Martin Luther: Menschwerdung Christi

Eine Predigt von Martin Luther über die Fleischwerdung Jesu und damit resultierende Demut und Dankbarkeit.

Ein kurzer Auszug:

Warum malt doch der Evangelist diese Geburt so arm und elend? Darum, daß du daran denken und es nimmermehr vergessen sollst, und es dir durch Dein Herz gehen lassen, und besonders, weil du hier hörst, es ist alles deinetwegen geschehen, daß du darüber fröhlich und Gott auch dankbar dafür bist. Es ist eine weite Reise von Nazaret aus Galiläa nach Bethlehem, ja, soweit als aus Sachsen nach Bayern, wenn nicht noch weiter. Da ist es doch wohl zu denken, daß sie auch nicht viel Hausrat mitgeführt oder getragen haben. So werden die Windeln oder was sonst zu solchem Handel gehört, auch nicht besonders schön gewesen sein, daß sie das Kind vielleicht nur mit ihrem Hemd eingewickelt und ihm die Krippe gelegt hat. Denn sie hat es nicht immer im Schoß halten können, und sich an den Kleidern und Leib der Mutter wärmen, sondern das liebe Kind musste sich mit Stroh und Heu und einer Krippe behelfen. Josef hat auch das Beste tun müssen, und es wird wohl so gewesen sein, daß eine Magd dem Hause mit Wasser holen und anderen ihnen gedient habe, wie es in der Not üblich ist. Aber solches ist hier nicht geschrieben. Darum ist es zu vermuten, obwohl jedermann wusste, daß ein junges Weib im Kuhstall gelegen, sich doch niemand ihrer angenommen hat.

Das ist das erste Stück von der Geschichte, welche uns darum so vorgeschrieben ist, daß wir das Bild lernen sollen und in unser Herz fassen, wie unser lieber Herr Jesus Christus so elendiglich in dieser Welt geboren ist, auf das wir lernen Gott für solche große Wohltat zu danken und zu loben, daß wir armen, elenden, ja auch verdammten Menschen heut zu so großen Ehren gekommen, daß wir ein Fleisch und Blut mit dem Sohn Gottes geworden sind. Denn eben der ewige Sohn des ewigen Vaters, durch welchen Himmel und Erde aus nichts erschaffen ist, der ist, wie wir hören, Mensch geworden und auf diese Welt geboren wie wir, ohne daß es mit ihm ohne alle Sünde zugegangen ist. Deswegen mögen wir rühmen, daß Gott unser Bruder, ja, unser Fleisch und Blut geworden sei. Diese große Ehre ist nicht den Engeln, sondern uns Menschen widerfahren. Deswegen obwohl die Engel eine herrlichere Kreatur sind denn wir, so hat doch Gott uns mehr und höher geehrt und sich näher zu uns getan, denn zu den Engeln, weil er nicht ein Engel, sondern ein Mensch geworden ist. Wenn nun wir Menschen solches recht bedenken und von Herzen glauben könnten, so sollte gewisslich solche unaussprechliche Gnade und Wohltat unseres lieben Herrn Gottes eine hohe große Freude machen, und uns treiben, daß wir Gott von Herzen dafür dankten, ihn liebten und gern uns nach seinem Willen halten würden.

Adam und Eva sind nicht geboren, sondern geschaffen. Denn Adam hat Gott aus der Erde gemacht; das Weib aber aus seiner Rippe. Wieviel aber ist Christus uns näher, denn die Eva ihrem Mann Adam, besonders weil er unser Fleisch und Blut ist? Solche Ehre sollten wir hochachten, und wohl in unsere Herzen bilden, daß der Sohn Gottes ist Fleisch geworden, und gar kein Unterschied zwischen seinem und unserem Fleisch ist, nur das sein Fleisch ohne Sünde ist. Denn er ist von dem Heiligen Geist empfangen, und Gott hat die Seele und den Leib der Jungfrau Maria voll Heiligen Geistes gegossen, daß sie ohne alle Sünde gewesen ist, als sie den Herrn Jesus empfangen und getragen hat. Außer denselben ist alles natürlich an ihm gewesen, wie an anderen Menschen: daß er gegessen, getrunken, ihn gehungert, gedürstet, gefroren hat, wie andere Menschen. Solche und dergleichen natürliche Gebrechen, welche der Sünden wegen auf uns geerbt sind, hat er, der ohne Sünde war, getragen und gehabt, wie wir, wie Paulus sagt: Er sei erfunden in allem ein Mensch wie wir, der gegessen, getrunken, fröhlich und traurig gewesen ist.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Über den Sabbat und die Demut

