Johannes Calvin: Unbekannte Anbetung

Schätze der Gnade 50


was ich ihnen nie geboten habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist
(Jeremia 7:31)

Wir sollten hier aufmerken, denn genau an dieser Stelle schneidet Gott den Menschen den Fluchtweg ab, nämlich mit diesen Worten: „was ich ihnen nie geboten habe“. Es ist der Aberglaube, der hier von Gott verdammt wird, nichts anderes ist dem mehr entgegenzubringen, denn Gott hat es nicht geboten. Sobald sich die Menschen ihren eigenen Fantasien zuwenden und Gott nach ihrem eigenen Kopf anbeten und nicht nach den Satzungen Gottes, verdrehen sie die wahrhaftige Frömmigkeit. All die erfundenen und absurden Anbetungstechniken fänden keinen Platz, würden die Papisten nach dieser Regel handeln. Es ist in Wirklichkeit sogar schreckhaft, die Papisten verwerfen ihre Verantwortung, die sie Gott schuldig sind, und geben sich ihrem selbsterfundenen Aberglauben hin, als würde eines das andere aufheben. Traurigerweise gibt es einen Haufen solcher Menschen. Würden sie nur diesem Prinzip nachgehen, Gott kann einzig in rechter Weise verehrt werden, indem man seinem Wort gehorsam leistet, dann würden sie aus diesem Schlund der Irrlehre entfliehen. Die Worte des Propheten sind somit von größter Bedeutung. Wenn Gott hier spricht „was ich nie geboten habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist“, bringt Er damit zum Ausdruck, dass die Menschen sich zu viel anmaßen und nach Dingen trachten, die Gott nie forderte noch „in den Sinn“ gekommen ist. Selbstverständlich ist vor Gott nichts verborgen, Er weiß alles. Er kommuniziert jedoch mit uns Menschen auf menschliche Weiße, um uns klar zu machen, dass was die Juden hier praktizierten, Ihm völlig fremd sei, da das Gesetz sowieso schon vollkommen und genügsam ist.

Quelle: Johannes Calvin – Bibelkommentar
Übersetzung: TheologiaDE.blog

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Martin Luther: Anfechtungen

Eine Predigt von Martin Luther über geistliche Anfechtungen und das Vertrauen auf das offenbarte Wort Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Darum ist dies Beispiel Christi wohl zu bedenken, daß er nicht von sich selbst ist in die Wüste gelaufen, sondern der Heilige Geist hat es ihm geheißen; auf das wir dergleichen auch tun, und nichts aus eigener Andacht vornehmen; sondern in allem, daß wir tun, rühmen und sagen können: Es geschehe im Gehorsam und Befehl des Wortes. Diese Lehre habt ihr oft gehört, daß man besonders danach sehen soll, daß man gewiss sei, Gott habe es befohlen, und außer seinem Wort nichts anfangen.

Wer vor solcher Anfechtung sich bewahren will, der lerne hier von Christus, daß ein Mensch zweierlei Brot habe, das vom Himmel kommt, ist das Wort Gottes. Das andere und geringere ist das zeitliche Brot, daß aus der Erde wächst. Wenn ich nun das erste und beste Himmel-Brot habe, und lasse mich davon nicht bringen, so soll das zeitliche Brot auch nicht fehlen noch außen bleiben: es müßten eher die Steine zu Brot werden. Die anderen aber, die das himmlische Brot fahren lassen, und nehmen sich allein um das zeitliche an: wenn sie den Bauch voll haben, legen sie sich hin und sterben. Sie können das Gut nicht total fressen, sondern müssen es hinter sich lassen und dort ewig Hungers sterben. Es soll aber nicht so sein. Darum ob dich der Teufel anficht durch Verfolgung, Mangel, Hunger und Kummer: leide es und faste mit Christus, weil doch der Geist dich so treibt, und laßt das Vertrauen auf Gottes Gnade nicht fallen. So werden bald die lieben Engel kommen und deine Tischdiener werden; wie der Evangelist hier am Ende von Christus sagt.

Das ist auch eine nötige und nützliche Lehre, daß es heißt Gott versuchen, wo jemand von dem ordentlichen Befehl abtreten, und ohne Gottes Wort etwas Neues und Besonderes anfangen will. Wie Mönche und Nonnen tun, die fahren aus eigener Andacht, nehmen sich ein besonderes Leben vor; sagen danach, Christus hat es befohlen, da er sagt: “ Verlasse alles, und folge mir nach „. Das ist nicht allein Vernunft, sondern auch Schrift. Aber hier siehst du, daß der Teufel auch die Schrift führen kann um damit die Leute zu betrügen. Aber den Mangel hat es, daß er die Schrift nicht ganz führt, sondern nimmt nur so viel, als ihm zu seiner Sache dient; was ihm nicht dient, daß lässt er aus und schweigt still davon.

