Steven Lawson: Gottes Zorn verkündigen

Der Reformator Johannes Calvin sagte einmal, „Predigen ist die öffentliche Auslegung der Schrift durch Männer die von Gott gesandt sind, worin Gott selbst anwesend in Gericht und Gnade ist.“ Treuer Dienst an der Kanzel verlangt es beides, das Gericht und die Gnade zu verkünden. Das Wort Gottes ist scharf, ein zweischneidiges Schwert, es erweicht und härtet, tröstet und betrübt, rettet und verdammt.

Die Verkündung von Gottes Zorn dient als samtweicher, schwarzer Hintergrund, welches den Diamanten von Gottes Gnade noch heller scheinen lässt als zehntausend Sonnen. Der heilige Zorn ist eine dunkle Leinwand, die den Glanz seiner errettenden Gnade vollkommen zum Ausdruck bringt. Das Predigen von Gottes Zorn zeigt uns auf hervorragende Weise wie Barmherzig und Gütig Er gegenüber Sünder ist.

Wie Trompeter stehend auf einer Burgmauer vor Bedrohungen warnt, so müssen Prediger den ganzen Ratschluss Gottes verkünden. Wer an der Kanzel steht, muss die ganze Wahrheit in den Schriften verkünden, was beides, den souveränen Zorn und die großartige Liebe beinhaltet. Sie können sich nicht rauspicken was sie predigen möchten. Der Zorn Gottes muss angesprochen werden, es ist nicht optional – es ist ein göttlicher Auftrag.

Tragischerweise fehlt heutzutage in zu vielen Kanzeln die Verkündigung von Gottes bevorstehenden Zorn. Prediger rechtfertigen den Zorn Gottes oder verlieren nicht mal ein Wort darüber. Sie behaupten, um die Liebe Gottes zu verstärken, müssen wir seinen Zorn verharmlosen. Doch wenn wir den Zorn Gottes weglassen, vernebeln wir nur seine erstaunliche Liebe. Auf eigenartige Weise ist es unbarmherzig die heilige Vergeltung zurückzuhalten.

Wieso ist es notwendig den heiligen Zorn zu verkünden? Erstens: Die Heiligkeit Gottes verlangt es. Ein wesentlicher Teil Seiner moralischen Vollkommenheit ist Sein Hass der Sünde. A. W. Pink behauptet, „Der Zorn Gottes ist seine Heiligkeit, die durch praktizieren der Sünde (der Menschen), aufgeheizt wurde.“ Gott ist ein „verzehrendes Feuer“ (Heb. 12:29), Er ist „täglich Zornig“ auf Gottlose (Ps 7:11-12) Gott „hasst Gottlosigkeit“ (Ps 45:7-8) und zürnt mit allen, die seinem perfekten Wesen widersprechen. Somit wird Er alle Sünder am Tag des Gerichts „vertilgen“ (Ps 5:7).

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R. C. Sproul: Wenn Türme einstürzen

Sobald es zu einer Katastrophe in unserer Welt kommt, können wir mit dieser Frage rechnen: „Wo war Gott?“. Die Menschheit scheint sich immer zu fragen wieso ein guter Gott so etwas Schlimmes zulassen könne.

Die gleiche Frage wurde auch zu Zeiten Jesu gefragt und zwar im Lukasevangelium:

Es waren aber zur selben Zeit etliche eingetroffen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen! Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen! (Lukas 13:1-5, Schlachter 2000)

Einige Leute stellen Jesus eine Frage über eine gewisse Gräueltat, die Pontius Pilatus tat, der Römische Gouverneur von Judäa. Es ging, so wie es scheint, um Menschen die während des Gottesdienstes, von Pilatus‘ Soldaten massakriert wurden. Die Fragesteller kamen beunruhigt zu Jesus und stellten ihm die Frage, wieso Gott so etwas mit seinen Auserwählten zulässt.

Jesus beantwortete ihre Frage mit einer Gegenfrage: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“ Aus der Antwort können wir darauf schließen welche Vorurteile die Fragesteller hatten, nämlich, alles Leid in der Welt hängt in Proportion mit unserer Sündhaftigkeit zusammen, eine Vorstellung die heute noch vertreten wird.

Natürlich kam Leid und Tod durch die Sünde in diese Welt. Somit waren die Fragesteller nicht ganz im Unrecht mit ihrer Annahme, böse Moral führt zu physischem Leid. Doch Jesus nahm diese Gelegenheit um sie daran zu erinnern, dass wir nicht zu dem Entschluss springen können, alle Menschen leiden in Proportion zu ihrer Sündhaftigkeit.

Die Bibel ist hier sehr eindeutig. Uns wird gezeigt wie boshafte Menschen manchmal gedeihen und rechtschaffende Menschen manchmal schlimme Dinge erleiden. Besonders im Buch Hiob wird das Verhältnis zwischen Leid und Sünde widerlegt, denn obwohl Hiob der aufrichtigste Mensch der Welt war, wurde er von unbeschreiblicher Qual heimgesucht und von seinen „Freunden“ in Frage gestellt, die behaupteten, Hiob müsse schlimm gesündigt haben.