Eine Predigt von Martin Luther über die Heiligung des Sonntags, dem christlichen Wandel und der Demut.

Ein kurzer Auszug:

Darauf geht der schöne Spruch des Propheten Hosea Kapitel 6,6.: “ der Herr hat Lust an der Liebe mehr, denn am Opfer, und an Erkenntnis Gottes mehr, denn am Brandopfer „. Was heißt Gott erkennen? Anderes nicht, denn Gottes Wort hören. Ursache, ohne daß Wort wird niemand von Gott etwas wissen. Wenn aber das Wort kommt und spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich meinen Sohn gesandt und für dich in den Tod gegeben habe, der ich dich habe angenommen: durch solches Wort lernen wir Gott erkennen, daß er gnädig und barmherzig ist; welches die Vernunft nicht von sich selbst wissen noch lernen kann. Aus diesem aber folgt, weil man durch das Wort zur Erkenntnis Gottes kommt, daß es heiße, Gott dienen und den Sabbat recht heiligen, wenn man Gottes Wort hört, und nach dem Wort Gottes lebt und tut. Solches lassen die heillosen Heuchler, die Pharisäer, anstehen: sie hören Gottes Wort nicht, tun auch nicht danach; wollen dennoch den Namen haben, sie brechen den Sabbat nicht.

Deswegen soll bei uns Christen alle Tage Sabbat sein. Denn wir sollen alle Tage Gottes Wort hören und unser Leben danach ausrichten. Gleichwohl ist der Sonntag für das gemeine Volk geordnet, daß jedermann am selben Tag besonders Gottes Wort hören und lernen soll und danach leben. Denn die anderen sechs Tage muß der gemeine Mann seiner Arbeit warten, und erwerben, davon er lebe. Das will Gott gern geschehen lassen; denn er hat die Arbeit geboten. Aber den siebten Tag will er geheiligt haben, daß man daran nicht soll arbeiten, auf das jedermann ungehindert sei, sich in Gottes Wort und Werken zu üben, und zu tun, nicht was das zeitliche betrifft, sondern was Gott in seinem Wort fordert und haben will.

Wiederum, Hoffärtigen Leuten kann niemand hold sein. Sobald Vater und Mutter an einem Kinde oder Gesinde den Ungehorsam und Stolz merken (denn diese zwei Unarten sind häufig bei einander), daß sie sagen: Muss ich doch nicht tun, was du mich heißt; da hebt es sich, daß Vater und Mutter denken, wie sie ihnen den Stolz brechen und sie demütigen, oder zum Haus hinaus stoßen. Weltliche Obrigkeit tut es auch so. Wer stolzieren und nicht Gehorsam sein will, den lehrt sie es mit dem Stricke oder Schwertes durch Meister Hansen.

Wie kommt es nun, daß den Stolz niemand leiden kann? Anders nicht, denn daß es Gott haben will, und sein Wort der steht und sagt: Er wolle getrost dazu helfen, daß die gedemütigt werden, so stolz und hoffärtig sind. Wie man sieht in allen Ständen: was reich, gelehrt, vernünftig, schön, stark, mächtig und gewaltig ist, sobald sie in die Hoffart geraten und sich nicht haben willig heruntergegeben, hat sie Gott gestürzt, daß sie haben fallen müssen. Denn so steht geschrieben: Gott selbst legt sich gegen die Hoffärtigen. Der nun einen solchen schweren Feind auf sich ladet, den er nicht tragen kann, der muß fallen, und hilft ihn keine Macht noch Stärke.

