John Owen – Keine Besserung irgendeiner natürlichen Veranlagung

Die Abtötung der Sünde besteht nicht in der Verbesserung einer ruhigen, gelassenen Natur. Manche Menschen genießen aufgrund ihres natürlichen Wesens einige Vorteile, solange sie nicht wie viele andere der Gewalt von unmäßigen Leidenschaften und ungestümen Neigungen ausgesetzt sind. Wenn nun diese Menschen ihre natürliche Veranlagung und das Temperament durch Disziplin, Überlegungen und Vernunft verbessern, so können sie vor sich selbst und anderen als Personen dastehen, welche die Sünde wirklich abgetötet haben. Währenddessen kann aber ihr Herz ein stehender Pfuhl voller Abscheulichkeiten bleiben. Der eine Mensch ist vielleicht sein ganzes Leben weder durch Ärger noch durch Leidenschaften aufgebracht und auch anderen bereitet er keine Schwierigkeiten, wohingegen eine andere Person täglich für sich selbst und für andere ein Problem darstellt. Und doch kann der Letztgenannte mehr dazu beigetragen haben, seine Sünde abzutöten, als der erste. Die Menschen sollen sich nicht bemühen, ihre Abtötung der Sünde durch Dinge zu erreichen, für die ihnen das natürliche Temperament weder Leben noch Vitalität verleiht. Vielmehr sollen ihnen Selbstverleugnung, Unglaube, Neid und andere geistliche Sünden bewusst werden; dann werden sie mehr Einsicht über sich selbst gewinnen.

Aus dem Buch: „Von der Abtötung der Sünde“ von John Owen.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/von-der-abtotung-der-sunde.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

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H. F. Kohlbrügge: Suchet was droben ist!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über das neue Leben in Christus.
Das ist der erste Teil der Predigt über Kolosser 3:1-14, Teil zwei gibt es hier.

Ein kurzer Auszug:

Da muß man denn zum Licht, zur Klarheit kommen, nicht allein um es zu verstehen, sondern auf daß man Ruhe im Herzen habe, und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auf daß man das Wort stehen lasse, sich darunter beuge und bleibe bei dem Gebete, welches wir so eben mit einander gesungen haben:

„Denke nicht mehr meiner Sünde;
Ach, entbinde
Mich vielmehr von ihrer Wut!
Laß Dein ewiges Erbarmen
Mich umarmen
In dem teuren Lammesblut!“

Da klammert man sich denn fest an Christum, wahrhaftig von ganzem Herzen, und hat nichts anderes mehr, es ist sonst alles verloren; in Ihm allein ist Sicherheit, in Ihm allein Errettung.

. Aus diesem großen Tode hat Christus euch herausgezogen; Er hat euch, so tot wie ihr waret, in Sich aufgenommen; Er hat euren Tod verschlungen durch Seinen Tod, und als Er auferweckt wurde, seid ihr mit Ihm auferstanden. Das ist nun der Praxis nach offenbar geworden, als ihr glaubtet, d. i., als ihr bekehrt wurdet, als ihr aus eurem Tode ins Leben hinüber gegangen seid. Da war diese eure Auferstehung vom Tode eine Auferstehung mit Christo, und in Christo habt ihr eure Auferstehung zu suchen, – nicht in eurer Bekehrung, sondern in der Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstehung seid ihr in eurer Bekehrung teilhaftig geworden. So seid ihr denn also aus eurem Tode hinweg und lebet mit Christo. Nun suchet, was droben ist! Ihr dürfet suchen euer täglich Brot, ihr dürfet trachten, daß ihr das bekommt, wozu ihr Menschen als Menschen geschaffen seid, daß ein jeder mit Gott und Ehren sich durch dieses Leben schlage, – aber die Wirksamkeit eurer Seele, die wahre Wirksamkeit der Seele sei: daß sie suche, was droben ist. Was ist denn droben? Christus! Wer ist denn das? Das ist der andere Adam, welcher Adams Schuld, worin du lagest, völlig bezahlt hat. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes, indem Er Sieger ist furchtbar großer Heere; Er hat alles überwunden für euch.