Als Jesus somit seinen Jüngern diese Frage stellte: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“, war die Antwort offensichtlich. Nein, sie waren nicht Sündhafter als die anderen. Jesus wollte die Vorstellung einer proportionalen Verbindung zwischen Sünde und Leid, aus den Jüngern entfernen, damit sie nicht auf die Idee kämen sie wären bessere Menschen, weil sie noch nichts erlitten und starben. Deshalb warnte er sie: „wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen!“

Um es noch unmissverständlicher klar zu machen, erwähnte Jesus noch eine ähnliche Begebenheit: „Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen?“ Noch einmal ist die Antwort zweifelsohne, Nein. Diese Opfer waren weder schlimmer noch besser als die anderen Juden. Somit warnte er sie noch einmal: „wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen!“

Beide, die Menschen die vom Turm erschlagen wurden und die, die von den römischen Soldaten umgebracht wurden, sind aufrichtige Bürger gewesen. Doch in ihrer „vertikalen“ Beziehung, ihre Beziehung zu Gott, war keiner unschuldig und das gleiche gilt auch für uns. Jesus sagte: „Anstatt zu fragen wieso ein guter Gott so seine Katastrophe zulässt, solltest du dich fragen, wieso dein eigenes Blut nicht vergossen wurde.“ Jesus erinnerte seine Zuhörer an die Realität, dass es schlussendlich keine Person gibt, die unschuldig ist (außer Er). Demnach sollten wir nicht über die Gerechtigkeit Gottes wundern, sondern über die Gnade Gottes. Wir sollten uns fragen: „Wieso werden wir nicht täglich von Türmen erschlagen?“

Wenn uns jemals etwas schmerzhaftes, leidvolles oder Schwerwiegendes befällt, ist es nie ein Akt der Ungerechtigkeit von Gotte Seite, da Gott uns keinen Freifahrtschein von Tragödien schuldig ist. Er schuldet uns keinen Schutz vor einstürzenden Türmen. Wir schulden Gott etwas und können es nicht zurückzahlen. Unsere einzige Hoffnung um nicht durch die Hände Gottes umzukommen ist Buße.

Jesus war nicht unsensibel oder rau mit seinen Jüngern. Er hat sie nur etwas aufgerüttelt, um ihre falsche Denkweise loszuwerden. Es würde uns guttun, diesen Ruck mit Freuden anzunehmen, es hilft uns nämlich dabei, Dinge aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Wir werden erst dann in der Lage sein mit Katastrophen umzugehen, wenn wir verstehen, dass hinter ihr der Ewige-Vorsatz Gottes steht und wenn wir begreifen, dass Gott uns vor der größten Katastrophe gerettet hat – der Einsturz des Turmes seines letzten Gerichts.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

 

R. C. Sproul: Was bedeutet es Gott zu fürchten?

Es ist an dieser Stelle wichtig Unterscheidungsmerkmale zwischen Gott „fürchten“ und dem biblischen Kontext herzustellen. Diese Differenzierungen können hilfreich sein, aber auch etwas gefährlich. Als Luther damit kämpfte, machte er diese Differenzierung, welche mittlerweile sehr bekannt ist: Er Unterschied zwischen, serviler Furcht und „filial“ Furcht.

Die Servile furcht ist die, die ein Häftling in seiner Zelle vor seinem Peiniger, Gefängniswärter oder Henker hat. Es ist die Angst vor einer anderen Person, wessen Anwesenheit, einen Menschen schon in Furcht und Schrecken versetzt. Oder auch die Furcht, die ein Sklave vor seinem Sklaventreiber hat, der mit seiner Peitsche kommt um zu ihn quälen. Servile Furcht ist die unterwürfige Haltung eines Sklaven zu seinem bösartigen Besitzer.

Luther unterschied diese Furcht mit dem was er „filial“ Furcht nennt, er zog eine Verbindung zu dem  lateinischen Konzept der Familie. Damit ist die Furcht gemeint, die ein Sohn vor seinem Vater hat.

Somit hat Luther ein Kind im Sinn, welches enormen Respekt und Liebe für seine Eltern hat und um jeden Preis möchte, dass sie sich erfreuen. Dieses Kind hat Furcht oder Sorge darum, die zu kränken, die er am Liebsten hat, nicht, weil er Angst vor Folter oder einer Bestrafung hat, sondern, weil er Angst davor hat denen zu missfallen, die in seinem Leben, der Ursprung der Sicherheit und Liebe, sind.

Ich denke diese Differenzierung ist hilfreich, weil die grundlegende Bedeutung der Furcht Gottes, welche wir im 5. Buch Mose oder auch in den Büchern der Weisheit finden, sagen, „die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit“. Der Schwerpunkt ist die Ehrfurcht und der Respekt vor der Erhabenheit Gottes. Dieses Gespür fehlt jedoch heutzutage viel zu oft in Evangelikalen Kreisen. Wir gehen zu oberflächlich und lässig mit Gott um, als hätten wir eine lockere Beziehung zum Vater. Wir sind dazu eingeladen Ihn Abba, Vater zu nennen und eine persönliche Vertrautheit zu Ihm zu haben, so wie es uns versprochen ist. Trotzdem sollen wir nicht lässig mit Gott umgehen. Wir sollten immer eine wohlbehaltene und respektvolle Verehrung Ihm gegenüber haben.