Also ging es mit Saul: der war seinem Vater Gehorsam, hütete der Esel und hielt sich für den geringsten in Benjamin. Zu solchem Eseltreiber schickt Gott den Propheten Samuel und salbt ihn zum König. Denn weil er demütig und nicht hoffärtig war, setzte Gott zu ihm alle Gnade und Barmherzigkeit. Was geschah aber? Da Saul König war, schwoll ihm das Herz, daß er Stolz ward und fragte nach unserm Herrn Gott und seinem Wort nichts. Darum, gleich wie ihn Gott zuvor erhoben hatte, also stürzt er ihn danach wieder herunter, daß er sich aus Verzweiflung selbst erstach, und sein Geschlecht ausgerottet ward.

Die ganze Predigt:

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J. C. Ryle: Wie Blumen im Garten

Schätze der Gnade 47


Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung.
(Lukas 10:39-40)

Schauen wir uns an wie unterschiedlich Christen doch sein können. In dieser Passage lesen wir von zwei treuen Nachfolgern Christi. Beide waren gläubig und bekehrt. Sie liebten Christus und gaben ihm die Ehre, selbst wenn es nur wenige gab, die so handelten – und Jesus liebte sie beide. Und doch waren sie verschieden.

Martha war lebhaft, geschäftig und impulsiv. Sie wurde stark von Gefühlen ergriffen und nahm kein Blatt vor den Mund. Maria hingegen war ruhig, sanft und besonnen. Ebenso gefühlsbetont, äußerte jedoch nicht alles, was in ihr vorging.

Als Jesus die zwei besuchte, beschäftigte Martha sich damit, Vorbereitungen zu treffen.
Das Erste was Maria in den Sinn kam, war sich zu Jesu Füßen zu setzen und Ihm zuzuhören.
In den Herzen beider regierte die Gnade. Sie äußerte sich jedoch auf andere Weise.

Sich diese Lehre zu merken ist von großem Nutzen.
Wir sollten nicht erwarten, dass alle Christen genau gleich sind! Unserem Nächsten die Gnade abzuschreiben, nur weil sich die Erfahrungen nicht exakt spiegeln, muss unterlassen werden.

Jedes Schaf in der Herde des Herrn hat seine Besonderheiten.
Die Blumen im Garten des Herrn sind nicht alle gleich.

Alle wiedergeborenen Christen sind sich aber in den Grundsätzen des Glaubens einig.
Alle verspüren die Abtrünnigkeit ihrer Sünde.
Alle vertrauen auf den Herrn Jesus Christus.
Alle tun Buße und kehren um.
Alle werden von demselben Geist geleitet.
Alle sind heilig.

In unerheblichen Dingen unterscheiden sie sich doch sehr! Niemand soll den anderen wegen Kleinigkeiten verachten. In der Gemeinde wird es Marthas wie Marias geben, bis der Herr wiederkommt!

Quelle: Grace Gems 11.11.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Martin Luther: Vom großen Fischfang

Eine Predigt von Martin Luther über das Verrichten der täglichen Arbeiten, das Hören des Wortes Gottes [Luther meint hier die Predigt] und der Barmherzigkeit Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Dieses aber dreht der Herr hier um, heißt Petrus auf die Höhe, das ist, wohl hinein auf die See fahren; und da sie zuvor die ganze Nacht nichts gefangen hatten, heißt er jetzt um den Mittag das Netz auswerfen. Solches fehlte Petrus wohl, dass es nicht aus der Kunst und aus dem Beruf geredet ist, antwortet deswegen sehr höflich: Ei, Herr, spricht er, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; und so es unserer Kunst nachgehen soll, ist wenig Hoffnung dabei, dass wir jetzt etwas fangen sollen. Aber dennoch auf dein Wort will ich es wagen; wo dasselbe nicht etwas Besonderes schafft, so ist es verloren.

