Martin Luther: Mit den Geboten im Gebet

Martin Luther in seinem Büchlein: „Eine einfältige Weise zu beten, für einen guten Freund“, aus dem Jahre 1535, berichtet einem engen Bekannten wie er selbst betet und gibt ihm Ratschläge.


Lieber Meister Peter, ich geb’s euch so gut, wie ich’s habe und wie ich selber mich beim Beten (ver)halte. Unser Gott geb es euch und jedermann, es besser zu machen. Amen.

Erstens, wenn ich fühle, dass ich durch fremde Geschäfte oder Gedanken kalt und unlustig zu beten geworden bin, wie denn das Fleisch und der Teufel allezeit das Gebet wehren und hindern, so nehme ich mein Psälterlein, laufe in die Kammer, oder, wenn es der Tag und die Zeit ist, in die Kirche zur Gemeinde und fange an, die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und, je nachdem ich Zeit habe, etliche Sprüche, des Paulus oder (der) Psalmen mündlich für mich selbst zu sprechen, ganz wie es die Kinder tun.

Darum ist’s gut, dass man frühmorgens das Gebet das erste und des Abends das letzte Werk sein lasse, und sich mit Fleiß vor diesen falschen, betrügerischen Gedanken hüte, die da sagen: Warte ein wenig, in einer Stunde will ich beten, ich muss dies oder das zuvor fertig machen. Denn mit solchen Gedanken kommt man vom Gebet in die Geschäfte, die halten und umfangen einen dann, dass aus dem Gebet den Tag über nichts wird.

[…] Wenn ich aber Zeit und Raum habe außer dem Vaterunser, mache ich es mit den zehn Geboten auch so und hole ein Stück nach dem andern, damit ich ja ganz frei werde (soweit es möglich ist) zum Gebet. Und ich mache aus einem jeglichen Gebot ein vierfaches oder ein vierfach gedrehtes Kränzlein, so nämlich: Ich nehme jedes Gebot zum ersten als eine Lehre an, wie es denn an sich ist, und denke, was unser Herr Gott darin so ernstlich von mir fordert. Zum zweiten mache ich eine Danksagung daraus, zum dritten eine Beichte, zum vierten ein Gebet, nämlich so oder mit dergleichen Gedanken und Worten:

Das erste Gebot:

Ich bin der Herr, dein Gott .. Du sollst keine andern Götter haben neben mir…

Hier bedenke ich erstens, dass Gott von mir fordert und mich lehrt herzliche Zuversicht zu ihm in allen Sachen, und dass es sein hoher Ernst ist, dass er mein Gott sein wolle, dass ich ihn dafür halten solle bei Verlust der ewigen Seligkeit, und dass mein Herz sonst auf nichts bauen noch trauen solle, es sei Gut, Ehre, Weisheit, Gewalt, Heiligkeit oder irgendeine Kreatur.

Zum zweiten danke ich seiner grundlosen Barmherzigkeit, dass er sich so väterlich zu mir verlorenem Menschen herunterneigt und sich mir selbst ungebeten, ungesucht, unverdient anbietet, mein Gott zu sein, sich meiner anzunehmen und (dass er) in allen Nöten mein Trost, Schutz, Hilfe und Stärke sein will. Wir armen, blinden Menschen haben doch sonst so mancherlei Götter gesucht und müssten sie noch suchen, wenn er sich selbst nicht so öffentlich hören ließe und sich uns in unserer menschlichen Sprache anböte, dass er unser Gott sein wolle. Wer kann ihm dafür immer und ewig genug danken?

Zum dritten beichte und bekenne ich meine große Sünde und Undankbarkeit, dass ich solche schöne Lehre und hohe Gabe durch mein ganzes Leben so schändlich verachtet und mit unzähligen Abgöttereien seinen Zorn so gräulich gereizt habe, das ist mir leid und ich bitte um Gnade.

Zum vierten bitte ich und spreche: Ach mein Gott und Herr, hilf mir durch deine Gnade, dass ich dies dein Gebot täglich besser lernen und verstehen und mit herzlicher Zuversicht danach tun möge. Behüte ja mein Herz, dass ich nicht mehr so vergessen und undankbar werde, keine anderen Götter noch Trost auf Erden noch in allen Kreaturen suche, sondern allein rein und fein an dir, meinem einzigen Gotte bleibe. Amen, lieber Herr, Gott Vater, Amen.