Eines noch: Wenn wir Gott wirklich wohlbehalten Verehren, dann sollte uns immer noch im Klaren sein, dass Gott auch beängstigend sein kann. „Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Hebräer 10:31). Als Sündhafte Menschen haben wir allen Grund uns vor dem Gericht Gottes zu fürchten; es ist ein Teil unserer Motivation mit Gott versöhnt zu werden.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

 

Der erste Brief des Johannes, Aufbau und Hintergrund

Über Johannes

  • Johannes ist der jüngere Bruder es Jakobus (Apg 12:2)
    • Johannes und Jakobus werden auch „Donnersöhne“ genannt (Mk 3:17)
    • Sie werden auch „Söhne des Zebedäus genannt“ (Mt 10:2-4)
  • Johannes zählte zu den drei vertrautesten Weggefährten Jesu (Mt 17:1, 26:37)
    • Die anderen waren Petrus und Jakobus
  • Er war ein Augenzeuge an Jesu irdischen Dienst (1Joh 1-4)
  • Der Jünger lehnte sich am Passahmahl an Jesu Brust (Joh 21:20)
  • Johannes gibt sich im Johannesevangelium, welches er auch schrieb, als „Jünger, den Jesus liebte“ bekannt (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7,20)
  • Er schrieb neben den drei Johannesbriefen, das Johannesevangelium zusätzlich noch das Buch der Offenbarung (Offb 1:1)

Über diesen Brief

Abfassung und Adressat

  • Der Brief wurde eventuell an die Allgemeinheit geschrieben (Kein Adressat im Brief)
    • Könnte aber auch an die Gemeinden in Kleinasien gemeint sein, in welcher Johannes seine apostolische Leiterfunktion ausübte
  • Johannes gibt sich nicht persönlich zu erkennen
    • Die Autorität, mit der er schreibt, lässt erkennen, dass es Johannes war,
    • wie auch die Übereinstimmungen mit dem Johannesevangelium
      • Vokabular und Ausdrucksweise

Datierung

  • Die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts
    • Manche behaupten, dieser Brief wäre kurz nach dem Johannesevangelium geschrieben worden (auch die zweite Hälfte des 1.Jahrhunderts)
  • Nach Aussagen der frühen Gemeinde war er Autor war schon im fortgeschrittenen alter
    • Der Text unterstützt diese Aussage (1Joh 2:1,18,28)
  • Johannes bekämpfte die Irrlehre der Gnosis, die sich im frühen Stadium befand (Siehe mehr hier)
  • Es wird keine Verfolgung unter Domitian erwähnt (Römischer Kaiser von 86 – 91)
  • Die Datierung des Briefes könnte somit berechtigt, zwischen 90-95 n. Chr. sein

Hintergrund und Umfeld

  • Trotz des fortgeschrittenen Alters, war Johannes sehr aktiv im:
    • Gemeindedienst
    • Schriftlichen Dienst (Offenbarung, Evangelium)
    • „Evangelisieren“ – beaufsichtigte neu entstandene Gemeinden in Kleinasien
  • Johannes war der einzig verbleibende Apostel, welcher Augenzeuge des Wirkens, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu war.
  • Johannes bekämpfte in seinem Brief die Philosophie „Gnosis“ – gr. Erkenntnis
    • Sie war nach dem paulinischen Kampf für die Freiheit vom Gesetz die gefährlichste Irrlehre
    • Sie begleitete, bzw. wurde in den ersten drei Jahrhunderten von der Gemeinde bekämpft
    • Diese Irrlehre zielte darauf, die Grundlagen des Glaubens zu widerlegen
    • Beeinflusst wurde diese Irrlehre von Philosophen wie Plato
      • Er verbreitete den „Dualismus“ (Materie böse, Geist gut)
        • Dies leugnete das wahrhaftige Menschsein Christi
      • Diese Gnostiker beanspruchten ein höheres Wissen der Wahrheit, zusammen mit Mystischer Erkenntnis der Wahrheit, welche sogar höher als die Schriften anzusehen sind
      • Diese Irrlehre konnte man in zwei Sparten einordnen:
        • Doketismus – gr. Scheinen
          • Der Körper Jesu war nicht real, erscheint nur physisch, somit göttlich und nicht menschlich (1Joh 1:1-4; 4:2-3)
        • Irrlehrer „Kerinthos“
          • Er behauptete unter anderem, dass der Geist nur bei der Taufe auf Christus abstieg und vor der Kreuzigung verließ
        • Diese Irrlehren führten wiederum dazu, dass die Menschen dachten, dass die Sünde die ein Mensch begeht, nichts mit dem Geist zu tun hat und schlussendlich nicht zählt
          • Solch eine Lehre führte zu Zügellosen Moralverhalten bis hin zur Leugnung von Sünde (1Joh 1:8-10) und das verachten des Gesetzes Gottes (1Joh 3:4)
        • Typisch für die Irrlehrer war auch, dass sie extrem negativ auf die reagiert haben (Mangel an Liebe), die ihren Lügen nicht folgten und hielten sich von denen fern, die der apostolischen Lehre treu blieben, daraufhin antwortete Johannes, dass diese falschen Lehrer nie wirklich gerettet waren (1Joh 2:19)
        • Der Kampf gegen die Lüge war äußerst wichtig, da die Gemeinde sich in einem kritischen Zustand befand. Sie drohte von falschen Lehrern überschwemmt zu werden