Wenn die Kolosser aus sich selbst gesucht hätten, was droben ist, so hätte der Apostel nicht nötig gehabt, in dieser Weise an sie zu schreiben. Aber eben den Kolossern, obschon er sie nennt „Heilige und gläubige Brüder in Christo“, obschon er zu ihnen mit der Predigt kommt: „Ihr seid mit Christo auferstanden“, – hält er es vor: „Ihr suchet, was hienieden ist; ihr trachtet nach dem, was hienieden ist, aber trachtet doch nach dem, was droben ist“. Ist es denn so was Liebliches, zwischen Gräbern zu wandeln unter Totengebein?

Der Apostel gibt weiter die Ursache an, warum er das sagt, indem er fortfährt: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott“; das ist: „Ihr seid tot für die Dinge, welche hienieden sind, nicht durch euer Verdienst oder durch mystische Gedanken, nein, wirklich vor Gott. Er, Christus, hat euch so tot dafür gemacht, daß ihr nichts mehr damit tun könnt, wie ein Jüngling nicht mehr spielen kann mit seinen Kindersachen; das geht nicht mehr. So lange ich ein Weltkind bin, so lange ich blind bin, so lange kann ich Freude haben an Unkeuschheit, an Ungeduld, an Unfreundlichkeit; bin ich aber durch Gottes Gnade arretiert worden, so hat die Gnade mich tot gemacht, so daß ich lauter Verdruß habe an Unglaube, Ungeduld, Unkeuschheit, Unfreundlichkeit, und gestachelt werde, um mich so zu benehmen, daß ich die Früchte genieße in dem herrlichen Garten und mit dem Bräutigam die edlen balsamischen Düfte einatme der Lilien und Granatäpfel. Ihr seid gestorben, und euer Leben, das ist alles droben in Christo bei dem Vater, in Seinem Schrank. Dort steckt euer Leben.

Die ganze Predigt:

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James Smith: Schmelzofen

Schätze der Gnade 25


Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank!
(Johannes 11:3)

„Sieh an mein Elend und mein Leid“
(Psalm 25:18)

Wir sind alle für Krankheiten anfällig – und manchmal scheint es, dass Christen den größten Anteil daran haben. Einige Kinder Gottes scheinen selten bis niemals gesund zu werden. Sie scheinen nie wirklich frei von Schmerz und Leid zu sein. Es ist ihr himmlischer Vater, der sieht, dass ein Schmelzofen nötig ist – somit bereitet Er ihn vor, legt sie hinein und lässt sie so lange dort, wie Er es für nötig erachtet.

Krankheiten fliegen nicht einfach so zufällig in der Gegend rum. Sie sind nicht dem Zufall ergeben. Sie wurden alle sorgfältig ausgesucht – und göttlich verabreicht. Gott läutert sein Volk, erzeigt Seine Gnade und erfüllt seine kostbaren Verheißungen – in dem Schmelzofen der Leiden. Krankheiten lehren uns …

wie gebrechlich wir sind,
wie abhängig von Gott wir sind,
wie sehr wir den göttlichen Trost nötig haben,
– und alles in einer Weise, die man mit nichts vergleichen kann.

Krankheiten …
demütigen unseren sündhaften Stolz,
entwöhnen uns von der Welt,
bringen uns näher an unseren himmlischen Vater und seinen Thron der Gnade,
drängen uns, den Erlöser und seine vergebende Liebe neu aufzusuchen.

Der Psalmist war geplagt und litt viel. Er hob somit seinen Blick nach oben und seufzte: „Sieh an mein Elend und mein Leid!“ Es war sein Anliegen zu erkennen, dass Gott ihn beobachtet und Mitleid mit ihm hat, zu erkennen, dass Gott ihm Aufmerksamkeit schenkt. Ihm war klar, Gottes liebender Blick würde …
seinen Geist beruhigen,
sein Herz aufmuntern,
und ihn von seinem Schmerz ablösen.

Lass somit jeden Gläubigen, der krank ist, den Psalmisten als Vorbild nehmen und dieses kurze aber kraftvolle Gebet sprechen: „Sieh an mein Elend und mein Leid.“

Quelle: Grace Gems 07.05.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Sinclair Ferguson: Wie Sünde abgetötet wird

Die Nachwirkung eines Gesprächs kann die Weise ändern, wie wir über dessen Wichtigkeit denken.

