Martin Luther: Über den Sabbat und die Demut

Eine Predigt von Martin Luther über die Heiligung des Sonntags, dem christlichen Wandel und der Demut.

Ein kurzer Auszug:

Darauf geht der schöne Spruch des Propheten Hosea Kapitel 6,6.: “ der Herr hat Lust an der Liebe mehr, denn am Opfer, und an Erkenntnis Gottes mehr, denn am Brandopfer „. Was heißt Gott erkennen? Anderes nicht, denn Gottes Wort hören. Ursache, ohne daß Wort wird niemand von Gott etwas wissen. Wenn aber das Wort kommt und spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich meinen Sohn gesandt und für dich in den Tod gegeben habe, der ich dich habe angenommen: durch solches Wort lernen wir Gott erkennen, daß er gnädig und barmherzig ist; welches die Vernunft nicht von sich selbst wissen noch lernen kann. Aus diesem aber folgt, weil man durch das Wort zur Erkenntnis Gottes kommt, daß es heiße, Gott dienen und den Sabbat recht heiligen, wenn man Gottes Wort hört, und nach dem Wort Gottes lebt und tut. Solches lassen die heillosen Heuchler, die Pharisäer, anstehen: sie hören Gottes Wort nicht, tun auch nicht danach; wollen dennoch den Namen haben, sie brechen den Sabbat nicht.

Deswegen soll bei uns Christen alle Tage Sabbat sein. Denn wir sollen alle Tage Gottes Wort hören und unser Leben danach ausrichten. Gleichwohl ist der Sonntag für das gemeine Volk geordnet, daß jedermann am selben Tag besonders Gottes Wort hören und lernen soll und danach leben. Denn die anderen sechs Tage muß der gemeine Mann seiner Arbeit warten, und erwerben, davon er lebe. Das will Gott gern geschehen lassen; denn er hat die Arbeit geboten. Aber den siebten Tag will er geheiligt haben, daß man daran nicht soll arbeiten, auf das jedermann ungehindert sei, sich in Gottes Wort und Werken zu üben, und zu tun, nicht was das zeitliche betrifft, sondern was Gott in seinem Wort fordert und haben will.

Wiederum, Hoffärtigen Leuten kann niemand hold sein. Sobald Vater und Mutter an einem Kinde oder Gesinde den Ungehorsam und Stolz merken (denn diese zwei Unarten sind häufig bei einander), daß sie sagen: Muss ich doch nicht tun, was du mich heißt; da hebt es sich, daß Vater und Mutter denken, wie sie ihnen den Stolz brechen und sie demütigen, oder zum Haus hinaus stoßen. Weltliche Obrigkeit tut es auch so. Wer stolzieren und nicht Gehorsam sein will, den lehrt sie es mit dem Stricke oder Schwertes durch Meister Hansen.

Wie kommt es nun, daß den Stolz niemand leiden kann? Anders nicht, denn daß es Gott haben will, und sein Wort der steht und sagt: Er wolle getrost dazu helfen, daß die gedemütigt werden, so stolz und hoffärtig sind. Wie man sieht in allen Ständen: was reich, gelehrt, vernünftig, schön, stark, mächtig und gewaltig ist, sobald sie in die Hoffart geraten und sich nicht haben willig heruntergegeben, hat sie Gott gestürzt, daß sie haben fallen müssen. Denn so steht geschrieben: Gott selbst legt sich gegen die Hoffärtigen. Der nun einen solchen schweren Feind auf sich ladet, den er nicht tragen kann, der muß fallen, und hilft ihn keine Macht noch Stärke.

Also ging es mit Saul: der war seinem Vater Gehorsam, hütete der Esel und hielt sich für den geringsten in Benjamin. Zu solchem Eseltreiber schickt Gott den Propheten Samuel und salbt ihn zum König. Denn weil er demütig und nicht hoffärtig war, setzte Gott zu ihm alle Gnade und Barmherzigkeit. Was geschah aber? Da Saul König war, schwoll ihm das Herz, daß er Stolz ward und fragte nach unserm Herrn Gott und seinem Wort nichts. Darum, gleich wie ihn Gott zuvor erhoben hatte, also stürzt er ihn danach wieder herunter, daß er sich aus Verzweiflung selbst erstach, und sein Geschlecht ausgerottet ward.

