R. C. Sproul: Wie Sündhaft ist der Mensch?

Stelle dir einen Kreis vor. Dieser Kreis repräsentiert den Charakter des Menschen. Jedes Mal, wenn ein Mensch Sündigt taucht ein Fleck – eine Art moralischer Schandfleck – in diesem Kreis auf, welcher den Charakter des Menschen ruiniert. Sobald weitere Sünden erfolgen tauchen mehr Schandflecken in diesem Kreis auf. Wenn Sünden sich also weiterhin vermehren, dann wird der Kreis irgendwann vollständig mit Flecken und Makel gefüllt sein. Ist es wirklich schon so weit? Der menschliche Charakter ist offensichtlich mit Sünde befleckt, es geht in dieser Diskussion jedoch um das Ausmaß dieser Beschmutzung. Die Römisch-Katholische Kirche behauptet, dass der Charakter des Menschen nicht vollständig beschmutzt ist und eine kleine Insel an Rechtschaffenheit besitzt. Die protestantischen Reformatoren aus dem 16. Jahrhundert dagegen, bekräftigten die lückenlose Verschmutzung und Verderbtheit des Menschen, welche uns vollkommen korrupt darstellt.

Es gibt einen Haufen an Missverständnissen zu diesem Bekenntnis der Reformatoren. Der Begriff „totale Verderbtheit“, wird in der klassischen, reformierten Theologie verwendet, um die Zwangslage des Menschen zu beschreiben. Menschen tendieren bei der Erwähnung dieses Wortes zusammenzuzucken, weil es eine weiterverbreitete Verwechslung zwischen dem Konzept der totalen Verderbtheit und dem Konzept der äußersten Verderbtheit gibt. Äußerste Verderbtheit würde bedeuten, dass der Mensch so Böse ist, so korrupt, wie er nur sein kann. Ich denke nicht, dass es einen Menschen gibt, der aufs äußerste Verdorben ist, dies ist aber nur wegen der Gnade Gottes und der Kraft seiner allgemeinen Gnade so. So viele Sünden wie wir auch Individuell begangen haben, wir hätten schlimmer sein können. Wir hätten öfters Sündigen können. Wir hätten Sünden begehen können die noch abscheulicher sind. Wir hätten auch eine größere Anzahl an Sünden begehen können. Totale Verderbtheit bedeutet nun nicht, dass der Mensch so schlecht ist, wie man es sich nur vorstellen kann.

Wenn die protestantischen Reformatoren nun von totaler Verderbtheit sprachen, meinten sie, dass die Sünde – ihre Kraft, ihr Einfluss, ihr Trieb – den ganzen Menschen beeinflusst. Unser Körper ist gefallen, unser Herz ist gefallen, unser Verstand ist gefallen – es gibt nichts an uns das die Verwüstung der Sünde entfliehen könnte. Sünde beeinflusst unser Verhalten, unser Gedankenleben, sogar unsere Unterhaltungen. Die ganze Person ist gefallen. Dies ist das wahre Ausmaß unserer Sündhaftigkeit, wenn bei dem Standard und der Norm von Gottes Perfektion und Heiligkeit verurteilt.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