Mein Freund – ein jüngerer Pastor – saß am Ende einer Konferenz mit mir zusammen am Tisch und sagte: „Bevor wir heute auseinandergehen, erkläre mir doch nacheinander die notwendigen Schritte, um einem Menschen zu helfen, die Sünde abzutöten.“ Wir sprachen eine Weile darüber und gingen anschließend ins Bett. Hoffentlich fühlte er sich durch dieses Gespräch ebenso gesegnet wie ich. Noch immer frage ich mich, ob er seine Frage als Pastor stellte oder einfach für sich selbst – oder beides.

Wie würdest du diese Frage am ehesten beantworten? Das erste was zu tun ist: Schlag die Bibel auf. Ja, schlag John Owen auf (immer eine gute Idee!), oder einen anderen Ratgeber, sei er tot oder lebendig. Aber vergiss nicht, wir wurden in diesem Bereich nicht nur mit guten menschlichen Quellen alleingelassen. Es ist notwendig aus dem „Mund Gottes“ unterwiesen zu werden. Damit die Grundsätze, welche wir anzuwenden lernen, sowohl die Autorität Gottes als auch die Versprechen Gottes beinhalten, um sie funktionstüchtig zu machen.

Mir kommen einige Passen zum Studieren in den Sinn: Römer 8:13; Römer 13,8-14 (der Text von Augustinus); 2. Korinther 6,14-7,1; Epheser 4,17-5,21; Kolosser 3,1-17; 1 Petrus 4,1-11; 1 Johannes 2,28-3,11. Bemerkenswerterweise kommt das Verb „töten“ („abtöten“) nur zweimal in diesen Passagen vor. Ebenso bedeutend ist, dass es in jeder Passage um mehr geht als nur dieser einen Ermahnung, die Sünde zu töten. Diese Beobachtung erweist sich, wie wir später sehen werden, als enorm wichtig.

„Sinclair Ferguson: Wie Sünde abgetötet wird“ weiterlesen

John Newton: Verschreibungen (ein Brief)

Schätze der Gnade 21

Sehr geehrte Dame,

wir haben die Hoffnung auf einen neuen Leib, der nicht Krankheiten ausgesetzt ist. Doch wenn es dem Herrn wohlgefällt unsere Schwächen zu heiligen [beseitigen, reinigen], die Schwachheiten, die mit unserem sterblichen Leib kommen – dann haben wir allen Grund Ihn zu preisen, in ruhigen Zeiten wie auch in harten Zeiten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Kreuz hier oder ein Kneifen da sehr wichtig für uns ist. Ohne solches kommen wir auf die lange Sicht ins Straucheln. Wir leben auf verwunschenem Boden und werden von Fallstricken umzingelt. Werden wir nicht durch Prüfungen aufgerüttelt – tendieren wir dazu, in eine geistliche, äußerliche Form oder in geistliche Gleichgültigkeit zu versinken. Es ist beschämend – doch leider ist es so. Geht es uns eine Zeit lang gut verfallen wir in eine geistliche Schlaftrunkenheit!

Somit sind Prüfungen Medizin. Heilmittel von unserem gnädigen und weisen Arzt, der ganz genau weiß was wir brauchen. Er bestimmt das Verhältnis zwischen Häufigkeit und Größe. Jede Situation hat ihre eigene Verschreibung.

Einige seiner Kinder werden extremer Armut ausgesetzt. Eine Prüfung, die Tag für Tag anhält und Jahre andauern kann. Andere wiederum haben Prüfungen in ihrer Familie. Menschen, die eine gemütliche Feuerstelle haben und Zuständigkeiten in der Welt, leiden oft selbst an Krankheiten oder haben Nahestehende die krank sind.

Alles sind Kreuze der Barmherzigkeit, denn Gott nutzt sie um uns zu Behüten. Er möchte nicht das unsere Herzen der Welt anhangen oder wir abfallen. Damit hält Er uns ganz nah bei Sich.

Wir sollten unserem Arzt vertrauen, denn Er wird es gelingen lassen. Und lasst uns für all seine Verschreibungen danksagen. Denn ohne diese Verschreibungen würde uns die Seelenkrankheit treffen!