Danach (wenn ich will oder Zeit habe) das zweite Gebot auch so zum vierfachen Kränzlein gedreht, nämlich so:

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James Smith: Ausharren im Gebet

Schätze der Gnade 44


Ich aber rufe zu Gott, und der Herr wird mir helfen. Abends, morgens und mittags will ich beten und ringen, so wird er meine Stimme hören.
(Psalm 55:16-17)

Ein reifer Christ bringt alle Dinge vor den Herrn – wodurch er Frieden empfängt, Ruhe genießt und in der Gnade wächst.
Sind wir nämlich in Not – rufen wir den Herrn an.
Fürchten wir uns – bergen wir uns in dem Herrn.

Neigt sich der Tag dem Ende zu, so ist es auch dort unser Vorrecht Gott im Gebet anzurufen.
Wir sollten unsere Sünden bekennen – damit wir Vergebung empfangen.
Wir sollten unsere Bürde vor Gott bringen – damit er uns diese Last nimmt.
Wir sollten unsere Anliegen vor ihn Tragen – damit er uns versorgt.

Und Oh, wie selig ist es, sich jeden Morgen nach der Gnade auszustrecken, um ein heiliges und freudiges Leben zu führen! Ebenso während der Mittagszeit, um den Tag in zwei zu teilen – und jederzeit den kürzesten Weg zu gehen. Wie wichtig es doch ist ohne Unterlass zu beten. Morgens, mittags und abends mit unseren Lippen zu Gott zu beten!

Würden wir mehr Zeit mit Gott im Gebet verbringen, dann hätten wir …
mehr Kraft, um unser Kreuz zu tragen,
mehr Geduld, um in der Trübsal auszuharren,
mehr Trost in unseren Leiden.

Oh du Geist Gottes, nimm deinen Platz in unseren Herzen ein, als Geist des Gebets, und leite uns täglich, stündlich – wahrlich, ununterbrochen, zu dem Thron der Gnade. Lass uns entdecken, wie wertvoll die Gebetszeiten sind. Und am Abend, wenn der Leib ermattet ist – zeige uns wie, während wir unsere Seele entäußern, der Frieden einkehrt und die Seele erquickt wird.

Lieber Herr Jesus, ziehe du unsere Seelen Tag für Tag in die Gegenwart des himmlischen Vaters, damit wir eine liebliche und geheiligte Gemeinschaft haben! Bewirk doch du, dass unsere Gebete, wie wohlriechender Rauch zu Gott aufsteigt.

Quelle: Grace Gems 22.10.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Martin Luther: Im Glauben schauen

Eine Predigt von Martin Luther über den Glauben – das Erfassen der Umstände aus der Perspektive Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Es ist aber eine wunderliche Rede, die der Herr hier tut, wenn wir es nur recht bedenken wollten. Er bekennt, es sei eine Kraft von ihm ausgegangen. Wie nun das Weiblein da vor dem Herrn steht, und bekennt die Wohltat, die er ihr erzeigt hat, lässt sich der Herr nicht merken, daß solche Kraft von ihm ausgegangen sei; sondern schreibt es dem Glauben dieser Frau zu, so doch nicht sie selbst, sondern der Herr ihr geholfen hatte. Solches tut der Herr darum, uns damit anzuzeigen, was für eine große Lust er daran habe, wenn du alles Gute und Hilfe bei ihm suchst. Als wollte er sagen: sehet zu und lernet nur getrost glauben, es sei die Not gleich groß wie sie ist; denn ich will euch viel lieber helfen, denn ihr es erhoffen könnt. Ich will viel lieber vom Tod erlösen, denn ihr das Leben habt. Wie er es hier mit dem Werk beweiset, da es so leicht zugeht, und er die Kraft so gern von sich gehen lässt.

Darum lerne du aus dem heutigen Evangelium dies, daß der Tod gegen den Herrn Christum nichts anderes ist, denn ein Schlaf; wie wir hier sehen, daß er das gestorbene Mägdelein mit der Hand aufweckt, als aus einem Schlaf. Das Weiblein hat ihre Krankheit, und hat sie doch nicht, da sie zu Christus kommt. Und die Krankheit ist dem Herrn Christus keine Krankheit. Wie das andere Beispiel mit den Weiblein zeigt, welches sehr krank war; aber sobald sie zu Christus kommt und sein Kleid anrühret, muss die Krankheit weichen.