Themen (Facette)

Zurück zu den Grundlagen des Glaubens – Hauptthema

Freude (1Joh 1:4), Heiligkeit (1Joh 2:1) und Gewissheit (5:13) – Unterthemen

  • Charakter des Christentums, ganz schlicht
  • Der Brief hat einen warmen, vertrauten und liebevollen Ton
    • Ein Pastoraler Brief aus dem Herzen eines Gemeindeleiters (besorgt um seine gläubigen)
  • Es war der Wunsch Johannes, dass sie sich über ihre Sicherheit des Glaubens freuen konnten und sich nicht von anderen beirren lassen (1Joh 1:4)
  • Gegenüber den Irrlehren hat Johannes kein Erbarmen, er beschreibt sie als: „falsche Propheten“ (1Joh 4:1), Antichristen (1Joh 2:18) bis hin zu dämonisch (1Joh 4:1-7)

„Die ständige Wiederholung von drei Unterthemen stützt das Hauptthema über die Treue zu den grundlegenden Dingen des Christentums: Freude (1,4), Heiligkeit (2,1) und Gewissheit (5,13). Durch die Treue zu den Grundlagen werden seine Leser diese drei Dinge beständig in ihrem Leben erfahren. Diese drei Faktoren veranschaulichen auch den wichtigsten Zyklus wahrer Geistlichkeit: der richtige Glaube an Jesus bewirkt Gehorsam gegenüber seinen Geboten; aus dem Gehorsam ergibt sich die Liebe zu Gott und den Mitgläubigen (z.B. 3,23,24). Wenn diese drei Dinge (gesunder Glaube, Gehorsam, Liebe) zusammen wirken, führen sie zu Freude, Heiligkeit und Glaubenssicherheit. Sie bilden den Beweis, den entscheidenden Test für einen wirklichen Christen.“
Aus der John MacArthur Studienbibel, Seite 1887

 

Martin Luther: Vorrede auf das Alte Testament

DAS ALTE TESTAMENT HALTEN ETLICHE GERING / als eines, das dem Jüdischen Volk allein gegeben und nun ganz vorbei sei und nur von vergangenen Geschichten schreibe / Meinen sie haben genug am Neuen Testament und geben vor, nichts als geistlichen Sinn im Alten Testament zu suchen.

Wie es auch Origenes Hieronymus und viele hohe Leute mehr gehalten haben. Aber Christus spricht Joh. V., forschet in der Schrift denn dieselbige gibt Zeugnis von mir. Und S.Paulus gebietet Timotheo er solle anhalten mit lesen der Schrift. Und weist Röm. I. darauf hin wie das Evangelium von Gott / in der Schrift verheißen sei. Und I. Kor. XV. sagt er Christus sei entsprechend der Schrift von Davids Geblüte / gekommen gestorben und vom Tod auferstanden. So weist uns auch S. Petrus mehr als einmal zurück in die Schrift.

Womit sie uns also lehren die Schrift des Alten Testaments nicht zu verachten / sondern mit allem Fleiß zu lesen / weil sie selbst das Neue Testament so mächtiglich gründen und belegen durchs Alte Testament und sich drauf berufen. Wie auch S. Lucas Act. XVII. schreibt, daß die zu Thessalonich täglich die Schrift erforschten, ob sich’s so verhielte wie Paulus lehrte. So wenig nun des Neuen Testaments Grund und Lehre zu verachten ist so teuer ist auch das Alte Testament zu achten. Und was ist das Neue Testament anderes als eine öffentliche Predigt und Verkündigung von Christo / durch die Sprüche im Alten Testament gesetzt und durch Christum erfüllet.

Daß aber diejenigen, die es nicht besser wissen, eine Anleitung und Unterricht haben / nützlich darin zu lesen, habe ich diese Vorrede nach meinem Vermögen so viel mir Gott gegeben, gestellt. Bitte und warne aufrichtig einen jeglichen frommen Christen, daß er sich nicht stoße an der einfältigen Rede und Geschicht so ihm oft begegnen wird. Sondern zweifle nicht dran / wie schlecht es immer sich ansehen läßt / es seien nur Worte, Werke, Gericht und Geschichte der hohen göttlichen Majestät / Macht und Weisheit. Denn dies ist die Schrift die alle Weisen und Klugen zu Narren macht und allein den Kleinen und Geringen offen steht, wie Christus sagt Matth. XI. / Darum laß dein Dünkel und Gefühl fahren und halte von dieser Schrift, als von dem allerhöchsten, edelsten Heiligtum / als von der allerreichsten Fundgrube die nie mehr genug ergründet werden mag. Auf daß du die Göttliche Weisheit finden mögest, welche Gott hier so schlicht und einfach vorlegt, daß er allen Hochmut dämpfe. Hier wirst du die Windeln und die Krippe finden darin Christus liegt / Dahin auch der Engel die Hirten weist. Schlechte und geringe Windeln sind es / Aber teuer ist der Schatz Christus der drinnen liegt.