Die ganze Predigt:

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H. F. Kohlbrügge: Suchet was droben ist!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über das neue Leben in Christus.
Das ist der erste Teil der Predigt über Kolosser 3:1-14, Teil zwei gibt es hier.

Ein kurzer Auszug:

Da muß man denn zum Licht, zur Klarheit kommen, nicht allein um es zu verstehen, sondern auf daß man Ruhe im Herzen habe, und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auf daß man das Wort stehen lasse, sich darunter beuge und bleibe bei dem Gebete, welches wir so eben mit einander gesungen haben:

„Denke nicht mehr meiner Sünde;
Ach, entbinde
Mich vielmehr von ihrer Wut!
Laß Dein ewiges Erbarmen
Mich umarmen
In dem teuren Lammesblut!“

Da klammert man sich denn fest an Christum, wahrhaftig von ganzem Herzen, und hat nichts anderes mehr, es ist sonst alles verloren; in Ihm allein ist Sicherheit, in Ihm allein Errettung.

. Aus diesem großen Tode hat Christus euch herausgezogen; Er hat euch, so tot wie ihr waret, in Sich aufgenommen; Er hat euren Tod verschlungen durch Seinen Tod, und als Er auferweckt wurde, seid ihr mit Ihm auferstanden. Das ist nun der Praxis nach offenbar geworden, als ihr glaubtet, d. i., als ihr bekehrt wurdet, als ihr aus eurem Tode ins Leben hinüber gegangen seid. Da war diese eure Auferstehung vom Tode eine Auferstehung mit Christo, und in Christo habt ihr eure Auferstehung zu suchen, – nicht in eurer Bekehrung, sondern in der Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstehung seid ihr in eurer Bekehrung teilhaftig geworden. So seid ihr denn also aus eurem Tode hinweg und lebet mit Christo. Nun suchet, was droben ist! Ihr dürfet suchen euer täglich Brot, ihr dürfet trachten, daß ihr das bekommt, wozu ihr Menschen als Menschen geschaffen seid, daß ein jeder mit Gott und Ehren sich durch dieses Leben schlage, – aber die Wirksamkeit eurer Seele, die wahre Wirksamkeit der Seele sei: daß sie suche, was droben ist. Was ist denn droben? Christus! Wer ist denn das? Das ist der andere Adam, welcher Adams Schuld, worin du lagest, völlig bezahlt hat. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes, indem Er Sieger ist furchtbar großer Heere; Er hat alles überwunden für euch.

Wenn die Kolosser aus sich selbst gesucht hätten, was droben ist, so hätte der Apostel nicht nötig gehabt, in dieser Weise an sie zu schreiben. Aber eben den Kolossern, obschon er sie nennt „Heilige und gläubige Brüder in Christo“, obschon er zu ihnen mit der Predigt kommt: „Ihr seid mit Christo auferstanden“, – hält er es vor: „Ihr suchet, was hienieden ist; ihr trachtet nach dem, was hienieden ist, aber trachtet doch nach dem, was droben ist“. Ist es denn so was Liebliches, zwischen Gräbern zu wandeln unter Totengebein?

Der Apostel gibt weiter die Ursache an, warum er das sagt, indem er fortfährt: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott“; das ist: „Ihr seid tot für die Dinge, welche hienieden sind, nicht durch euer Verdienst oder durch mystische Gedanken, nein, wirklich vor Gott. Er, Christus, hat euch so tot dafür gemacht, daß ihr nichts mehr damit tun könnt, wie ein Jüngling nicht mehr spielen kann mit seinen Kindersachen; das geht nicht mehr. So lange ich ein Weltkind bin, so lange ich blind bin, so lange kann ich Freude haben an Unkeuschheit, an Ungeduld, an Unfreundlichkeit; bin ich aber durch Gottes Gnade arretiert worden, so hat die Gnade mich tot gemacht, so daß ich lauter Verdruß habe an Unglaube, Ungeduld, Unkeuschheit, Unfreundlichkeit, und gestachelt werde, um mich so zu benehmen, daß ich die Früchte genieße in dem herrlichen Garten und mit dem Bräutigam die edlen balsamischen Düfte einatme der Lilien und Granatäpfel. Ihr seid gestorben, und euer Leben, das ist alles droben in Christo bei dem Vater, in Seinem Schrank. Dort steckt euer Leben.