In der Summe, daß alles geht dahin, daß wir unsere Not nicht ansehen sollen nach der Vernunft, mit fleischlichen Augen, sondern mit Christenaugen. Das sind solcher Augen, wenn sie in den Tod, Sünde und Hölle sehen, können sie gewiss sagen: Ich sehe keinen Tod, ich fühle keine Sünde, ich bin nicht verdammt; sondern wie sehe durch Christum lauter Heiligkeit, Leben und Seligkeit. Also, wenn ich arm bin, fühle ich keine Armut, ich denke, ich habe alles genug; denn ich habe Christus, der mir alle Stunden geben kann, was sich bedarf, ob ich‘s gleich nicht habe.

Wer solche Augen hätte, der möchte sich rühmen, er hätte Christenaugen, der würde weit anders die Sache ansehen, wenn eine teure Zeit oder die Zeit des Sterbens, als die Welt zu tun pflegt. In der Teuerung sieht jedermann, was er im Keller und auf dem Boden habe; danach er da findet, danach steht ihm der Sinn. Findet er viel, so ist der fröhlich; findet er wenig, so ist der betrübt und will verzweifeln. Also in solch einer Zeit: wer da fliehen kann, der fliehe, und denkt, er wolle an einem anderen Ort sicher sein. Aber ein Christ, der einen festen Glauben an Christum hat, würde so denken: Wenn ich denn, wo es möglich wäre, gleich tausend Mal die Pest an meinem Leibe hätte, will ich mich darum nicht zu Tode fürchten; denn ich habe Christus. Ist es sein Wille, so soll mir die Pest wenig schaden, als ein Floh unter meinem Arm; der frisst und sticht wohl ein wenig, er kann mir aber das Leben nicht nehmen. Und ist gewiss, wer ein solchen Herz könnte fassen, der würde sicher bleiben ohne Furcht guter Dinge sein. Aber weil wir nicht glauben und solche geistlichen Augen nicht haben, kommt es, daß wir uns so fürchten und verzagen, und in so närrische Gedanken geraten, als könnten wir dem Zorn Gottes über zehn oder zwanzig Meilen entfliehen.

Die ganze Predigt:

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C. H. Spurgeon: Ablage im Kopf

Schätze der Gnade 43


Als ich das Evangelium noch nicht kannte, habe ich mich mit den unterschiedlichsten Dingen befasst. Hier ein wenig, da ein wenig – von allem etwas. Sei es die Botanik, Chemie oder auch Astronomie – und alles zusammengewürfelt, zu einem großen Chaos.

Doch als ich das Evangelium erkannte, wurde mir eine große Ablage gegeben. Mit dieser Ablage wurde alles sorgfältig an seinen Platz gestellt – alles wurde in Ordnung gebracht.

Die Erkenntnis Christi und sein Tod ist das Zentrum aller Dinge. Durch diese Offenbarung konnte ich erblicken, dass alle wissenschaftlichen Felder im Einklang miteinander sind.

Von uns aus gesehen bewegen sich die Planeten ungeregelt – einige rückschreitend, andere progressiv und wieder andere einfach nur ruhend und so weiter. Wenn wir jedoch den Blickpunkt der Sonne hätten, dann könnten wir sehen, wie jeder Planet sorgfältig in seiner Umlaufbahn umherkreist.

So verhält es sich auch mit unserem Wissen. Ist unser Fundament eine beliebige Wissenschaft, ganz egal welche, dann fällt uns auf, dass die Wahrheit fehlt. Fangen wir jedoch mit Christus an, dem gekreuzigten, so ist unsere Basis die Sonne. Hierin erkennen wir wie jede andere Wissenschaft im Einklang mitspielt.

Ihr kennt das Sprichwort: „Von unten nach oben – von der Erde hoch bis zum Gott der Erde“. Das Bergsteigen ist jedoch eine mühselige Sache. Besser wäre: „Von oben nach unten – von Gott aus, hinab zur Erde“. Sobald man den Gott der Schöpfung erkennt, ihm glaubt und ihn liebt, so ist es überraschend einfach die Harmonie in den Wellen des Meeres zu sehen und das sanfte Flüstern des Windes zu hören. Gottes mächtiges Wesen ist überall zu erkennen – sei es der Donnerschlag, das kleine Lamm oder auch ein mächtiges Unwetter.