R. C. Sproul: Wie können wir die Tatsachen vereinen, dass Gott Souverän ist und uns Menschen einen freien Willen gab?

Ich sehe nicht wie es zu einem Problem zwischen der Souveränität Gottes und dem freien Willen des Menschen kommen könnte, solange wir das biblische Konzept der Freiheit verstehen. Schauen wir uns den Menschen an. Wir Menschen haben die Fähigkeit freie Entscheidungen zu treffen, unsere Entscheidungen sind jedoch in unserer Freiheit begrenzt. Wir sind nicht völlig frei. Bedenke, Gott sprach zu Adam und Eva, „Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens.“ Und fügte eine Einschränkung hinzu „aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon isst, mußt du unbedingt sterben!“ Nun, Gott ist ein Wesen das freie Entscheidungen treffen kann; und ich auch, bin auch ein Wesen mit der Fähigkeit freie Entscheidungen zu treffen. Der Unterschied ist aber, ich bin nicht Souverän. Gott ist Souverän. Gott hat mehr Autorität als ich. Gott hat das Recht, die Autorität und die Kraft alles zu tun was Ihm Gefällt. Ich habe die Kraft, die Fähigkeit und die Freiheit all die Dinge zu tun, zu denen ich in der Lage bin, doch meine Freiheit kann niemals die Autorität Gottes außer Kraft setzen. Meine Freiheit wird immer durch die höhere Freiheit Gottes eingeschränkt. Ein Widerspruch wäre, Gottes Souveränität und die menschliche Autonomie. Autonomie bedeutet, ich kann tun und lassen was ich will ohne mir Gedanken über das Gericht von oben zu scheren. Offensichtlich sind diese zwei Dinge nicht vereinbar, wir glauben auch nicht das der Mensch autonom ist. Wir glauben der Mensch ist frei, aber nur begrenzt und diese Grenze wird von der Souveränität Gottes festgelegt. Ein simples Beispiel: In meinem Haus habe ich mehr Freiheit als mein Sohn. Wir beide haben Freiheiten, doch ich habe mehr.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Steven Lawson: Gottes Zorn verkündigen

Der Reformator Johannes Calvin sagte einmal, „Predigen ist die öffentliche Auslegung der Schrift durch Männer die von Gott gesandt sind, worin Gott selbst anwesend in Gericht und Gnade ist.“ Treuer Dienst an der Kanzel verlangt es beides, das Gericht und die Gnade zu verkünden. Das Wort Gottes ist scharf, ein zweischneidiges Schwert, es erweicht und härtet, tröstet und betrübt, rettet und verdammt.

Die Verkündung von Gottes Zorn dient als samtweicher, schwarzer Hintergrund, welches den Diamanten von Gottes Gnade noch heller scheinen lässt als zehntausend Sonnen. Der heilige Zorn ist eine dunkle Leinwand, die den Glanz seiner errettenden Gnade vollkommen zum Ausdruck bringt. Das Predigen von Gottes Zorn zeigt uns auf hervorragende Weise wie Barmherzig und Gütig Er gegenüber Sünder ist.

Wie Trompeter stehend auf einer Burgmauer vor Bedrohungen warnt, so müssen Prediger den ganzen Ratschluss Gottes verkünden. Wer an der Kanzel steht, muss die ganze Wahrheit in den Schriften verkünden, was beides, den souveränen Zorn und die großartige Liebe beinhaltet. Sie können sich nicht rauspicken was sie predigen möchten. Der Zorn Gottes muss angesprochen werden, es ist nicht optional – es ist ein göttlicher Auftrag.

Tragischerweise fehlt heutzutage in zu vielen Kanzeln die Verkündigung von Gottes bevorstehenden Zorn. Prediger rechtfertigen den Zorn Gottes oder verlieren nicht mal ein Wort darüber. Sie behaupten, um die Liebe Gottes zu verstärken, müssen wir seinen Zorn verharmlosen. Doch wenn wir den Zorn Gottes weglassen, vernebeln wir nur seine erstaunliche Liebe. Auf eigenartige Weise ist es unbarmherzig die heilige Vergeltung zurückzuhalten.

Wieso ist es notwendig den heiligen Zorn zu verkünden? Erstens: Die Heiligkeit Gottes verlangt es. Ein wesentlicher Teil Seiner moralischen Vollkommenheit ist Sein Hass der Sünde. A. W. Pink behauptet, „Der Zorn Gottes ist seine Heiligkeit, die durch praktizieren der Sünde (der Menschen), aufgeheizt wurde.“ Gott ist ein „verzehrendes Feuer“ (Heb. 12:29), Er ist „täglich Zornig“ auf Gottlose (Ps 7:11-12) Gott „hasst Gottlosigkeit“ (Ps 45:7-8) und zürnt mit allen, die seinem perfekten Wesen widersprechen. Somit wird Er alle Sünder am Tag des Gerichts „vertilgen“ (Ps 5:7).