SO WISSE NUN, DASS DIES BUCH EIN GESETZBUCH IST, das da lehrt was man tun und lassen soll. Und daneben anzeigt Exempel und Geschichte wie solche Gesetze gehalten oder übertreten sind. Gleich wie das Neue Testament ein Evangelium oder Gnadenbuch ist und lehrt wo man’s nehmen soll, daß das Gesetz erfüllt werde. Aber gleich wie im Neuen Testament neben der Gnadenlehre auch viele andere Lehren gegeben werden, die da Gesetz und Gebot sind das Fleisch zu regieren, sintemal in diesem Leben der Geist nicht vollkommen wird, noch allein Gnade regieren kann. Also sind auch im Alten Testament neben den Gesetzen etliche Verheißung und Gnadensprüche, womit die heiligen Väter und Propheten unter dem Gesetz im Glauben Christi, wie wir, erhalten sind. Doch wie des Neuen Testaments eigentliche Hauptlehre ist Gnade und Friede durch Vergebung der Sünden in Christo verkündigen / Also ist des Alten Testaments eigentliche Hauptlehre Gesetze lehren und Sünde anzeigen und Gutes fordern. Solches wisse im Alten Testament zu erwarten.

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Jonathan Edwards: Sünder in den Händen eines zornigen Gottes

Kurzbiographie:

Jonathan Edwards (1703-1758) ist einer der einflußreichsten Theologen Amerikas und eine wichtige Person der Erweckungsbewegung des „First Great Awakening“ (1740-1760). Der Puritaner hielt wie die anderen auch an die Reformierte Theologie. Er kam zu der Erkenntnis eines absolut souveränen Gottes nachdem er als 18-Jähriger über 1. Timotheus 1:17 nachsinnte, dies spiegelt sich auch in seinen Predigten und Büchern wieder. Seine bekannteste Predigt bzw. die bedeutenste Predigt auf amerikanischen Boden „Sünder in den Händen eines Zornigen Gottes“ wurde 1741 in Enfield abgehalten.

Seine Technik beim vortragen der Predigten war sehr unspektakulär, er laß sie in einem gleichmäsigen aber überzeugten Ton vor und mied dabei zu schreien oder sonstige theatralische handlungen.


Die ganze Predigt gibt es hier.

„Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.“
5. Mose 32,35

Nichts kann die unbekehrten Menschen in irgendeinem Augenblick vor der Hölle bewahren als allein der Wille Gottes. Damit meine ich jenen souveränen, erhabenen Willen, der durch keine Verpflichtung und durch keine Schwierigkeiten, überhaupt durch nichts gehindert oder zurückgehalten wird als durch sich selbst; nichts anderes ist nur im geringsten und in jeder Hinsicht an der Bewahrung der Unbekehrten in einem bestimmten Augenblick beteiligt. Die Wahrheit dieser Behauptungen wird sich auf Grund der folgenden Überlegungen erweisen:

1. Es fehlt Gott nicht an der Macht, die unbekehrten Menschen in einem beliebigen Moment in die Hölle zu stoßen. Die Kraft der Menschenhände ist dahin, wenn sich Gott erhebt. Die stärksten Menschen können ihm nicht widerstehen, und niemand kann aus seiner Hand befreien. Gott kann nicht nur die unbekehrten Menschen in die Hölle stürzen; es fällt ihm das dazu noch sehr leicht. Manchmal hat ein Fürst dieser Erde die größte Schwierigkeit, einen Aufrührer zu unterwerfen, wenn es diesem gelungen ist, sich mit einem großem Anhang und damit mit einer gewissen Macht in einer Festung zu halten. Anders bei Gott – keine Festung bietet den geringsten Schutz gegen Seine Macht. Mögen sich die Feinde Gottes die Hände reichen, mögen sie sich in großer Zahl verbünden und einander beistehen – sie werden im Nu zu Scherben zerbrochen. Sie gleichen einem Haufen leichter Spreu vor einem Wirbelwind oder einer Menge dürrer Stoppeln vor einem verzehrenden Feuer. Es erscheint uns leicht, einen Wurm zu zertreten, der am Boden dahin kriecht, oder einen Faden zu durchschneiden oder entzwei zu brennen, an welchem etwas aufgehängt ist; ebenso leicht fällt es Gott, seine Feinde in die Hölle zu werfen, wenn es ihm beliebt. Wer sind wir denn eigentlich, dass wir glauben, wir könnten vor Ihm stehen, vor dessen Schelten die Erde erzittert, vor dem die Felsen fallen?

2. Die Gottlosen verdienen es auch, in die Hölle geworfen zu werden; die Gerechtigkeit Gottes steht dem keineswegs im Wege; sie erhebt durchaus keinen Einspruch, wenn Gott seine Macht gebraucht, um Sünder in irgendeinem Augenblick zu verderben. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit ruft laut nach einer schonungslosen Bestrafung ihrer Sünden Die göttliche Gerechtigkeit sagt von dem Baum, der Früchte wie diejenigen Sodoms hervorbringt:„Haue ihn ab! Warum hindert er das Land?“ (Lk 13,7) Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit wird jeden Moment über ihren Häuptern geschwungen, und nur Gottes souveräne Gnade und sein erhabener Wille halten es noch vor dem vernichtenden Schlag zurück.