Stelle Christus an den richtigen Platz und du wirst sehen, wie er zur Weisheit Gottes in deinem Leben wird.

Quelle: Grace Gems 15.10.2017
Übersetzung: TheologiaDE.blog

H. F. Kohlbrügge: Leben in Christus

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge aus dem Jahre 1873, auf Deutsch vorgelesen. Die zweite Predigt über Kolosser 3:1-10 – Teil 1 ist hier zu finden.

Quelle: http://licht-und-recht.de
Text: http://licht-und-recht.de/kohlbruegge/Schriftauslegungen_11.10.pdf

James Smith: Die Herrlichkeit des Evangeliums

Schätze der Gnade 42


„Das herrliche Evangelium des Christus“
(2. Korinther 4:4)

Das Evangelium ist eine herrliche Offenbarung der Gnade Gottes. Gott tut uns dadurch seinen Willen und Wohlgefallen kund – Sünder im Einklang mit seiner Ehre und all seines göttlichen Wesens zu erretten.

Das Evangelium enthält…
die erhabensten Lehren,
die kostbarsten Verheißungen,
und die offenherzigsten Einladungen, die man sich je vorstellen kann!

Das Evangelium erhöht den Herrn Jesus Christus und …
die Herrlichkeit seines Wesens,
die Tiefe seiner Liebe,
die unermessliche Weite seines Verdienstes,
und den unergründlichen Eifer, die abscheulichsten Sünder zu erretten!

Das Evangelium verkündigt …
Frieden, durch das Blut und die Auferstehung Gottes;
eine vollkommene, freie und komplette Errettung für alle, die seinen Namen in Wahrheit anrufen;
ein herrliches Erbe, ein ewiges Königreich, eine Krone der Ehre – und all dies, als ein Geschenk an schäbige Sünder! In anderen Worten, das Evangelium ist eine Frohe Botschaft. Eine Botschaft, die Begnadigung, Frieden, Schutz und ewiges Leben jedem anbietet, der willig ist, dies anzunehmen!

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H. F. Kohlbrügge: Suchet was droben ist!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über das neue Leben in Christus.
Das ist der erste Teil der Predigt über Kolosser 3:1-14, Teil zwei gibt es hier.

Ein kurzer Auszug:

Da muß man denn zum Licht, zur Klarheit kommen, nicht allein um es zu verstehen, sondern auf daß man Ruhe im Herzen habe, und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auf daß man das Wort stehen lasse, sich darunter beuge und bleibe bei dem Gebete, welches wir so eben mit einander gesungen haben:

„Denke nicht mehr meiner Sünde;
Ach, entbinde
Mich vielmehr von ihrer Wut!
Laß Dein ewiges Erbarmen
Mich umarmen
In dem teuren Lammesblut!“

Da klammert man sich denn fest an Christum, wahrhaftig von ganzem Herzen, und hat nichts anderes mehr, es ist sonst alles verloren; in Ihm allein ist Sicherheit, in Ihm allein Errettung.

. Aus diesem großen Tode hat Christus euch herausgezogen; Er hat euch, so tot wie ihr waret, in Sich aufgenommen; Er hat euren Tod verschlungen durch Seinen Tod, und als Er auferweckt wurde, seid ihr mit Ihm auferstanden. Das ist nun der Praxis nach offenbar geworden, als ihr glaubtet, d. i., als ihr bekehrt wurdet, als ihr aus eurem Tode ins Leben hinüber gegangen seid. Da war diese eure Auferstehung vom Tode eine Auferstehung mit Christo, und in Christo habt ihr eure Auferstehung zu suchen, – nicht in eurer Bekehrung, sondern in der Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstehung seid ihr in eurer Bekehrung teilhaftig geworden. So seid ihr denn also aus eurem Tode hinweg und lebet mit Christo. Nun suchet, was droben ist! Ihr dürfet suchen euer täglich Brot, ihr dürfet trachten, daß ihr das bekommt, wozu ihr Menschen als Menschen geschaffen seid, daß ein jeder mit Gott und Ehren sich durch dieses Leben schlage, – aber die Wirksamkeit eurer Seele, die wahre Wirksamkeit der Seele sei: daß sie suche, was droben ist. Was ist denn droben? Christus! Wer ist denn das? Das ist der andere Adam, welcher Adams Schuld, worin du lagest, völlig bezahlt hat. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes, indem Er Sieger ist furchtbar großer Heere; Er hat alles überwunden für euch.