„Steven Lawson: Gottes Zorn verkündigen“ weiterlesen

R. C. Sproul: Wenn Türme einstürzen

Sobald es zu einer Katastrophe in unserer Welt kommt, können wir mit dieser Frage rechnen: „Wo war Gott?“. Die Menschheit scheint sich immer zu fragen wieso ein guter Gott so etwas Schlimmes zulassen könne.

Die gleiche Frage wurde auch zu Zeiten Jesu gefragt und zwar im Lukasevangelium:

Es waren aber zur selben Zeit etliche eingetroffen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen! Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen! (Lukas 13:1-5, Schlachter 2000)

Einige Leute stellen Jesus eine Frage über eine gewisse Gräueltat, die Pontius Pilatus tat, der Römische Gouverneur von Judäa. Es ging, so wie es scheint, um Menschen die während des Gottesdienstes, von Pilatus‘ Soldaten massakriert wurden. Die Fragesteller kamen beunruhigt zu Jesus und stellten ihm die Frage, wieso Gott so etwas mit seinen Auserwählten zulässt.

Jesus beantwortete ihre Frage mit einer Gegenfrage: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“ Aus der Antwort können wir darauf schließen welche Vorurteile die Fragesteller hatten, nämlich, alles Leid in der Welt hängt in Proportion mit unserer Sündhaftigkeit zusammen, eine Vorstellung die heute noch vertreten wird.

Natürlich kam Leid und Tod durch die Sünde in diese Welt. Somit waren die Fragesteller nicht ganz im Unrecht mit ihrer Annahme, böse Moral führt zu physischem Leid. Doch Jesus nahm diese Gelegenheit um sie daran zu erinnern, dass wir nicht zu dem Entschluss springen können, alle Menschen leiden in Proportion zu ihrer Sündhaftigkeit.

Die Bibel ist hier sehr eindeutig. Uns wird gezeigt wie boshafte Menschen manchmal gedeihen und rechtschaffende Menschen manchmal schlimme Dinge erleiden. Besonders im Buch Hiob wird das Verhältnis zwischen Leid und Sünde widerlegt, denn obwohl Hiob der aufrichtigste Mensch der Welt war, wurde er von unbeschreiblicher Qual heimgesucht und von seinen „Freunden“ in Frage gestellt, die behaupteten, Hiob müsse schlimm gesündigt haben.

Als Jesus somit seinen Jüngern diese Frage stellte: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“, war die Antwort offensichtlich. Nein, sie waren nicht Sündhafter als die anderen. Jesus wollte die Vorstellung einer proportionalen Verbindung zwischen Sünde und Leid, aus den Jüngern entfernen, damit sie nicht auf die Idee kämen sie wären bessere Menschen, weil sie noch nichts erlitten und starben. Deshalb warnte er sie: „wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen!“

Um es noch unmissverständlicher klar zu machen, erwähnte Jesus noch eine ähnliche Begebenheit: „Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen?“ Noch einmal ist die Antwort zweifelsohne, Nein. Diese Opfer waren weder schlimmer noch besser als die anderen Juden. Somit warnte er sie noch einmal: „wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen!“

Beide, die Menschen die vom Turm erschlagen wurden und die, die von den römischen Soldaten umgebracht wurden, sind aufrichtige Bürger gewesen. Doch in ihrer „vertikalen“ Beziehung, ihre Beziehung zu Gott, war keiner unschuldig und das gleiche gilt auch für uns. Jesus sagte: „Anstatt zu fragen wieso ein guter Gott so seine Katastrophe zulässt, solltest du dich fragen, wieso dein eigenes Blut nicht vergossen wurde.“ Jesus erinnerte seine Zuhörer an die Realität, dass es schlussendlich keine Person gibt, die unschuldig ist (außer Er). Demnach sollten wir nicht über die Gerechtigkeit Gottes wundern, sondern über die Gnade Gottes. Wir sollten uns fragen: „Wieso werden wir nicht täglich von Türmen erschlagen?“