Da sieht man, wie der Teufel mit dieser Anfechtung so gewaltig ist. Wir aber sollen dem Teufel unter die Augen treten, und ihm sagen, wie Christus sagt: Teufel, heb dich von mir weg, es steht geschrieben: “ Du sollst Gott deinem Herrn, allein dienen „, das ist, allein auf Gottes Wort sehen und demselben folgen, und außerhalb desselben keinen Gottesdienst anrichten. Auf diese drei Anfechtungen müssen wir gewappnet sein, weil wir leben. Sollen darum hier lernen, wie wir uns mit Gottes Wort dagegen schützen, daß wir auf der Mittelstraße gehen; und uns darum nicht den Glauben nehmen lassen, daß wir Stein und nicht Brot haben, wenn uns hungerte, noch im Glauben vermessen werden, oder endlich um Geldes um Guts willen vom rechten Gottesdienst abfallen; sondern zugleich im Glauben und in der Furcht Gottes beständig bleiben. Unser lieber Herr Christus, der diese Anfechtung und zu gut selbst überwunden hat, der gebe uns auch Stärke, daß wir es durch ihn überwinden und selig werden mögen, Amen.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Vom großen Fischfang

Eine Predigt von Martin Luther über das Verrichten der täglichen Arbeiten, das Hören des Wortes Gottes [Luther meint hier die Predigt] und der Barmherzigkeit Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Dieses aber dreht der Herr hier um, heißt Petrus auf die Höhe, das ist, wohl hinein auf die See fahren; und da sie zuvor die ganze Nacht nichts gefangen hatten, heißt er jetzt um den Mittag das Netz auswerfen. Solches fehlte Petrus wohl, dass es nicht aus der Kunst und aus dem Beruf geredet ist, antwortet deswegen sehr höflich: Ei, Herr, spricht er, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; und so es unserer Kunst nachgehen soll, ist wenig Hoffnung dabei, dass wir jetzt etwas fangen sollen. Aber dennoch auf dein Wort will ich es wagen; wo dasselbe nicht etwas Besonderes schafft, so ist es verloren.

Dies ist eine sehr feine, höfliche Antwort; denn sonst sollte er anders geantwortet haben: Lieber, lehre mich nicht; ich weiß gewiss, wie man Fische fangen soll, was du mir nicht lehren kannst. Predigen und Fischen ist zweierlei. Jenes kannst du; so kann ich das. Ich will dich nicht lehren predigen; lehre du mich auch nicht Fische fangen. Also würden wir vielleicht unserem Herrn auch geantwortet haben. Denn das ist unsere Art und Natur, dass wir immer klüger sein wollen, denn unser Herr Gott. Aber Petrus ist frömmer, lässt solche Gedanken alle fallen, und denkt: Ich kann vom Fischfang wissen was ich will, so will ich doch dies Wort nicht verachten, sondern ihm folgen. Hängt sich also mit ganzem Herzen an das Wort, und lässt Vernunft, Erfahrung und alles fallen.

Darum soll niemand darüber unlustig oder unwillig werden, wenn er gleich mit Petrus eine Nacht vergebens fischt. Denn sollte Petrus diesen reichen Fischzug bei Nacht getan haben, würde er gedacht haben, es wäre seine Kunst und Arbeit gewesen, er bedürfte sonst niemand anderen dazu. Weil er aber die ganze Nacht fischt und nichts fängt, und der Herr ihn zuvor das Wort gibt und heißt ihn es noch einmal versuchen: da muss Petrus begreifen, dass er es nicht getan hat; das Wort Gottes und der Segen Gottes haben es getan, seine Arbeit nicht.

Im Gewissen geht es so zu: Wenn Gott mit seiner Gnade kommt, Vergebung der Sünden und ewiges Leben umsonst durch Christus verheißt, da wird die Gnade so groß, dass man denkt, es sei zu viel, und können es nicht annehmen. Das kann man wohl glauben, dass Gott gnädig und barmherzig sei; aber dass er uns so überaus wollen gnädig sein, dass will in das schlechte Herz nicht hinein. Jedermann denkt: Wenn ich so rein und fromm wäre wie die Jungfrau Maria, so wollte ich mich solcher Gnade auch trösten und annehmen; aber ich bin ein Sünder, bin der Gnade nicht wert, sondern der Ungnade und des Zorns. Da schlägt dann der Teufel auch zu, der bläst die Sünde im Herz dermaßen hoch, dass du nichts anderes sehen kannst als deine Unwürdigkeit, und muss also vor der großen, überschwänglichen Gnade erschrecken. Dies ist eine geistliche Anfechtung, von der rohe Leute nichts wissen und merken.

Was bin ich? Denken sie; bin ich es doch nicht wert, dass Gott mir soll so gnädig sein.

Denn weil ihr als arme Sünder nicht würdig seid, ist es sein gnädiger Wille, dass er es euch umsonst und aus Gnaden geben will. Darum erschreckt nicht davor; nehmt es mit Liebe und Dank an. Denn so Gott uns nicht sollte etwas geben, wir hätten es denn verdient und wären es würdig, so sollte er uns kaum das liebe Brot und bloß Wasser geben. Aber er will nicht auf unser Verdienst und Würdigkeit, sondern auf unsere Not und seine Gnade und Barmherzigkeit sehen, und über den leiblichen Segen auch das ewiges Leben schenken.

Die ganze Predigt:

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