Die ganze Predigt:

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John Bunyan: Wie das Herz weich bleibt (2/2)

Schätze der Gnade 40


Die Aufgabe vor uns ist: „Was kann ein Christ tun, um das gebrochene Herz in seiner Zärtlichkeit zu bewahren?“

Die Antwort darauf ist zweierlei (Schätze der Gnade 39 + 40), [nach den Warnungen,] kommen wir nun zu der Ausrichtung:

  1. Strebe nach einer tiefen Gotteserkenntnis und lass sie sanft auf deinem Herzen ruhen. Wie seine Allgegenwärtigkeit zum Beispiel: „Erfülle ich nicht den Himmel und die Erde?, spricht der Herr.“ (Jeremia 23:24).
    • Sein durchbohrendes Auge, welches alles auf Erden erspäht. Er durchstreift die Erde und sieht alles, sei es gut oder böse (Sprüche 15:3).
    • Die Erkenntnis seiner Allmacht. Er könnte den Himmel und die Erde im Handumdrehen in Staub und Asche verwandeln; sie sind wie ein Mantel oder eine Schriftrolle in seiner Hand, die er einfach kurz zusammenrollt (Hebräer 1:11-12).
    • Seine Gerechtigkeit, denn seine Zurechtweisungen sind wie ein verzehrendes Feuer (Hebräer 12:18-21).
    • Das Erfassen seiner Treue, Gott hält all seine Versprechen, darauf können wir uns verlassen; zur gleichen Zeit werden die Unbußfertigen jedoch heftig bedroht (Matthäus 5:18, 24:35; Markus 13:31).
  2. Strebe nach einer tiefen Erkenntnis der Abtrünnigkeit der Sünde, zusammen mit ihrer zerstörerischen Kraft und die Auswirkungen auf unsere Seelen. Lass die Überzeugung, dass die Sünde der einzige Feind von Gott ist, in deinem Herzen hausen und dass niemand Gott hasst, noch von Gott gehasst wird, als durch sie.
    • Merke dir gut, die Sünde verwandelte Engel in Teufel und warf sie aus dem Himmel in die Hölle.
    • Die Sünde ist der Strick, mit dem sie gefesselt vor dem Gericht erscheinen werden (2. Petrus 2:4; Judas 6).
    • Es ist die Sünde, die Adam aus dem Paradies entfernte. Wegen der Sünde wurde die alte Welt überschwemmt; Sodom und Gomorra wurde wegen ihr mit Feuer verzehrt. Es hat Christus sein Leben gekostet dich von unter dem Fluch, den die Sünde auf dich brachte, zu befreien. Das Einzige was uns schlussendlich, auf ewig, von dem Himmelreich trennt, ist die Sünde.
    • Ziehe die Höllenqualen in Betracht. Christus spricht oft von der Hölle, damit unser Herz weich bleibt. Um sicher zu gehen, spricht er wiederholt von dem Wesen der Hölle und dessen unauslöschlichen, ewigen Feuer wie auch von dem nagenden, immer lebenden Wurm (Markus 9:43-48).
  3. Betrachte den Tod im Lichte der Gewissheit, dass jeder sterben wird und der Ungewissheit, wann dies geschehen wird. Wir müssen alle gewisslich sterben und unsere Tage sind von Gott gezählt, wir jedoch, haben keinen Einblick; ebenso wenig können wir den gesetzten Zeitpunkt hinauszögern (2. Samuel 14:14; Hiob 7:1, 14:1-5). Rufe dir ebenso in Erinnerung, jeder Mensch stirbt dieser Welt nur einmal; es ist nicht möglich, nachdem man in einem schlechten Zustand [in Sünde] starb, noch einmal zurückzukommen und erneut, dieses Mal in einer besseren Verfassung [in Christus], zu sterben. „So gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Hebräer 9:27).
  4. Ziehe ebenso die schreckhafte Tatsache des letzten Gerichts in Betracht. Christus sitzt auf seinem leuchtenden, weißen Thron; die Toten werden mit einem Posaunenschall herbeigerufen; die Elemente, der Himmel und die Erde, werden beide in Flammen aufgehen; Christus trennt die Schafe von den Ziegen, wie ein Hirte; die Bücher werden geöffnet und allen wird nach ihren Werken vergolten; die Himmelspforte geht den Erlösten weit auf und der Schlund der Hölle öffnet sich um die Verdammten zu verschlingen (Apg. 5:30-31, 10:42; Matt. 25:31, 32, 34, 4; Off. 2:11; 1 Kor. 15:51; Off 20:12, 15:2; 2 Petr. 3:7, 10, 12; Röm. 2:2, 15, 16; Off. 22:12).
  5. Gedenke an Christus, wie er mit Sanftmut all die Qualen erlitt, die notwendig waren, um unsere Errettung zu bewirken. Er hätte das Recht gehabt sein Herz zu verhärten und uns seiner Gerechtigkeit zu überlassen, denn wir sind schuldig und haben es auf uns selbst gebracht. Doch er kam in Mitleid, Erbarmen und Barmherzigkeit zu uns herab und hat es vollbracht. Christus erlöste uns in aller Liebe und Erbarmen. Die liebliche Gnade aus der Höhe kam zu uns herab. Er liebt uns und hat sich selbst für uns hingegeben. Lerne von Christus, wie man barmherzig und sanftmütig lebt, und eifere danach, dein Herz in Zärtlichkeit zu Gott zu bewahren.