Wenn uns jemals etwas schmerzhaftes, leidvolles oder Schwerwiegendes befällt, ist es nie ein Akt der Ungerechtigkeit von Gotte Seite, da Gott uns keinen Freifahrtschein von Tragödien schuldig ist. Er schuldet uns keinen Schutz vor einstürzenden Türmen. Wir schulden Gott etwas und können es nicht zurückzahlen. Unsere einzige Hoffnung um nicht durch die Hände Gottes umzukommen ist Buße.

Jesus war nicht unsensibel oder rau mit seinen Jüngern. Er hat sie nur etwas aufgerüttelt, um ihre falsche Denkweise loszuwerden. Es würde uns guttun, diesen Ruck mit Freuden anzunehmen, es hilft uns nämlich dabei, Dinge aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Wir werden erst dann in der Lage sein mit Katastrophen umzugehen, wenn wir verstehen, dass hinter ihr der Ewige-Vorsatz Gottes steht und wenn wir begreifen, dass Gott uns vor der größten Katastrophe gerettet hat – der Einsturz des Turmes seines letzten Gerichts.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

 

R. C. Sproul: Was bedeutet es Gott zu fürchten?

Es ist an dieser Stelle wichtig Unterscheidungsmerkmale zwischen Gott „fürchten“ und dem biblischen Kontext herzustellen. Diese Differenzierungen können hilfreich sein, aber auch etwas gefährlich. Als Luther damit kämpfte, machte er diese Differenzierung, welche mittlerweile sehr bekannt ist: Er Unterschied zwischen, serviler Furcht und „filial“ Furcht.

Die Servile furcht ist die, die ein Häftling in seiner Zelle vor seinem Peiniger, Gefängniswärter oder Henker hat. Es ist die Angst vor einer anderen Person, wessen Anwesenheit, einen Menschen schon in Furcht und Schrecken versetzt. Oder auch die Furcht, die ein Sklave vor seinem Sklaventreiber hat, der mit seiner Peitsche kommt um zu ihn quälen. Servile Furcht ist die unterwürfige Haltung eines Sklaven zu seinem bösartigen Besitzer.

Luther unterschied diese Furcht mit dem was er „filial“ Furcht nennt, er zog eine Verbindung zu dem  lateinischen Konzept der Familie. Damit ist die Furcht gemeint, die ein Sohn vor seinem Vater hat.

Somit hat Luther ein Kind im Sinn, welches enormen Respekt und Liebe für seine Eltern hat und um jeden Preis möchte, dass sie sich erfreuen. Dieses Kind hat Furcht oder Sorge darum, die zu kränken, die er am Liebsten hat, nicht, weil er Angst vor Folter oder einer Bestrafung hat, sondern, weil er Angst davor hat denen zu missfallen, die in seinem Leben, der Ursprung der Sicherheit und Liebe, sind.

Ich denke diese Differenzierung ist hilfreich, weil die grundlegende Bedeutung der Furcht Gottes, welche wir im 5. Buch Mose oder auch in den Büchern der Weisheit finden, sagen, „die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit“. Der Schwerpunkt ist die Ehrfurcht und der Respekt vor der Erhabenheit Gottes. Dieses Gespür fehlt jedoch heutzutage viel zu oft in Evangelikalen Kreisen. Wir gehen zu oberflächlich und lässig mit Gott um, als hätten wir eine lockere Beziehung zum Vater. Wir sind dazu eingeladen Ihn Abba, Vater zu nennen und eine persönliche Vertrautheit zu Ihm zu haben, so wie es uns versprochen ist. Trotzdem sollen wir nicht lässig mit Gott umgehen. Wir sollten immer eine wohlbehaltene und respektvolle Verehrung Ihm gegenüber haben.