Dies ist eine sehr feine, höfliche Antwort; denn sonst sollte er anders geantwortet haben: Lieber, lehre mich nicht; ich weiß gewiss, wie man Fische fangen soll, was du mir nicht lehren kannst. Predigen und Fischen ist zweierlei. Jenes kannst du; so kann ich das. Ich will dich nicht lehren predigen; lehre du mich auch nicht Fische fangen. Also würden wir vielleicht unserem Herrn auch geantwortet haben. Denn das ist unsere Art und Natur, dass wir immer klüger sein wollen, denn unser Herr Gott. Aber Petrus ist frömmer, lässt solche Gedanken alle fallen, und denkt: Ich kann vom Fischfang wissen was ich will, so will ich doch dies Wort nicht verachten, sondern ihm folgen. Hängt sich also mit ganzem Herzen an das Wort, und lässt Vernunft, Erfahrung und alles fallen.

Darum soll niemand darüber unlustig oder unwillig werden, wenn er gleich mit Petrus eine Nacht vergebens fischt. Denn sollte Petrus diesen reichen Fischzug bei Nacht getan haben, würde er gedacht haben, es wäre seine Kunst und Arbeit gewesen, er bedürfte sonst niemand anderen dazu. Weil er aber die ganze Nacht fischt und nichts fängt, und der Herr ihn zuvor das Wort gibt und heißt ihn es noch einmal versuchen: da muss Petrus begreifen, dass er es nicht getan hat; das Wort Gottes und der Segen Gottes haben es getan, seine Arbeit nicht.

Im Gewissen geht es so zu: Wenn Gott mit seiner Gnade kommt, Vergebung der Sünden und ewiges Leben umsonst durch Christus verheißt, da wird die Gnade so groß, dass man denkt, es sei zu viel, und können es nicht annehmen. Das kann man wohl glauben, dass Gott gnädig und barmherzig sei; aber dass er uns so überaus wollen gnädig sein, dass will in das schlechte Herz nicht hinein. Jedermann denkt: Wenn ich so rein und fromm wäre wie die Jungfrau Maria, so wollte ich mich solcher Gnade auch trösten und annehmen; aber ich bin ein Sünder, bin der Gnade nicht wert, sondern der Ungnade und des Zorns. Da schlägt dann der Teufel auch zu, der bläst die Sünde im Herz dermaßen hoch, dass du nichts anderes sehen kannst als deine Unwürdigkeit, und muss also vor der großen, überschwänglichen Gnade erschrecken. Dies ist eine geistliche Anfechtung, von der rohe Leute nichts wissen und merken.

Was bin ich? Denken sie; bin ich es doch nicht wert, dass Gott mir soll so gnädig sein.

Denn weil ihr als arme Sünder nicht würdig seid, ist es sein gnädiger Wille, dass er es euch umsonst und aus Gnaden geben will. Darum erschreckt nicht davor; nehmt es mit Liebe und Dank an. Denn so Gott uns nicht sollte etwas geben, wir hätten es denn verdient und wären es würdig, so sollte er uns kaum das liebe Brot und bloß Wasser geben. Aber er will nicht auf unser Verdienst und Würdigkeit, sondern auf unsere Not und seine Gnade und Barmherzigkeit sehen, und über den leiblichen Segen auch das ewiges Leben schenken.

Die ganze Predigt:

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J. C. Ryle: Davon habe ich Ahnung!

Schätze der Gnade 36


Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines unreinen Dämonen hatte. Und er schrie mit lauter Stimme und sprach: Lass ab! Was haben wir mit dir zu tun, Jesus, du Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
(Lukas 4:33-34)

Es fuhren auch Dämonen aus von vielen, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Christus, der Sohn Gottes! Und er befahl ihnen und ließ sie nicht reden, weil sie wussten, dass er der Christus war.
(Lukas 4:41)

In dieser Passage sollten wir nicht übersehen, welch religiöses Wissen der Satan und seine Gefolgschaft hat. Zweimal werden wir hier darauf aufmerksam gemacht. Ein unreiner Geist sprach: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!“, und viele anderen stimmten mit diesen Worten ein: „Du bist der Christus, der Sohn Gottes!“ Ihr Wissen hatte jedoch nichts mit Glauben, Hoffnung oder Liebe zu tun. Das Wissen dieser miesen Kreaturen war voller Abneigung und Hass, Gott und dem Menschen gegenüber.