Quelle: John Bunyan – The Acceptable Sacrifice. Kapitel 6 / Chapter 6
Übersetzung: TheologiaDE.blog

John Bunyan: Wie das Herz weich bleibt (1/2)

Schätze der Gnade 39


Die Aufgabe vor uns ist: „Was kann ein Christ tun, um das gebrochene Herz in seiner Zärtlichkeit zu bewahren?“

Die Antwort darauf ist zweierlei (Schätze der Gnade 39 + 40), zuerst ein paar Warnungen:

  1. Sei vorsichtig, nicht dass du die Überführungen des Geistes in deinem Herzen unterdrückst. Strebe nicht danach sie aus deinem Gewissen zu entfernen, behüte sie jedoch und nähre sie, indem du sie ganz nüchtern in Erinnerung hältst. Stelle dir selbst die Frage: „Wie wurde mein Herz verwundet?“, „Was ist der Ursprung dieser Verletzung?“ Lass sie dort im Herzen ruhen, bis durch die Gnade Gottes und das erlösende Blut Jesu, die Wunde geheilt wird.
  2. Gehe schlechtem Umgang aus dem Weg. Sich mit Menschen herumzutreiben, die eitlen Dingen nachgehen, töten so manche Überführung ab, löschen das Verlangen nach den himmlischen Dingen und warfen letztlich unzählige Menschen in die Hölle. Ein Gefährte, der die Seele nicht erbaut, verletzt sie nur. „Der Umgang mit den Weisen macht weise, wer sich aber mit Narren einlässt, dem geht es schlecht“ [Sprüche 13:20].
  3. Bewahre deine Ohren vor nichtigem Geschwätz, damit du nicht anfängst mitzumachen. „Geh weg von dem dummen Menschen! Du hörst doch nichts Gescheites von ihm“ [Sprüche 14:7]. „Der Mund des Toren wird ihm zum Verderben, und seine Lippen sind der Fallstrick seiner Seele“ [Sprüche 18:7]. „Lasst euch nicht irreführen: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten!“ [1 Korinther 15:33].
  4. Halte vor der kleinsten Regung der Sünde Ausschau, sonst fängt man nämlich an sie zu tolerieren und schafft Raum für größere Sünden. David erlaubte seinen Augen das Herz zu stehlen und nährte unreine Gedanken in seinem Herzen. Daraus entsprang letztlich der Ehebruch und Mord. „Habt acht, ihr Brüder, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde!“ [Hebräer 3:12-13]. Merkt euch, wer versucht eine Holzkiste mit einem Brecheisen zu öffnen, muss zuerst einen kleinen Spalt finden, durch welchen er das Eisen hineindrückt.
  5. Nehmt euch vor schlechten Angewohnheiten unter Geschwistern in Acht; lasst euch von niemanden dazu anstiften etwas zu tun, das gegen das Wort Gottes geht. Der Satan versucht nämlich schlechte Angewohnheiten von gottesfürchtigen Männern zu nehmen, um dadurch andere Herzen zu verhärten. Petrus zum Beispiel vereitelte mit seinem Verhalten die Menschen in seinem Umkreis, darunter auch Barnabas. Beachte somit und vergleiche jeden Weg mit dem heiligen Wort Gottes [Galater 2:11-13].
  6. Halte dich vor dem Unglauben fern. Verwerfe nicht die Realität des Himmels und lass gottlose Gedanken nicht einmal deine Sinne kreuzen. Bedenke, der Unglaube ist das abtrünnigste und kein Herz kann seine Zärtlichkeit bewahren, wenn sie sich dem Unglauben hingibt. „Habt acht, ihr Brüder, dass nicht in einem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen!“ [Hebräer 3:12]. Geht mit diesen Warnungen sorgfältig um, denn ein weiches Herz wird hierdurch bewahrt.