Eines noch: Wenn wir Gott wirklich wohlbehalten Verehren, dann sollte uns immer noch im Klaren sein, dass Gott auch beängstigend sein kann. „Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Hebräer 10:31). Als Sündhafte Menschen haben wir allen Grund uns vor dem Gericht Gottes zu fürchten; es ist ein Teil unserer Motivation mit Gott versöhnt zu werden.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

 

Der erste Brief des Johannes, Aufbau und Hintergrund

Über Johannes

  • Johannes ist der jüngere Bruder es Jakobus (Apg 12:2)
    • Johannes und Jakobus werden auch „Donnersöhne“ genannt (Mk 3:17)
    • Sie werden auch „Söhne des Zebedäus genannt“ (Mt 10:2-4)
  • Johannes zählte zu den drei vertrautesten Weggefährten Jesu (Mt 17:1, 26:37)
    • Die anderen waren Petrus und Jakobus
  • Er war ein Augenzeuge an Jesu irdischen Dienst (1Joh 1-4)
  • Der Jünger lehnte sich am Passahmahl an Jesu Brust (Joh 21:20)
  • Johannes gibt sich im Johannesevangelium, welches er auch schrieb, als „Jünger, den Jesus liebte“ bekannt (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7,20)
  • Er schrieb neben den drei Johannesbriefen, das Johannesevangelium zusätzlich noch das Buch der Offenbarung (Offb 1:1)

Über diesen Brief

Abfassung und Adressat

  • Der Brief wurde eventuell an die Allgemeinheit geschrieben (Kein Adressat im Brief)
    • Könnte aber auch an die Gemeinden in Kleinasien gemeint sein, in welcher Johannes seine apostolische Leiterfunktion ausübte
  • Johannes gibt sich nicht persönlich zu erkennen
    • Die Autorität, mit der er schreibt, lässt erkennen, dass es Johannes war,
    • wie auch die Übereinstimmungen mit dem Johannesevangelium
      • Vokabular und Ausdrucksweise

Datierung

  • Die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts
    • Manche behaupten, dieser Brief wäre kurz nach dem Johannesevangelium geschrieben worden (auch die zweite Hälfte des 1.Jahrhunderts)
  • Nach Aussagen der frühen Gemeinde war er Autor war schon im fortgeschrittenen alter
    • Der Text unterstützt diese Aussage (1Joh 2:1,18,28)
  • Johannes bekämpfte die Irrlehre der Gnosis, die sich im frühen Stadium befand (Siehe mehr hier)
  • Es wird keine Verfolgung unter Domitian erwähnt (Römischer Kaiser von 86 – 91)
  • Die Datierung des Briefes könnte somit berechtigt, zwischen 90-95 n. Chr. sein