Wir sollten uns vor Wissen hüten, welches nicht geheiligt ist. Solch Wissen zu besitzen ist äußerst gefährlich und taucht in den letzten Tagen immer häufiger auf. Es mag sein, dass wir die Bibel verstehen, ihr intellektuell folgen können und dabei kein Zweifel an dem Inhalt haben. In unseren Köpfen mag viel über den Kontext jeder Passage sein und in all dem, können wir bei jeder Lehre aalglatt mitreden. Doch währenddessen, hat die Bibel keinen Einfluss auf unser Herz, unseren Willen und unserem Gewissen. In Wirklichkeit kann es sogar sein, dass wir nicht besser als die Dämonen sind!

Eine Religion, die nur im Kopf weilt, sollte uns niemals zufriedenstellen! Auch wenn unser ganzes Leben von: „Das Weiß ich – davon habe ich Ahnung!“ geprägt ist, kann es doch sein, dass wir zusammen mit diesen Worten letztlich in die Hölle fahren.

Bringt unser Wissen über die Sünde einen Hass dergleichen mit sich?
Stärkt unser Wissen über Christus unser Vertrauen auf ihn und unsere Liebe zu ihm?
Bringt unser Wissen über den Willen Gottes einen Eifer zum Gehorsam mit sich?
Bringt das Wissen über die Früchte des Geistes einen Drang mit sich, sie in unserem alltäglichen Leben aufzuweisen?

Wenn unser Wissen so etwas zum Vorschein bringt, ist es enorm nützlich.
Jede andere Form von Wissen – wird am letzten Tag unserer Verurteilung hinzugefügt!

Quelle: Grace Gems 11.08.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Martin Luther: Über die Barmherzigkeit und das Richten

Eine Predigt von Martin Luther über die Vergebung, Barmherzigkeit und das Richten.

Ein kleiner Auszug:

Wir aber, so wir Christen sind, sollen barmherzig sein, wie unser Vater im Himmel: nicht allein gegen die, die unsere Freunde sind, sondern gegen jedermann, auch gegen die, so uns feind sind und verfolgen, auch wenn wir denken, sie sind es nicht wert, dass er ihnen ein freundliches Wort zu sprechen. Wie wir auch erfahren, wie schwer uns das wird. Ei, sprechen wir, was geht mich der Bube an, er hat mir die dies oder das getan, ich erkenne sein unnützes Maul wohl, warum sollte ich ihm helfen? Ich wollte eher, dass ihn die Läuse fräßen. Also will unsere Natur immer uns auf eine falsche Barmherzigkeit ziehen, welcher nur auf unsere Mitgenossen geht, die mit uns Büberei treiben; mit den anderen wollen wir nichts zu schaffen haben.

Also wollte der Herr Christus gern, dass wir ein gutes Leben führten, und gute Werke unter einander täten, die rechtschaffen, und nicht ein schlechter Schein wären. Er befiehlt deswegen, wir sollen barmherzig sein, nicht wie die Heiden, die barmherzig sind gegen die, von welchem sie wieder eine Hilfe erwarten, dass also eine Hand die andere wasche. Nicht so, sondern wie der Vater im Himmel, der schüttet mit Haufen herunter, was wir bedürfen, dass die ganze Welt genug hat zu nehmen: nicht allein die Frommen, die hätte er an einem Tage alle bezahlt; sondern auch den Bösen. Darum lässt er seine Güte nicht versiegen, obwohl der meiste Teil böse und dankbar ist, ja, die Bösen bekommen dabei sogar noch den besseren Teil.

