirft, sagt noch dazu, daß sie kein Kind oder eine Heidin ist, sondern heißt sie dazu noch einen Hund. Das ist ärger, als wenn er sie nur eine Heidin geheißen hätte. Ja, ist genau so als wenn er gesagt hätte: du bist des Teufels, wie du gehst und stehst, du hast hier nichts zu suchen. Das heißt doch wohl hoch versucht. Wenn ein Heiliger ein solches Wort zu mir sagen würde, ich würde mich zu Tode fürchten. Was soll es aber jetzt sein, daß es Christus selbst zu diesem Weiblein sagt.

Hier sieht man, warum sich der Herr so hart gestellt und ihr die Hilfe abgeschlagen hat nämlich: daß er seine harte Art nicht darum gezeigt hat, als wollte er nicht helfen; sondern das so ihr Glaube offenbar würde, und die Juden, so Erben zu seinem Reich und Kinder waren, an der Heidin, die kein Kind noch Erbe war, lernten, wie sie an Christum glauben und alles Vertrauen auf ihn setzen sollten. Denn solches will Christus haben, und gefällt ihm sehr wohl, daß er seine Güte und Freundlichkeit nicht länger kann verbergen, und spricht: “ Gehe hin, dir geschehe, wie du nur willst „. Geht also mit dem Recht eines Hundes und macht nicht allein die Tochter gesund, sondern gibt, was sie begehrt und haben will, und setzt sie unter Abrahams Samen. Zu solcher Gnade bringt sie der Glaube, daß sie nicht mehr ein Hund noch eine Heidin, sondern liebe Tochter und ein rechtes heiliges Weib heißt und ist.


Die ganze Predigt:

„Martin Luther: Wie Gott will, dass wir beten“ weiterlesen