Hintergrund und Umfeld

  • Trotz des fortgeschrittenen Alters, war Johannes sehr aktiv im:
    • Gemeindedienst
    • Schriftlichen Dienst (Offenbarung, Evangelium)
    • „Evangelisieren“ – beaufsichtigte neu entstandene Gemeinden in Kleinasien
  • Johannes war der einzig verbleibende Apostel, welcher Augenzeuge des Wirkens, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu war.
  • Johannes bekämpfte in seinem Brief die Philosophie „Gnosis“ – gr. Erkenntnis
    • Sie war nach dem paulinischen Kampf für die Freiheit vom Gesetz die gefährlichste Irrlehre
    • Sie begleitete, bzw. wurde in den ersten drei Jahrhunderten von der Gemeinde bekämpft
    • Diese Irrlehre zielte darauf, die Grundlagen des Glaubens zu widerlegen
    • Beeinflusst wurde diese Irrlehre von Philosophen wie Plato
      • Er verbreitete den „Dualismus“ (Materie böse, Geist gut)
        • Dies leugnete das wahrhaftige Menschsein Christi
      • Diese Gnostiker beanspruchten ein höheres Wissen der Wahrheit, zusammen mit Mystischer Erkenntnis der Wahrheit, welche sogar höher als die Schriften anzusehen sind
      • Diese Irrlehre konnte man in zwei Sparten einordnen:
        • Doketismus – gr. Scheinen
          • Der Körper Jesu war nicht real, erscheint nur physisch, somit göttlich und nicht menschlich (1Joh 1:1-4; 4:2-3)
        • Irrlehrer „Kerinthos“
          • Er behauptete unter anderem, dass der Geist nur bei der Taufe auf Christus abstieg und vor der Kreuzigung verließ
        • Diese Irrlehren führten wiederum dazu, dass die Menschen dachten, dass die Sünde die ein Mensch begeht, nichts mit dem Geist zu tun hat und schlussendlich nicht zählt
          • Solch eine Lehre führte zu Zügellosen Moralverhalten bis hin zur Leugnung von Sünde (1Joh 1:8-10) und das verachten des Gesetzes Gottes (1Joh 3:4)
        • Typisch für die Irrlehrer war auch, dass sie extrem negativ auf die reagiert haben (Mangel an Liebe), die ihren Lügen nicht folgten und hielten sich von denen fern, die der apostolischen Lehre treu blieben, daraufhin antwortete Johannes, dass diese falschen Lehrer nie wirklich gerettet waren (1Joh 2:19)
        • Der Kampf gegen die Lüge war äußerst wichtig, da die Gemeinde sich in einem kritischen Zustand befand. Sie drohte von falschen Lehrern überschwemmt zu werden

Themen (Facette)

Zurück zu den Grundlagen des Glaubens – Hauptthema

Freude (1Joh 1:4), Heiligkeit (1Joh 2:1) und Gewissheit (5:13) – Unterthemen

  • Charakter des Christentums, ganz schlicht
  • Der Brief hat einen warmen, vertrauten und liebevollen Ton
    • Ein Pastoraler Brief aus dem Herzen eines Gemeindeleiters (besorgt um seine gläubigen)
  • Es war der Wunsch Johannes, dass sie sich über ihre Sicherheit des Glaubens freuen konnten und sich nicht von anderen beirren lassen (1Joh 1:4)
  • Gegenüber den Irrlehren hat Johannes kein Erbarmen, er beschreibt sie als: „falsche Propheten“ (1Joh 4:1), Antichristen (1Joh 2:18) bis hin zu dämonisch (1Joh 4:1-7)

„Die ständige Wiederholung von drei Unterthemen stützt das Hauptthema über die Treue zu den grundlegenden Dingen des Christentums: Freude (1,4), Heiligkeit (2,1) und Gewissheit (5,13). Durch die Treue zu den Grundlagen werden seine Leser diese drei Dinge beständig in ihrem Leben erfahren. Diese drei Faktoren veranschaulichen auch den wichtigsten Zyklus wahrer Geistlichkeit: der richtige Glaube an Jesus bewirkt Gehorsam gegenüber seinen Geboten; aus dem Gehorsam ergibt sich die Liebe zu Gott und den Mitgläubigen (z.B. 3,23,24). Wenn diese drei Dinge (gesunder Glaube, Gehorsam, Liebe) zusammen wirken, führen sie zu Freude, Heiligkeit und Glaubenssicherheit. Sie bilden den Beweis, den entscheidenden Test für einen wirklichen Christen.“
Aus der John MacArthur Studienbibel, Seite 1887

 

Martin Luther: Vorrede auf das Alte Testament

DAS ALTE TESTAMENT HALTEN ETLICHE GERING / als eines, das dem Jüdischen Volk allein gegeben und nun ganz vorbei sei und nur von vergangenen Geschichten schreibe / Meinen sie haben genug am Neuen Testament und geben vor, nichts als geistlichen Sinn im Alten Testament zu suchen.