3. Das Gerichtsurteil, die Verdammnis zur Hölle, ist schon gefällt. Die Sünder haben es nicht nur verdient, dorthin zu gelangen; gegen sie steht der Rechtsspruch im Gesetz Gottes, jene ewige und unumstößliche Rechtsordnung, die Gott zwischen sich und der Menschheit aufgestellt hat; schon deshalb sind die Sünder jetzt schon für die Hölle bestimmt. Joh 3,18: „Wer nicht glaubt, der ist schon verdammt.“ Demnach gehört jeder unbekehrte Mensch jetzt schon der Hölle; dort ist sein Platz; von dorther stammt er ja. Joh 8,23: „Ihr seid von unten!“ Und dorthin ist er schon unterwegs nach dem Ort, den die Gerechtigkeit, das Wort Gottes und das Urteil eines unveränderlichen Gesetzes ihm zuweisen.

4. Auf den Unbekehrten lastet jetzt schon derselbe Zorn Gottes, der sich dereinst in den Höllenqualen auswirken wird. Wenn sie nicht im nächsten Moment zur Hölle fahren, so liegt es nicht daran, dass Gott, in dessen Macht sie ja fortwährend stehen, nicht jetzt schon gegen sie erzürnt wäre – ebenso sehr wie gegen so viele unglückliche Geschöpfe, die jetzt in der Hölle gequält werden und dort den grimmigen Zorn Gottes erfahren und tragen müssen. Ja, Gott zürnt den vielen noch mehr, die jetzt noch auf der Erde sind, ohne Zweifel sogar etlichen, die jetzt vielleicht diese Predigt lesen und sich dennoch behaglich fühlen. Wenn Gott Seine Hand noch zurückhält und sie noch nicht dahinrafft, so liegt es nicht daran, dass Er nicht an ihre Gottlosigkeit dächte und sich nicht darüber entrüsten würde. Gott ist kein Wesen wie sie selbst, obschon sie sich vielleicht einbilden, er sei es. Gottes Zorn ist gegen sie entbrannt; ihre Verdammnis schlummert nicht. Der Abgrund ist zu ihrem Empfang bereit; das Feuer brennt schon und der Ofen ist glühend heiß; die Flammen wüten. Das glitzernde Schwert ist geschliffen und gezückt und der Abgrund unter ihnen sperrt sein Maul weit auf.

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Zitate der Puritaner

John Bunyan:

  • Der Mann, welcher der Welt zuliebe Religion annimmt, wird sie wiederum für die Welt aufgeben.
  • Gebet ist ein bewusstes, inniges und liebevolles Ausgießen der Seele zu Gott, durch Christus, mit der Kraft und Unterstützung des Heiligen Geistes, für die Dinge, die Gott versprochen hat.
  • Wenn du betest, dann lass dein Herz lieber ohne Worte sein, als deine Worte ohne Herz.

Steven Charnock:

  • Oftmals lernen wir mehr über Gott unter einer Rute, die uns schlägt, als unter einem Stab, der uns beruhigt.
  • Wenn wir im Sinn haben, uns selbst lieber zu beglücken, als Gott geehrt zu sehen, dann erniedrigen wir Gott. Als würde Gott seine Ehre unter unser Vergnügen setzen; wenn wir so handeln, dann verherrlichen wir uns selbst, und erhöhen uns über Gott. Dann wäre es so, als wäre Gott für uns geschaffen und nicht wir für Ihn. Wer so glaubt, der würdigt die Majestät Gottes nicht.

Thomas Goodwin:

  • Oh, verachte die Auserwählung nicht! In ihr liegt die einzige Hoffnung, dass ein Mensch unfehlbar gerettet ist.
  • Ehre Gott und seine Liebe mehr als alles in der Welt, denn obwohl es Millionen  gibt, hat er dich vor Anbeginn der Zeit wertgeschätzt. Er hat dich nicht nur ewiglich geliebt (wobei deine Liebe erst seit gestern ist), er dich vor allen Welten schon geliebt und das obwohl du die Welt zuvor Liebtest.

John Owen:

  • Der Mensch der leichtfertig mit Sünde umgeht, hat noch nie groß von Gott gedacht.
  • Hätten wir keinen absoluten Maßstab, welcher von Gott offenbart wurde, dann wären wir ohne ein Ruder, in einem Meer, mit unstimmigen Ideen über „Manieren“, „Gerechtigkeit, „richtig und falsch“, ausgehend von eigensinnigen und rechthaberischen Menschen.
  • Das Fundament wahrer Heiligkeit und wahrer  Anbetung ist die Lehre des Evangeliums. Wenn aber die christliche Lehre beiseite-gestellt, verlassen oder verunreinigt wird, dann legen wir wahre Anbetung und Heiligkeit beiseite und verunreinigen sie.
  • Sünde peilt immer das Abscheulichste an. Wann immer sie versucht jemanden zu verführen oder zu locken; und würde sich dabei durchsetzen können, dann würde sie eine unermessliche Gestalt gewinnen. Jeder unreine Gedanke oder Blick wäre Ehebruch, jeder Zweifel an Gott wäre Atheismus – hätte er die Erlaubnis sich zu entfalten. Es ist wie ein Grab welches nie genug bekommt. Die Arglist der Sünde offenbart sich darin, dass sie anfangs bescheidene Angebote macht, doch sobald sie  Raum gewinnt, dann verhärtet sie unsere Herzen.