Ich fühle mit Frau K. mit – und  weiß, dass sie dadurch gestärkt wird. Ihre Krankheit hat hoffentlich bald ein Ende. Es ist jedoch besser einen starren Nacken zu haben und dabei die Gnade Gottes, als starrköpfig zu sein und seinen Hals frei bewegen zu können. Sobald die Bedrängnis ihr vorhergesehenes, gutes Ziel erreicht hat – kann der Herr mit Leichtigkeit ihre Leiden entfernen.

Quelle: Grace Gems 17.05.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Johannes Calvin: Gefäß der Heiligung

Schätze der Gnade 11

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr euch der Unzucht enthaltet; dass es jeder von euch versteht, sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehrbarkeit in Besitz zu nehmen, nicht mit leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen; (1 Thessalonicher 4:3-5)

Denn das ist der Wille Gottes Aus dieser Lehre fließt, wie aus einer Quelle, eine ganz besondere Aufforderung. Wenn hier von dem Willen Gottes die Rede ist, dann meint Paulus den Sinn und Zweck unserer Berufung. „Aus diesem Grund seid ihr Christen – darauf hat es das Evangelium abgesehen – damit ihr euch vor Gott heiligt.“ Die Bedeutung des Wortes Heiligung haben wir schon oftmals unter die Lupe genommen – auf die Welt zu verzichten, die Reinigung von all den Beschmutzungen des Fleisches; wir bereiten uns vor, wie bei einer Opferbringung, denn nichts kann rechtmäßig vor Gott gebracht werden, dass nicht rein und heilig ist.

Dass wir uns enthalten sollen Ist eine Vorschrift, die aus der gleichen Quelle entspringt; denn nichts streitet mehr gegen die Heiligung als die Unzucht, welche den ganzen Menschen verunreinigt. Aus diesem Grund schreibt er diese Sünde auch den Heiden zu, die Gott nicht kennen. Denn, „wo die Erkenntnis Gottes regiert, dort müssen die Begierden unterworfen werden.“

Mit leidenschaftlicher Begierde meint er alle Leidenschaften des Fleisches. Zusätzlich schließt er all die Begierden, die nach einer Erfüllung unseres Fleisches trachten, mit der Unzucht zusammen. Dies ist eine Ermahnung, wie auch in Römer 13:14 zu sehen ist, dass wir den Lüsten keinen Raum geben sollen. Sobald ein Mensch seinem Reiz nachgibt, entfesselt er die Lüsternheit. Somit ist der einzige Weg um sich zu enthalten, ein zügeln aller Lüste.

Nun zu dem Satz: dass jeder von euch versteht sein Gefäß … . Manche behaupten dieser Satz beziehe sich auf die Ehefrau. So als würde die Aussage lauten: „Der Mann soll mit seiner Frau in aller Sittsamkeit leben.“ Da aber in diesem Zusammenhang beide, Männer und Frauen, angesprochen werden, bezieht es sich ohne Zweifel auf den Leib. Denn jeder besitzt seinen Leib als Haus in dem er wohnt. Somit hat Paulus im Sinn, dass wir uns von aller Unreinheit bewahren und in Ehre halten. Ein Mensch nämlich, der seinen Leib zur Prostitution oder der Unzucht hingibt, taucht seinen Leib in Abscheu und schändet ihn.

Quelle: Johannes Calvin – Kommentar zum 1. Thessalonicherbrief (1. Thes 4:3-5)
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Charles H. Spurgeon: Heiligkeit im Heim

Schätze der Gnade 6

Wie ein Mensch zu Hause lebt ist von oberster Priorität. Ich werde kein Heiliger draußen – und ein Teufel zu Hause sein! Es gibt solche Menschen. Sie sind entzückend und wohltuend beim Gebetstreff – doch entsetzlich bitter der eigenen Frau oder den Kindern gegenüber. Das sollte niemals so sein!

Jeder aufrichtig Gläubige sollte es sagen und auch so meinen, „In meinem Heim werde ich mit einem reinen Herzen wandeln.“ Zu Hause ist es, wo wir den wahrhaftigen Beweis der Heiligkeit haben.

„Was für ein Mensch ist er?“ sagte jemand zu George Whitefield – und Whitefield antwortete, „Kann ich dir nicht sagen, da ich noch nie mit ihm zusammengelebt habe.“

Dies ist der Weg, einen Menschen zu prüfen, nämlich indem man mit ihm wohnt.

Quelle in Englisch
Übersetzung: TheologiaDE.blog