Wenn die Kolosser aus sich selbst gesucht hätten, was droben ist, so hätte der Apostel nicht nötig gehabt, in dieser Weise an sie zu schreiben. Aber eben den Kolossern, obschon er sie nennt „Heilige und gläubige Brüder in Christo“, obschon er zu ihnen mit der Predigt kommt: „Ihr seid mit Christo auferstanden“, – hält er es vor: „Ihr suchet, was hienieden ist; ihr trachtet nach dem, was hienieden ist, aber trachtet doch nach dem, was droben ist“. Ist es denn so was Liebliches, zwischen Gräbern zu wandeln unter Totengebein?

Der Apostel gibt weiter die Ursache an, warum er das sagt, indem er fortfährt: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott“; das ist: „Ihr seid tot für die Dinge, welche hienieden sind, nicht durch euer Verdienst oder durch mystische Gedanken, nein, wirklich vor Gott. Er, Christus, hat euch so tot dafür gemacht, daß ihr nichts mehr damit tun könnt, wie ein Jüngling nicht mehr spielen kann mit seinen Kindersachen; das geht nicht mehr. So lange ich ein Weltkind bin, so lange ich blind bin, so lange kann ich Freude haben an Unkeuschheit, an Ungeduld, an Unfreundlichkeit; bin ich aber durch Gottes Gnade arretiert worden, so hat die Gnade mich tot gemacht, so daß ich lauter Verdruß habe an Unglaube, Ungeduld, Unkeuschheit, Unfreundlichkeit, und gestachelt werde, um mich so zu benehmen, daß ich die Früchte genieße in dem herrlichen Garten und mit dem Bräutigam die edlen balsamischen Düfte einatme der Lilien und Granatäpfel. Ihr seid gestorben, und euer Leben, das ist alles droben in Christo bei dem Vater, in Seinem Schrank. Dort steckt euer Leben.

Die ganze Predigt:

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Jonathan Edwards: Was ist die Souveränität Gottes?

Schätze der Gnade 41


Die Souveränität Gottes ist das Recht von Gott nach seinem eigenen und vollkommenen Willen zu handeln und mit seiner Schöpfung nach seinem Wohlgefallen zu verfügen. Ich werde diese Erklärung unterteilen und im Einzelnen betrachten.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es zwanghaftes Verhalten.

Menschen verrichten ihre Tätigkeiten freiwillig und doch kann es dazu kommen, dass sie diese Dinge, zu einem gewissen Grad, aus Zwang machen. Es mag sein, dass ein Mensch etwas freiwillig tut, damit meine ich, der Mensch selbst handelt und hat sich dazu entschieden zu handeln; und doch, wenn man alle Variablen zusammenzählt, kann diese Aktion von Angst getrieben sein und dem Menschen in Wirklichkeit missfallen [d.h. es geht gegen sein eigenes Verlangen]. Wenn ein Mensch aus diesem Grund agiert, dann kann man nicht von ihm sagen er würde nach seinem völligen Wohlgefallen handeln.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es einen Willen, der sich einem anderen Willen unterordnet.

Ein Sklave z.B. erfüllt alle Wünsche seines Meisters, er tut dies sogar mit Freude und Bereitwilligkeit; und doch handelt dieser Sklave nicht nach seinem eigenen, völligen Wohlgefallen. Die Heiligen tun den Willen Gottes freiwillig. Sie entscheiden sich dafür, denn es ist ihr tägliches Brot. Trotz alledem handeln sie nicht willkürlich [frei nach ihrem Belieben]; denn ihr Wille ordnet sich einem anderen Willen unter.

  1. Gott übt seinen Willen mit völligem Wohlgefallen aus, im Gegensatz dazu gäbe es verpflichtendes Handeln [z.B. die Pflicht zu handeln].