Thomas Adams:

  • Kein Mensch liebt Gott mehr als er „Angst“ hat, ihn zu beschämen.
  • Der Mensch der stolz auf ein Wissen ist, geht in die falsche Richtung.
  • Unsere Gedanken bei unserem Vergnügen,
    unser Herz, wo unser Schatz ist,
    unsere Liebe, wo unser Leben ist,
    aber all diese Dinge: Vergnügen, Schätze und unser Leben – ruhen in Jesus Christus.

Thomas Watson:

  • Es ist absurd zu glauben, dass irgendetwas in uns den kleinsten Einfluss auf die Erwählung haben könnte. Manche Menschen sagen, „Gott hat die Menschen vorhergesehen, welche glauben würden, daher hat Er sie erwählt“; somit ruht die Errettung auf etwas in UNS. Wobei Gott uns nicht wegen dem Glauben auswählt, sondern zum Glauben. Er hat uns ausgewählt um uns zu heiligen und nicht weil wir heilig gewesen wären. Wir wurden zur Kühnheit gewählt, nicht wegen ihr.
  • Welch Toren sind die, die wegen eines Tropfens an vergnügen – einen See des Zorns trinken.
  • Gott hat uns zwei Ohren und nur eine Zunge gegeben, damit wir schnell zum Hören sind, und langsam zum Reden. Gott hat außerdem einen doppelten Zaun vor die Zunge gestellt, die Zähne und Lippen, um uns zu lehren, dass wir behutsam mit ihr umgehen, damit wir nicht mit unserer Zunge in Sünde fallen.

Übersetzung: TheologiaDE.blog

Martin Luther: Vorrede zum Römerbrief

Diese Epistel ist das eigentliche Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium. Sie ist es wohl würdig und wert, daß sie ein Christenmensch nicht nur von Wort zu Wort auswendig wisse, sondern daß er auch täglich damit als mit täglichem Brot der Seele umgehe. Denn sie kann nimmer zu viel und zu gründlich gelesen oder betrachtet werden. Je mehr sie behandelt wird, um so köstlicher wird sie und schmeckt sie. Darum will ich auch meinen Dienst dazu tun und will durch diese Vorrede, so viel mir Gott verliehen hat, eine Einleitung dazu geben, damit sie von jedermann umso besser verstanden werde. Denn sie ist bisher mit Deutungen und mancherlei Geschwätz böse verfinstert worden, während sie doch an sich ein helles Licht ist und vollkommen genügt, um die ganze Schrift zu erleuchten.
Zuerst nun müssen wir der Sprache kundig werden und wissen, was St. Paulus mit den Worten: Gesetz, Sünde, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Fleisch u. dergleichen meint. Sonst nützt kein Lesen darin.

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Das Wort wurde Fleisch

Das Bekenntnis von Ligonier zum Thema Christologie (Theologische Lehre von Christus) in Deutsch:

Wir bekennen das Geheimnis und das Wunder,
dass Gott Fleisch wurde
und freuen uns über unser großes Heil
durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Mit dem Vater und dem Heiligen Geist
schuf der Sohn alle Dinge,
erhält er alle Dinge,
und macht alle Dinge neu.
Er ist wahrer Gott
und wurde ein wahrer Mensch,
zwei Naturen in einer Person.

Er wurde von der Jungfrau Maria geboren
und lebte unter uns.
Gekreuzigt, gestorben und begraben,
stand er am dritten Tag vom Tod auf,
fuhr in den Himmel auf
und wird wiederkommen
in Herrlichkeit und zum Gericht.

Für uns
hielt er das Gesetz,
sühnte für die Sünde
und besänftigte Gottes Zorn.
Er nahm unsere schmutzigen Kleider
und gab uns
das Gewand seiner Gerechtigkeit.

Er ist unser Prophet, Priester und König,
er baut seine Gemeinde,
er tritt für uns ein
und herrscht über alle Dinge.

Jesus Christus ist Herr;
wir preisen seinen heiligen Namen für immer.

Amen.

Mehr Informationen dazu

Johannes Calvin; Die Gottheit des „Wortes“ und Die Gottheit Christi erweist sich in seinen Werken