Wie es auch Origenes Hieronymus und viele hohe Leute mehr gehalten haben. Aber Christus spricht Joh. V., forschet in der Schrift denn dieselbige gibt Zeugnis von mir. Und S.Paulus gebietet Timotheo er solle anhalten mit lesen der Schrift. Und weist Röm. I. darauf hin wie das Evangelium von Gott / in der Schrift verheißen sei. Und I. Kor. XV. sagt er Christus sei entsprechend der Schrift von Davids Geblüte / gekommen gestorben und vom Tod auferstanden. So weist uns auch S. Petrus mehr als einmal zurück in die Schrift.

Womit sie uns also lehren die Schrift des Alten Testaments nicht zu verachten / sondern mit allem Fleiß zu lesen / weil sie selbst das Neue Testament so mächtiglich gründen und belegen durchs Alte Testament und sich drauf berufen. Wie auch S. Lucas Act. XVII. schreibt, daß die zu Thessalonich täglich die Schrift erforschten, ob sich’s so verhielte wie Paulus lehrte. So wenig nun des Neuen Testaments Grund und Lehre zu verachten ist so teuer ist auch das Alte Testament zu achten. Und was ist das Neue Testament anderes als eine öffentliche Predigt und Verkündigung von Christo / durch die Sprüche im Alten Testament gesetzt und durch Christum erfüllet.

Daß aber diejenigen, die es nicht besser wissen, eine Anleitung und Unterricht haben / nützlich darin zu lesen, habe ich diese Vorrede nach meinem Vermögen so viel mir Gott gegeben, gestellt. Bitte und warne aufrichtig einen jeglichen frommen Christen, daß er sich nicht stoße an der einfältigen Rede und Geschicht so ihm oft begegnen wird. Sondern zweifle nicht dran / wie schlecht es immer sich ansehen läßt / es seien nur Worte, Werke, Gericht und Geschichte der hohen göttlichen Majestät / Macht und Weisheit. Denn dies ist die Schrift die alle Weisen und Klugen zu Narren macht und allein den Kleinen und Geringen offen steht, wie Christus sagt Matth. XI. / Darum laß dein Dünkel und Gefühl fahren und halte von dieser Schrift, als von dem allerhöchsten, edelsten Heiligtum / als von der allerreichsten Fundgrube die nie mehr genug ergründet werden mag. Auf daß du die Göttliche Weisheit finden mögest, welche Gott hier so schlicht und einfach vorlegt, daß er allen Hochmut dämpfe. Hier wirst du die Windeln und die Krippe finden darin Christus liegt / Dahin auch der Engel die Hirten weist. Schlechte und geringe Windeln sind es / Aber teuer ist der Schatz Christus der drinnen liegt.

SO WISSE NUN, DASS DIES BUCH EIN GESETZBUCH IST, das da lehrt was man tun und lassen soll. Und daneben anzeigt Exempel und Geschichte wie solche Gesetze gehalten oder übertreten sind. Gleich wie das Neue Testament ein Evangelium oder Gnadenbuch ist und lehrt wo man’s nehmen soll, daß das Gesetz erfüllt werde. Aber gleich wie im Neuen Testament neben der Gnadenlehre auch viele andere Lehren gegeben werden, die da Gesetz und Gebot sind das Fleisch zu regieren, sintemal in diesem Leben der Geist nicht vollkommen wird, noch allein Gnade regieren kann. Also sind auch im Alten Testament neben den Gesetzen etliche Verheißung und Gnadensprüche, womit die heiligen Väter und Propheten unter dem Gesetz im Glauben Christi, wie wir, erhalten sind. Doch wie des Neuen Testaments eigentliche Hauptlehre ist Gnade und Friede durch Vergebung der Sünden in Christo verkündigen / Also ist des Alten Testaments eigentliche Hauptlehre Gesetze lehren und Sünde anzeigen und Gutes fordern. Solches wisse im Alten Testament zu erwarten.

„Martin Luther: Vorrede auf das Alte Testament“ weiterlesen