Ein Mensch mag seiner Pflicht aus freien Stücken nachgehen; und doch kann man auch hier nicht behaupten er würde es frei nach seinem Belieben tun. Eine Person, die aus reinem Wohlgefallen handelt, ist eine freie Person; eine Person, die aber dazu verpflichtet ist zu handeln, ist keine freie Person – diese Person ist gebunden. Die Souveränität Gottes setzt voraus, dass er das Recht hat, nach seinem Wohlgefallen mit seinen Kreaturen zu tun, was er will. Denn sein Recht ist uneingeschränkt und unabhängig. Ein Mensch hat vielleicht das Recht über ein paar Dinge zu verfügen; und doch ist das Recht des Menschen nicht uneingeschränkt und unerschöpflich. Ein Mensch mag auch das Recht haben mit seinen Gütern umzugehen wie er möchte und doch ist sein Recht gebunden und hat eine Grenze. Menschen haben das Recht mit ihrem Eigentum zu tun und zu lassen was sie wollen, vorausgesetzt, sie verstoßen nicht gegen das Gesetz oder gehen gegen die Gebote Gottes. Das menschliche Recht, mit dem Eigentum umzugehen wie man möchte ist nicht uneingeschränkt, da es nicht unabhängig ist. Eine Person hat kein unabhängiges Recht auf sein Eigentum. Bei manchen Gütern bestimmt sogar die Gesellschaft welches Recht man hat. Doch alle Dinge sind schlussendlich auch abhängig von Gott. Das Recht, das wir Menschen auf irgendetwas haben, haben wir von Gott. Die Souveränität Gottes bedeutet, dass er ein absolutes, uneingeschränktes und unabhängiges Recht hat, über seine Kreaturen nach seinem Wohlgefallen zu verfügen.

Text, Quelle: monergism.com | Punkt 1
Aus einer Predigt von Jonathan Edwards, hier in Deutsch vorgelesen.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Karsten Ernst: Wie sollen wir das Evangelium verkündigen?

I. Vorwort

Grundlage dieser kleinen Schrift ist ein Vortrag, den ich 1997 auf der Ostfahrer-Tagung in Nonnenmiss (im Schwarzwald) gehalten habe. Diese Schrift ist in der Tat nicht viel mehr als ein kirchengeschichtlicher Abriss. Vieles in diesem Vortrag ist daher nur angedeutet, und manches konnte nur sehr knapp angesprochen werden. Wer eine umfassende kirchengeschichtliche Studie zum Thema Wie sollen wir das Evangelium verkündigen? erwartet, wird von dieser Schrift sicherlich enttäuscht sein. Es werden nur ganz grundlegende Entwicklungen in der Gemeinde Jesu aufgezeigt, die uns helfen sollen, manches, was wir heute erleben, besser einzuordnen. Hoffentlich nehmen freikirchliche Leser keinen Anstoß daran, dass ich den kirchengeschichtlichen Abriss mit Luther beginne. Luther scheint vielen schon deswegen verdächtig zu sein, weil er eine freikirchliche Verfassung der Kirche ablehnte, die Wiedertäufer bekämpfte und sehr unfreundlich über die Juden sprach. Obwohl ich selber freikirchlich bin und manche Ansichten von Luther nicht teile, so kann ich doch nicht umhin, ihm meinen tiefen Respekt zu bezeugen. Ähnliches tat Spurgeon mit Calvin. Es wird nämlich allzu oft übersehen, aus welcher geistlichen Finsternis Luther die Gemeinde Jesu herausgeführt hat, wie er dem Worte Gottes wieder Geltung verschafft hat und wie durch ihn das Evangelium von der Gnade Gottes wieder in den Mittelpunkt der Verkündigung gerückt wurde. Der Genfer Reformator Calvin vergleicht ihn daher zu Recht mit einem „Erstling unter den Knechten Christi, dem wir alle viel schulden“. Und in einem Brief an Bullinger schreibt Calvin trefflich: „Selbst wenn er mich einen Teufel schelten sollte, so würde ich ihn dennoch für einen erlesenen Gottesmann halten, der freilich auch unter großen Fehlern leidet, wie er an herrlichen Tugenden reich ist.“ Ich hoffe, dass diese Schrift etliche anregt, erneut oder zum ersten Mal, in der Heiligen Schrift und in der Kirchengeschichte zu forschen und zu fragen: Wie sollen wir das Evangelium verkündigen?

Filderstadt, den 20. Juni 1997
Dr. theol. Karsten Ernst

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