H. F. Kohlbrügge: Suchet was droben ist!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über das neue Leben in Christus.
Das ist der erste Teil der Predigt über Kolosser 3:1-14, Teil zwei gibt es hier.

Ein kurzer Auszug:

Da muß man denn zum Licht, zur Klarheit kommen, nicht allein um es zu verstehen, sondern auf daß man Ruhe im Herzen habe, und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auf daß man das Wort stehen lasse, sich darunter beuge und bleibe bei dem Gebete, welches wir so eben mit einander gesungen haben:

„Denke nicht mehr meiner Sünde;
Ach, entbinde
Mich vielmehr von ihrer Wut!
Laß Dein ewiges Erbarmen
Mich umarmen
In dem teuren Lammesblut!“

Da klammert man sich denn fest an Christum, wahrhaftig von ganzem Herzen, und hat nichts anderes mehr, es ist sonst alles verloren; in Ihm allein ist Sicherheit, in Ihm allein Errettung.

. Aus diesem großen Tode hat Christus euch herausgezogen; Er hat euch, so tot wie ihr waret, in Sich aufgenommen; Er hat euren Tod verschlungen durch Seinen Tod, und als Er auferweckt wurde, seid ihr mit Ihm auferstanden. Das ist nun der Praxis nach offenbar geworden, als ihr glaubtet, d. i., als ihr bekehrt wurdet, als ihr aus eurem Tode ins Leben hinüber gegangen seid. Da war diese eure Auferstehung vom Tode eine Auferstehung mit Christo, und in Christo habt ihr eure Auferstehung zu suchen, – nicht in eurer Bekehrung, sondern in der Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstehung seid ihr in eurer Bekehrung teilhaftig geworden. So seid ihr denn also aus eurem Tode hinweg und lebet mit Christo. Nun suchet, was droben ist! Ihr dürfet suchen euer täglich Brot, ihr dürfet trachten, daß ihr das bekommt, wozu ihr Menschen als Menschen geschaffen seid, daß ein jeder mit Gott und Ehren sich durch dieses Leben schlage, – aber die Wirksamkeit eurer Seele, die wahre Wirksamkeit der Seele sei: daß sie suche, was droben ist. Was ist denn droben? Christus! Wer ist denn das? Das ist der andere Adam, welcher Adams Schuld, worin du lagest, völlig bezahlt hat. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes, indem Er Sieger ist furchtbar großer Heere; Er hat alles überwunden für euch.

Wenn die Kolosser aus sich selbst gesucht hätten, was droben ist, so hätte der Apostel nicht nötig gehabt, in dieser Weise an sie zu schreiben. Aber eben den Kolossern, obschon er sie nennt „Heilige und gläubige Brüder in Christo“, obschon er zu ihnen mit der Predigt kommt: „Ihr seid mit Christo auferstanden“, – hält er es vor: „Ihr suchet, was hienieden ist; ihr trachtet nach dem, was hienieden ist, aber trachtet doch nach dem, was droben ist“. Ist es denn so was Liebliches, zwischen Gräbern zu wandeln unter Totengebein?

Der Apostel gibt weiter die Ursache an, warum er das sagt, indem er fortfährt: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott“; das ist: „Ihr seid tot für die Dinge, welche hienieden sind, nicht durch euer Verdienst oder durch mystische Gedanken, nein, wirklich vor Gott. Er, Christus, hat euch so tot dafür gemacht, daß ihr nichts mehr damit tun könnt, wie ein Jüngling nicht mehr spielen kann mit seinen Kindersachen; das geht nicht mehr. So lange ich ein Weltkind bin, so lange ich blind bin, so lange kann ich Freude haben an Unkeuschheit, an Ungeduld, an Unfreundlichkeit; bin ich aber durch Gottes Gnade arretiert worden, so hat die Gnade mich tot gemacht, so daß ich lauter Verdruß habe an Unglaube, Ungeduld, Unkeuschheit, Unfreundlichkeit, und gestachelt werde, um mich so zu benehmen, daß ich die Früchte genieße in dem herrlichen Garten und mit dem Bräutigam die edlen balsamischen Düfte einatme der Lilien und Granatäpfel. Ihr seid gestorben, und euer Leben, das ist alles droben in Christo bei dem Vater, in Seinem Schrank. Dort steckt euer Leben.

Die ganze Predigt:

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H. F. Kohlbrügge: Der Herr ist mein Teil!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über die Zuversicht eines Christen.

Ein kurzer Auszug:

Ich meinte, urteilen zu können über Glück und Unglück, aber wie war ich doch unwissend vor Dir, wie ein junges Kalb, das man nicht über den Weg bringen kann. Und dennoch, Gott, was sehe ich! Wie groß ist Dein Erbarmen! Das hast Du mir alles gezeigt, hast gesehen meinen Unverstand, dass ich wie ein Tier war vor Dir, und Du hast mich nicht in die Hölle geschleudert, sondern hältst mich fest, lehrest mich und hast Geduld mit mir und deckst mir auf den Weg des einen und des andern. Ich muss Dir recht geben in Deinen Worten, ich erkenne Deine Gnade und Treue; darum bleibe ich bei Dir, stets an Dir; denn wäre es nicht Dein ewiges Erbarmen, ich wäre dahingegangen und wäre ein Spielball der Welt und eine Beute des Teufels geworden in meinem Unverstand. Du hältst mich fest, – das erkenne ich jetzt, – bei Deiner rechten Hand. Du leitest mich nach Deinem, – nicht nach meinem Rat, und endlich, ja endlich, wenn alle andern beschämt auskommen werden, wirst Du mich annehmen mit Ehren! Darum, da hast Du Weg und Herz, da hast Du Glück und Unglück, Gegenwart und Zukunft, alle meine Erwartungen! Wenn ich nur Dich habe, was frage ich dann nach Glück und Unglück, nach Gut und Böse, was nach Himmel, was nach Erde, dass der Teufel mich wieder damit berücken sollte? Habe ich Dich, so habe ich alle Glückseligkeit, alle Ehre, Reichtum, Durchkommen durch Schmerz und Leid! Mein Leib und meine Seele mögen verschmachten, es geht mich nichts an, Du bist doch allezeit der Trost meines Herzens.

Wenn die Eltern unverständig sind, so hören sie auf das Schreien und Verlangen des Kindes; sind sie aber verständig, so nehmen sie es in Zucht und lassen ihm den Willen nicht. Das tut Gott auch nicht. Er lässt die Seinigen eine Weile lästern, aber sind sie begnadigt mit der Heiligung des Geistes, so mögen noch so viel solcher unreinen Gedanken aufkommen in dem Herzen, der Geist wird ihnen keine Ruhe lassen, sondern sie fragen: „Willst du ein Geselle des Teufels sein, oder derer, die Gott fürchten?“ – Da wird man denn stille und doch nicht stille; denn die Vernunft ruht nicht, Fleisch und Blut wollen nicht schweigen; da leitet denn aber der Geist ins Heiligtum hinein und lehrt uns auch wohl durch die tägliche Erfahrung, wenn wir nur Augen dafür hätten und ein dankbares Herz, was das Ende der Welt ist. Da gibt denn aber eben dieser Psalm Trost, wo wir uns also fühlen und befinden, dass es uns im Herzen wehe tut und in den Nieren sticht, dass wir uns demütigen vor Gott: Er wolle die unreinen Gedanken hinwegnehmen, auf dass wir als rechte Kriegsknechte unsers Königs in Seinen Befehlen bleiben. Da kommt denn Gott und demütigt uns, dass wir uns wahrhaftig demütigen und bekennen, wir seien wie Narren und wissen nichts, wie ein Tier vor ihm, ein dummes Tier, womit man nichts anfangen kann; – man will es über einen Weg haben, es fährt aber mit seinem Kopf bald hierhin, bald dorthin. Da kommt dann aber das Bekenntnis: „Mein Gott, was wäre aus mir geworden, wenn Du mir meinen Weg gelassen, mir meinen Willen gegeben hättest! Was Du mir zugeteilt hattest, das war herrlich, das war köstlich, aber beinahe hätte der Teufel es mir aus der Hand gezaubert; und was er mir dafür vorhielt, war wertloses Glas. Und ich stand da und dachte, es sei kein Unterschied zwischen den Gottlosen und Frommen, zwischen den Gerechten und Ungerechten; da kamst Du aber in Deiner Erbarmung dazwischen und ließest mich hineingehen in Deine Herrlichkeit. Jetzt bekenne ich: ich bleibe stets an Dir! Ja, es ist ewige Liebe und Erbarmung, dass Du mich hältst an Deiner Rechten; ja, Du leitest mich nach Deinem Rat!“

So es ist denn Gottes Rat, dass Er die Seinen selig machen will, dass Er die Seinen dauerhaft glücklich haben will, dass Er den Seinen will Ruhe und Frieden verschaffen, sie in aller Gottseligkeit halten, welche ja die Verheißung hat dieses und jenes Lebens, dass sie also zufrieden seien, glücklich und froh ihren Weg weiter ziehen, bei aller Trübsal, welche die Welt und die Frommen trifft, geduldig seien, und also gehalten und von oben getragen werden auf den Fittichen des Psalms, des Lobes des Allmächtigen, des starken Gottes Jakobs, und bei allem Widerspiel die Zuflucht nehmen zu Ihm und das Herz ausschütten vor Dem, der gesagt: „Rufe Mich an in der Zeit der Not, so will Ich dich erhören, und du sollst Mich preisen“. Es ist also Gottes Rat, dass Seine Weisheit, Treue, Güte recht von uns erkannt, gepriesen und genossen werde. Es ist Gottes Rat, so wir trachten nach dem Königreiche Gottes, uns alles Irdische noch obendrein zuzuwerfen, – wenn auch Gott mitunter einen Tod schickt, der ein Tod ist für die Augenlust, die Fleischeslust und das hoffärtige Wesen, das nicht vom Vater ist, sondern aus dem Argen.

Die ganze Predigt:

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H. F. Kohlbrügge: Gesetz, Fluch und Glaube

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge aus dem Jahre 1872.

Quelle: http://licht-und-recht.de
Schriftauslegungen (11. Heft) 2. Mose 20,17
Predigten über den Brief Pauli an die Galater –
4. Predigt über Galater 3,12-14
Text: http://licht-und-recht.de/kohlbruegge/Schriftauslegungen_11.06.pdf

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