Denn wo du eine Sache zu deinem Nächsten hast, dagegen hat Gott tausend und abertausend zu dir, dass du seine Gebote dein Leben lang nie gehalten, ja, häufig dagegen gesündigt hast. Solches siehst du nicht, willst deinen Nächsten um eines bösen Wortes willen fressen. Pfui dich, bist du denn so scharfäugig und kannst doch einen solchen großen Balken nicht sehen?

Darum soll ein Christ sich anders gewöhnen: wenn er den Splitter in seines Nächsten Auge sieht, soll er zuvor, ehe er urteilt, vor den Spiegel treten und sich darin besehen; da würde er so große Balken finden, aus denen man Schweinetröge machen möchte, und er sagen müsste: Was soll doch das sein? Mein Nächster beleidigt mich in einem Viertel, halben, ganzen Jahr einmal; ich aber bin so alt geworden, und habe meines Gottes Gebote noch nie gehalten, ja, übertretet sie stündlich, wie kann dich denn so ein großer verzweifelter Schalk sein? Meine Sünden sind so groß wie Eichbäume; und den kleinen Splitter, dass Staubkorn in meines Bruders Auge, nehme ich mich mehr an denn als meinem großen Balken? Aber es soll so nicht sein; ich muss zuvor sehen, wie ich meine Sünde loswerde. Denn ich bin Gott, meiner Obrigkeit, meinen Vater und Mutter, meiner Herrschaft ungehorsam, mache dabei immer weiter, und höre nicht auf zu sündigen: und will noch gegen meinen Nächsten so ungnädig sein und ihm nicht ein einziges gutes Wort gönnen? Oh nein, so sollen Christen nicht sein.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Vom verlorenen Schaf

Eine Predigt von Martin Luther über das Gleichnis des verlorenen Schafes.

Ein kleiner Auszug:

Dazu dient auch, daß er das Gleichnis von den Schäflein und Hirten erzählt. Es ist eine böse Sache, wo ein Schäflein von der Weide und von seinem Hirten in die Irre gerät; denn es kann sich selbst nicht helfen, und ist alle Augenblicke in Gefahr, daß der Wolf, der dem Schäflein nachschleicht, es gereift und frißt. In solch einer Gefahr hätte es keine Hilfe, kann sich auch weder schützen noch helfen. Denn es ist kein Tier unter allen Tieren, daß von Natur so bloß und wehrlos erschaffen ist. So ist es auch um einen Sünder, welchen der Teufel von Gott und seinem Wort abgeführt und in die Sünde gebracht hat. Denn da ist er keinen Augenblick sicher, vielmals unser Feind, der Teufel, wie Petrus sagt, umher schleicht wie ein Löwe, und sieht, ob er uns fressen kann. In solch einer Gefahr ist nun dieses der einzige Trost, daß wir einen Hirten haben, unseren lieben Herrn Christus, der sich unser annimmt und sucht uns: nicht darum, daß er uns wegen der Sünden strafen und in die Hölle werfen will, nein, dies ist des Teufels Gedanke und Meinung, sondern wenn er uns findet, daß er uns auf seine Achseln mit Freuden legt und nach Hause tragen will, wo wir vor dem Wolfe sicher sind und unsere beste Weide haben.

Wie aber solch ein Suchen zugeht, wißt ihr, nämlich, daß er sein Wort überall öffentlich predigen und klingen läßt. Zugleich hören wir, was für ein schrecklicher Jammer und Last die Sünde ist, die uns in die ewige Verdammnis hinunterwirft. Aber da ist Gott aus väterlicher Liebe gegen uns ungehorsamen Kinder bewegt worden, und hat durch seinen Sohn von diesem Jammer uns Hilfe geschafft, begehrt dafür nichts anderes, denn daß wir mit Danksagung dieses annehmen, an den Herrn Christus glauben, und uns an Gottes Wort halten, und ihm willig und Gehorsam sein sollen.

