Jonathan Edwards: Was ist die Souveränität Gottes?

Schätze der Gnade 41


Die Souveränität Gottes ist das Recht von Gott nach seinem eigenen und vollkommenen Willen zu handeln und mit seiner Schöpfung nach seinem Wohlgefallen zu verfügen. Ich werde diese Erklärung unterteilen und im Einzelnen betrachten.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es zwanghaftes Verhalten.

Menschen verrichten ihre Tätigkeiten freiwillig und doch kann es dazu kommen, dass sie diese Dinge, zu einem gewissen Grad, aus Zwang machen. Es mag sein, dass ein Mensch etwas freiwillig tut, damit meine ich, der Mensch selbst handelt und hat sich dazu entschieden zu handeln; und doch, wenn man alle Variablen zusammenzählt, kann diese Aktion von Angst getrieben sein und dem Menschen in Wirklichkeit missfallen [d.h. es geht gegen sein eigenes Verlangen]. Wenn ein Mensch aus diesem Grund agiert, dann kann man nicht von ihm sagen er würde nach seinem völligen Wohlgefallen handeln.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es einen Willen, der sich einem anderen Willen unterordnet.

Ein Sklave z.B. erfüllt alle Wünsche seines Meisters, er tut dies sogar mit Freude und Bereitwilligkeit; und doch handelt dieser Sklave nicht nach seinem eigenen, völligen Wohlgefallen. Die Heiligen tun den Willen Gottes freiwillig. Sie entscheiden sich dafür, denn es ist ihr tägliches Brot. Trotz alledem handeln sie nicht willkürlich [frei nach ihrem Belieben]; denn ihr Wille ordnet sich einem anderen Willen unter.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es verpflichtendes Handeln [z.B. die Pflicht zu handeln].

Ein Mensch mag seiner Pflicht aus freien Stücken nachgehen; und doch kann man auch hier nicht behaupten er würde es frei nach seinem Belieben tun. Eine Person, die aus reinem Wohlgefallen handelt, ist eine freie Person; eine Person, die aber dazu verpflichtet ist zu handeln, ist keine freie Person – diese Person ist gebunden. Die Souveränität Gottes setzt voraus, dass er das Recht hat, nach seinem Wohlgefallen mit seinen Kreaturen zu tun, was er will. Denn sein Recht ist uneingeschränkt und unabhängig. Ein Mensch hat vielleicht das Recht über ein paar Dinge zu verfügen; und doch ist das Recht des Menschen nicht uneingeschränkt und unerschöpflich. Ein Mensch mag auch das Recht haben mit seinen Gütern umzugehen wie er möchte und doch ist sein Recht gebunden und hat eine Grenze. Menschen haben das Recht mit ihrem Eigentum zu tun und zu lassen was sie wollen, vorausgesetzt, sie verstoßen nicht gegen das Gesetz oder gehen gegen die Gebote Gottes. Das menschliche Recht, mit dem Eigentum umzugehen wie man möchte ist nicht uneingeschränkt, da es nicht unabhängig ist. Eine Person hat kein unabhängiges Recht auf sein Eigentum. Bei manchen Gütern bestimmt sogar die Gesellschaft welches Recht man hat. Doch alle Dinge sind schlussendlich auch abhängig von Gott. Das Recht, das wir Menschen auf irgendetwas haben, haben wir von Gott. Die Souveränität Gottes bedeutet, dass er ein absolutes, uneingeschränktes und unabhängiges Recht hat, über seine Kreaturen nach seinem Wohlgefallen zu verfügen.

Text, Quelle: monergism.com | Punkt 1
Aus einer Predigt von Jonathan Edwards, hier in Deutsch vorgelesen.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

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Jonathan Edwards: Die Souveränität Gottes in der Errettung des Menschen

Eine Predigt von Jonathan Edwards über Gottes souveräne Verfügung.
Predigttext: Römer 9:18 – So erbarmt er sich nun, über wen er will, und verstockt, wen er will.

Übersetzt und vorgelesen von: TheologiaDE.blog
Originaltext: https://www.monergism.com/thethresho…

Die deutsche Textfassung wird in naher Zukunft hier veröffentlicht.

 

Jonathan Edwards: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes

Kurzbiographie:

Jonathan Edwards (1703-1758) ist einer der einflußreichsten Theologen Amerikas und eine wichtige Person der Erweckungsbewegung des „First Great Awakening“ (1740-1760). Der Puritaner hielt wie die anderen auch an die Reformierte Theologie. Er kam zu der Erkenntnis eines absolut souveränen Gottes nachdem er als 18-Jähriger über 1. Timotheus 1:17 nachsinnte, dies spiegelt sich auch in seinen Predigten und Büchern wieder. Seine bekannteste Predigt bzw. die bedeutenste Predigt auf amerikanischen Boden „Sünder in den Händen eines Zornigen Gottes“ wurde 1741 in Enfield abgehalten.

Seine Technik beim vortragen der Predigten war sehr unspektakulär, er laß sie in einem gleichmäsigen aber überzeugten Ton vor und mied dabei zu schreien oder sonstige theatralische handlungen.


Die ganze Predigt gibt es hier.

„Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.“
5. Mose 32,35

Nichts kann die unbekehrten Menschen in irgendeinem Augenblick vor der Hölle bewahren als allein der Wille Gottes. Damit meine ich jenen souveränen, erhabenen Willen, der durch keine Verpflichtung und durch keine Schwierigkeiten, überhaupt durch nichts gehindert oder zurückgehalten wird als durch sich selbst; nichts anderes ist nur im geringsten und in jeder Hinsicht an der Bewahrung der Unbekehrten in einem bestimmten Augenblick beteiligt. Die Wahrheit dieser Behauptungen wird sich auf Grund der folgenden Überlegungen erweisen:

1. Es fehlt Gott nicht an der Macht, die unbekehrten Menschen in einem beliebigen Moment in die Hölle zu stoßen. Die Kraft der Menschenhände ist dahin, wenn sich Gott erhebt. Die stärksten Menschen können ihm nicht widerstehen, und niemand kann aus seiner Hand befreien. Gott kann nicht nur die unbekehrten Menschen in die Hölle stürzen; es fällt ihm das dazu noch sehr leicht. Manchmal hat ein Fürst dieser Erde die größte Schwierigkeit, einen Aufrührer zu unterwerfen, wenn es diesem gelungen ist, sich mit einem großem Anhang und damit mit einer gewissen Macht in einer Festung zu halten. Anders bei Gott – keine Festung bietet den geringsten Schutz gegen Seine Macht. Mögen sich die Feinde Gottes die Hände reichen, mögen sie sich in großer Zahl verbünden und einander beistehen – sie werden im Nu zu Scherben zerbrochen. Sie gleichen einem Haufen leichter Spreu vor einem Wirbelwind oder einer Menge dürrer Stoppeln vor einem verzehrenden Feuer. Es erscheint uns leicht, einen Wurm zu zertreten, der am Boden dahin kriecht, oder einen Faden zu durchschneiden oder entzwei zu brennen, an welchem etwas aufgehängt ist; ebenso leicht fällt es Gott, seine Feinde in die Hölle zu werfen, wenn es ihm beliebt. Wer sind wir denn eigentlich, dass wir glauben, wir könnten vor Ihm stehen, vor dessen Schelten die Erde erzittert, vor dem die Felsen fallen?

2. Die Gottlosen verdienen es auch, in die Hölle geworfen zu werden; die Gerechtigkeit Gottes steht dem keineswegs im Wege; sie erhebt durchaus keinen Einspruch, wenn Gott seine Macht gebraucht, um Sünder in irgendeinem Augenblick zu verderben. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit ruft laut nach einer schonungslosen Bestrafung ihrer Sünden Die göttliche Gerechtigkeit sagt von dem Baum, der Früchte wie diejenigen Sodoms hervorbringt:„Haue ihn ab! Warum hindert er das Land?“ (Lk 13,7) Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit wird jeden Moment über ihren Häuptern geschwungen, und nur Gottes souveräne Gnade und sein erhabener Wille halten es noch vor dem vernichtenden Schlag zurück.

3. Das Gerichtsurteil, die Verdammnis zur Hölle, ist schon gefällt. Die Sünder haben es nicht nur verdient, dorthin zu gelangen; gegen sie steht der Rechtsspruch im Gesetz Gottes, jene ewige und unumstößliche Rechtsordnung, die Gott zwischen sich und der Menschheit aufgestellt hat; schon deshalb sind die Sünder jetzt schon für die Hölle bestimmt. Joh 3,18: „Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt.“ Demnach gehört jeder unbekehrte Mensch jetzt schon der Hölle; dort ist sein Platz; von dorther stammt er ja. Joh 8,23: „Ihr seid von unten!“ Und dorthin ist er schon unterwegs nach dem Ort, den die Gerechtigkeit, das Wort Gottes und das Urteil eines unveränderlichen Gesetzes ihm zuweisen.

4. Auf den Unbekehrten lastet jetzt schon derselbe Zorn Gottes, der sich dereinst in den Höllenqualen auswirken wird. Wenn sie nicht im nächsten Moment zur Hölle fahren, so liegt es nicht daran, dass Gott, in dessen Macht sie ja fortwährend stehen, nicht jetzt schon gegen sie erzürnt wäre – ebenso sehr wie gegen so viele unglückliche Geschöpfe, die jetzt in der Hölle gequält werden und dort den grimmigen Zorn Gottes erfahren und tragen müssen. Ja, Gott zürnt den vielen noch mehr, die jetzt noch auf der Erde sind, ohne Zweifel sogar etlichen, die jetzt vielleicht diese Predigt lesen und sich dennoch behaglich fühlen. Wenn Gott Seine Hand noch zurückhält und sie noch nicht dahinrafft, so liegt es nicht daran, dass Er nicht an ihre Gottlosigkeit dächte und sich nicht darüber entrüsten würde. Gott ist kein Wesen wie sie selbst, obschon sie sich vielleicht einbilden, er sei es. Gottes Zorn ist gegen sie entbrannt; ihre Verdammnis schlummert nicht. Der Abgrund ist zu ihrem Empfang bereit; das Feuer brennt schon und der Ofen ist glühend heiß; die Flammen wüten. Das glitzernde Schwert ist geschliffen und gezückt und der Abgrund unter ihnen sperrt sein Maul weit auf.

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