Quelle: John Bunyan – The Acceptable Sacrifice. Kapitel 6 / Chapter 6
Übersetzung: TheologiaDE.blog

John Bunyan: Ein weiches Herz

Schätze der Gnade 38


Ich zeige euch nun auf, wie wertvoll es ist ein weiches Herz zu bewahren. Denn es ist eine wunderbare Sache, ein zerbrochenes und weiches Herz zu haben.

  1. Ein weiches Herz zu bewahren bedeutet, sich allezeit davor zu hüten zu sündigen. Christen fangen erst an mit der Sünde zu spielen und letztlich nachzugeben, wenn das Herz an ihrer Zärtlichkeit verloren hat. Ein weiches Herz wird stark getroffen, wenn es sieht oder hört, wie jemand anderes sündigt. Noch viel schlimmer ist es, selbst zu sündigen, daher fürchtet sich das weiche Herz davor zu sündigen (2. Könige 22:19).
  2. Ein weiches Herz eilt sich im Gebet hinzugeben, es zögert nicht und schlägt, wenn nötig, sogar haken ein. Erst wenn unser Herz an Zärtlichkeit verloren hat, fangen wir an umherzuschlendern und vom Gebet abzukehren; das Herz fängt dann an kalt, flach, formell und fleischlich zu werden und dass in einer solch heiligen Pflicht.
  3. Ein weiches Herz ist allezeit bereit Buße über ihre Schuld zu tun. Mag es ein noch so kleiner Fehltritt oder sündhafte Gedanke sein. Oftmals ist es dann so, dass selbst das beste Werk eine Beleidigung ist; doch wenn ein Herz an Zärtlichkeit verloren hat, dann sagt es Dinge wie: „ich habe noch nach der Buße zu suchen“. In solchen Fällen ist das Herz schon verhärtet – man hat die Gesinnung der Buße, die man einst hatte, verloren. Ebenso geschah es mit der Gemeinde in Korinth. Sie faulten vor sich hin und verloren dabei die Zärtlichkeit ihrer Herzen, daraus entsprangen Sünden – ja, scheußliche Sünden – von denen keine Buße getan wurde (2. Korinther 12:20).
  4. Ein weiches Herz strebt danach, in der Gemeinschaft mit Gott zu leben. Doch wenn das Herz an Zärtlichkeit verliert und dass obwohl, der Same der Gnade im Herzen ist, lebt man in Gleichgültigkeit vor sich hin, man isst, trinkt, schläft und wacht auf und dass mehrere Tage ohne Ihn (Jesaja 17:10; Jeremia 2:32).
  5. Ein weiches Herz ist wachsam und auf Bereitschaft. Es hält Ausschau nach Sünde in der eigenen Seele, in der Familie, in den täglichen Verrichtungen, in den geistlichen Aufgaben etc. Es ist ebenso auf der Hut vor dem Satan, der Welt und dem Fleisch. Wenn das Herz aber auf der anderen Seite an Zärtlichkeit verloren hat, versinkt es in einen Schlaf, hört dabei auf bereit zu sein und wird träge. Das eigene Herz, die Familie und unsere Arbeiten leiden darunter. Kurz gesagt, wir beflecken und verschmutzen uns mit der Sünde und all diese Bereiche werden darunter leiden, denn dies ist die Auswirkung, wenn ein Herz sich von Gott abwendet.