Die Gottheit des „Wortes“

Wenn nun die Schrift vom „Worte“ Gottes redet, so wäre das gewiß ganz widersinnig, wenn dieses „Wort“ bloß ein flüchtiger, leerer Laut wäre, der in die Luft ausgesandt würde und nun außer Gott selber seinen Lauf nähme. Von dieser Art waren die Offenbarungssprüche, die den Vätern zuteil wurden, und alle Prophetien. Nein, das „Wort“ bezeichnet die Weisheit, die bei Gott wohnt und aus der alle Offenbarungssprüche und Prophetien stammen. Denn nach dem Zeugnis des Petrus (1. Petr. 1,11) haben die alten Propheten nicht weniger aus dem Geiste Christi heraus geredet als die Apostel und diejenigen, die nach ihnen die himm­lische Lehre verwalteten. Da aber dazumal Christus noch gar nicht ans Licht getreten war, so ergibt sich notwendig, daß das „Wort“ von Ewigkeit her vom Vater geboren ist. Und wenn der Geist, dessen Werkzeuge die Propheten waren, der Geist des Wortes war, so ist daraus unzweifelhaft zu schließen, daß dieses Wort wahrer Gott war. Das lehrt auch Mose in der Schöpfungsgeschichte völlig klar: denn da stellt er fest, daß das Wort Mittel der Schöpfung war. Weshalb sollte er anders immer wieder berichtet haben, daß Gott bei der Schöpfung der einzelnen Werke sprach: „Es werde …“, wenn er nicht zeigen wollte, daß Gottes unausforschliche Herrlichkeit in seinem Bilde erstrahlte? Vorwitzige Schwätzer behaupten hier natürlich gleich, „Wort“ hieße soviel wie Befehl oder Auftrag. Aber die Apostel sind doch bessere Ausleger, und sie verkünden, daß durch den Sohn die Welt geschaffen worden sei und daß er alles trage mit seinem mächtigen Wort (Hebr. 1,2). Hier sehen wir also, daß „Wort“ den Wink und Befehl des Sohnes bedeutet, der selbst das ewige und wesentliche Wort des Vaters ist. Verständige und bescheidene Leute finden auch den Ausspruch des Salomo nicht dunkel, in dem er zeigt, wie die Weisheit von Gott in Ewigkeit geboren und bei der Schöpfung aller Dinge wie auch in allen Werken Gottes waltet (Jesus Sirach 24,14). Es wäre töricht und lästerlich, nur einen vorübergehenden Wink Gottes anzunehmen; denn Gott wollte damals seinen festen und ewigen Ratschluß, ja noch Verborgeneres offenbaren. Darauf bezieht sich auch das Wort Christi: „Mein Vater und ich wirken bis auf diesen Tag“ (Joh. 5,17; nicht Luthertext). Denn da zeigt er, daß er selbst seit Anbeginn der Welt mit dem Vater zusammen kräftig am Werke gewesen ist, und macht so deutlicher, was Mose kürzer angedeutet hatte. Gott hat also — so müssen wir folgern — so geredet, daß das Wort seinen Anteil am Werke hatte und auf diese Weise das Wirken beiden gemeinsam war. Bei weitem am klarsten stellt das Johannes fest, wenn er das Wort, das im Anfang als Gott bei Gott war, zugleich mit dem Vater als Ursprung aller Dinge uns vorstellt (Joh. 1,3). Denn so mißt er dem Worte ein festes und bleibendes Wesen bei, schreibt ihm aber auch etwas ihm Eigentümliches zu und zeigt dann auch mit größter Durchsichtigkeit, wieso denn Gott in seinem Reden der Schöpfer der Welt gewesen ist. Wie also alle von Gott ausgegangenen Offenbarungen mit Recht die Ehrenbezeichnung „Gottes Wort“ tragen, so muß auch dieses aus Gottes Wesen kommende Wort selber den höchsten Platz erhalten, nämlich denjenigen des Quells aller Offen­barung, weil es, keinem Wechsel unterworfen, immerfort als ein und dasselbe bei Gott bleibt und selbst Gott ist!

Die Gottheit Christi erweist sich in seinen Werken

Wenn wir nun auch aus Christi Werken, wie sie ihm in der Schrift zuge­schrieben werden, seine Gottheit kennenlernen, dann wird sie uns noch deutlicher ent­gegenleuchten. Als er sagte, er wirke seit Anbeginn und bis hierher mit dem Vater (Joh. 5,17), da begriffen die Juden, die gegen alle seine anderen Worte völlig stumpf waren, doch, daß er sich hier göttliche Kraft zuschrieb. Und deshalb suchten sie ihn, wie Johannes berichtet, nur desto mehr zu töten, weil er nicht nur den Sabbat gebrochen hatte, sondern Gott für seinen Vater erklärte und sich so Gott gleichmachte (Joh. 5,18). Wie groß müßte doch unsere Verblendung sein, wenn wir hier nicht die Behauptung seiner Gottheit herausmerken wollten! Es ist doch wahrhaftig allein das Werk des Schöpfers, mit Vorsehung und Kraft die Welt zu regieren und mit seinem Willen alles zu leiten — und das schreibt der Apostel ihm zu! (Hebr. 1,3). Aber er teilt nicht bloß das Werk der Weltregierung mit dem Vater, sondern auch andere einzelne Wirksamkeiten, an denen kein Geschöpf Anteil haben kann. Der Herr ruft durch den Propheten aus: „Ich, ich tilge deine Missetaten um meinetwillen (Jes. 43,25). Als die Juden diesem Spruch gemäß meinten, es geschähe Gottesläste­rung dadurch, daß Jesus Sünden vergab — da nahm er diese Vollmacht nicht nur ausdrücklich für sich in Anspruch, sondern bekräftigte sie auch mit einem Wunder (Matth. 9,6). So sehen wir, daß nicht nur das Amt, sondern die (freie) Voll­macht der Sündenvergebung bei ihm lag — während sich doch der Herr weigert, sie an jemand anders zu übertragen! Ist es nicht einzig und allein Gottes Macht, die verschwiegenen Gedanken des Herzens zu erkunden und zu durchschauen? Aber auch diese Macht besaß Christus (Matth. 9,4), woraus wiederum seine Gottheit her­vorgeht.

Von Johannes Calvin: Unterricht in der Christlichen Religion (Institutio Christianae religionis)
Übersetzt von Otto Weber