Wenn nun die irrigen Schafe, die armen Sünder, solches hören, und fassen eine Zuversicht zu Gott aus dieser Predigt, schlagen in sich selbst, und denken: Ei, was hast du denn gewollt, du unseliger Mensch, weil du so einen gnädigen Gott hast, daß du dich nicht nach seinem Willen gehalten, und durch den Teufel in Ungehorsam führen lassen hast? Was hilft dir das schändliche Geld, nach dem du so geizt? Wäre es nicht besser, einen geringen Gewinn mit Gott und Ehre, denn das du vor Gott und den Leuten ein großer Wucherer genannt wirst, und deswegen weder Glück noch Heil bei diesem schändlichen Gewinn haben wirst? Was hilft dir das unehrliche, unzüchtige Leben? Wäre es nicht besser, ehelich sein und ein gutes Gewissen haben, denn außer der Ehe in Sünden und Schanden leben, und jeden Augenblick darauf warten, daß Gott mit seinem schrecklichen Urteil straft? Was hilft dir das Schwelgen, Fressen und Saufen, dadurch du nur deines Leibes krank wirst und plötzlich Sterben kannst? Bald, bald umgekehrt und davonlassen, ehe Gottes Zorn dich trifft, der dir doch gerne gnädig sein will, wenn du es nur selbst wolltest und nicht durch mutwillige Sünde nicht tiefer in die Ungnade treibst. Wo solches nun geschieht, nämlich, daß die Herzen in sich schlagen und durch Christus einen Trost fassen, findet der Hirten Jesus seine irrigen Schäflein, die sich nach des Hirten Stimme wenden und in aller Zuversicht zu ihm laufen, und nimmt sie auf seine Achseln, das ist, er vergibt ihnen ihre Sünde und nimmt sie in seinen Schutz und Schirm, daß sie vor dem Wolf und anderen wilden Tieren sicher sein sollen.

Die ganze Predigt:

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Johannes Calvin: Die himmlischen Dinge

Schätze der Gnade 14

Lukas 16:8 Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts.

Etwas zu verschenken was einem nicht einmal Selbst gehört, ist alles andere als nachahmenswert. Welcher Mensch würde geduldig zusehen, wie ein anstandsloser Übeltäter etwas stiehlt und das gestohlene Gut nach seiner Lust verteilt? Es ist töricht zu behaupten, dass ein Mensch der zusieht, wie sein Eigentum gestohlen und verteilt wird, diesen Übeltäter auch noch loben würde! Christus meint an dieser Stelle, wie er etwas später hinzufügt, dass ungläubige weitaus fleißiger und geschickter sind, obwohl es bei ihnen nur um die weltlichen, temporären Dinge geht, als die Kinder Gottes, bei denen es doch um das himmlische und ewige Leben geht. Durch diesen Vergleich hält er unsere verbrecherische Gleichgültigkeit vor Augen. Da wir nicht einmal so viel Eifer an den Tag legen, wie die ungläubigen, die nur ihren eigenen Interessen dieser Welt nachjagen. Wie beschämend ist es, dass die Kinder des Lichts, die doch durch den Geist und durch das Wort Gottes erleuchtet wurden, die ewige Freude einfach links liegen lassen. – Währenddessen sind die Menschen dieser Welt so vorsorglich und klug bei den Angelegenheiten dieses Lebens! Somit ist es klar, dass Gott nicht die Weisheit dieser Welt mit der Weisheit Gottes vergleicht. Er rüttelt die Gläubigen aus ihrem Schlaf und zeigt ihnen, dass sogar die Blinden in der Dunkelheit mehr sehen, damit sie ihre Augen auf das noch kommende Leben richten und nicht vor dem Licht des Evangeliums verschließen. In der Tat, die Kinder des Lichts sollten noch begehrenswerter nach dem himmlischen Leben zu trachten, im Angesicht dessen, dass die Kinder dieser Welt auf eine Zukunft hinarbeiten, die doch nur einen Augenblick währt und verschwindet.

Quelle: Johannes Calvin – Kommentar zu den synoptischen Evangelien (Lukas 16:8)
Übersetzung: TheologiaDE.blog