  6. Ein weiches Herz ist bereit sich selbst zu verleugnen und dass selbst in Dingen, die an und für sich erlaubt sind und man die Freiheit besitzt – ganz egal für wen, sei es ein Heide oder ein Bruder, es möchte nämlich keinen Anstoß geben. Ein Herz jedoch, welches an Zärtlichkeit verloren hat, ist weit davon entfernt sich selbst zu leugnen und treibt es sogar so weit, verbotene Dinge mit einzubringen, ganz egal wer dabei einen Anstoß nimmt, sich beleidigt fühlt oder geschwächt wird. Ein ganz klares Beispiel dafür finden wir in der Schrift, sobald dieser Mann ein weiches Herz hatte, fürchtete er sich selbst vor der kleinsten Übertretung. Doch als sein Herz sich verhärtete, nahm er sich Bathsheba um seine Lust zu befriedigen und tötete ihren Ehemann um seine Bosheit zu verdecken.
  7. Ein weiches Herz nimmt Hiebe, Schläge und die väterliche Zucht an, es fürchtet sich nämlich vor dem Beweggrund, da es weiß, dass der Anlass die Sünde ist. „Gegen den Reinen erzeigst du dich rein, aber dem Hinterlistigen trittst du entgegen!“ (2 Samuel 22:27; Psalm 18:25-27).Das Volk Gottes erleidet viele Zurechtweisungen und Hiebe durch ihr eigenes, närrisches Verhalten. In gewisser Weise sind sie unnötig, damit meine ich, sie wären nicht notwendig, doch wegen unsrer Eitelkeit werden sie uns zuteil. Sonst würden wir in Gefahr Laufen und uns in unserer Torheit brüsten. Aus diesem Grund wird der geschmähte auch ein Tor genannt, denn es ist seine Torheit, die ihn diese Schmähungen einbrockte. „Die Toren“ sprach David „litten wegen ihres sündigen Wandels und um ihrer Ungerechtigkeit willen“ (Psalm 107:17). Daher nennt David seine Sündhaftigkeit auch seine Torheit. „Denn er wird Frieden zusagen seinem Volk und seinen Getreuen— nur dass sie sich nicht wieder zur Torheit wenden!“ (Psalm 85:8; Psalm 38:5). „Wenn seine Söhne mein Gesetz verlassen, so will ich ihre Abtrünnigkeit mit der Rute heimsuchen und ihre Missetat mit Schlägen“ (Psalm 89:30-32).

Quelle: John Bunyan – The Acceptable Sacrifice. Kapitel 5 / Chapter 5
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Charles H. Spurgeon: Heiligkeit im Heim

Schätze der Gnade 6

Wie ein Mensch zu Hause lebt ist von oberster Priorität. Ich werde kein Heiliger draußen – und ein Teufel zu Hause sein! Es gibt solche Menschen. Sie sind entzückend und wohltuend beim Gebetstreff – doch entsetzlich bitter der eigenen Frau oder den Kindern gegenüber. Das sollte niemals so sein!

Jeder aufrichtig Gläubige sollte es sagen und auch so meinen, „In meinem Heim werde ich mit einem reinen Herzen wandeln.“ Zu Hause ist es, wo wir den wahrhaftigen Beweis der Heiligkeit haben.

„Was für ein Mensch ist er?“ sagte jemand zu George Whitefield – und Whitefield antwortete, „Kann ich dir nicht sagen, da ich noch nie mit ihm zusammengelebt habe.“

Dies ist der Weg, einen Menschen zu prüfen, nämlich indem man mit ihm wohnt.

Quelle in Englisch
Übersetzung: TheologiaDE.blog