Martin Luther: Menschwerdung Christi

Eine Predigt von Martin Luther über die Fleischwerdung Jesu und damit resultierende Demut und Dankbarkeit.

Ein kurzer Auszug:

Warum malt doch der Evangelist diese Geburt so arm und elend? Darum, daß du daran denken und es nimmermehr vergessen sollst, und es dir durch Dein Herz gehen lassen, und besonders, weil du hier hörst, es ist alles deinetwegen geschehen, daß du darüber fröhlich und Gott auch dankbar dafür bist. Es ist eine weite Reise von Nazaret aus Galiläa nach Bethlehem, ja, soweit als aus Sachsen nach Bayern, wenn nicht noch weiter. Da ist es doch wohl zu denken, daß sie auch nicht viel Hausrat mitgeführt oder getragen haben. So werden die Windeln oder was sonst zu solchem Handel gehört, auch nicht besonders schön gewesen sein, daß sie das Kind vielleicht nur mit ihrem Hemd eingewickelt und ihm die Krippe gelegt hat. Denn sie hat es nicht immer im Schoß halten können, und sich an den Kleidern und Leib der Mutter wärmen, sondern das liebe Kind musste sich mit Stroh und Heu und einer Krippe behelfen. Josef hat auch das Beste tun müssen, und es wird wohl so gewesen sein, daß eine Magd dem Hause mit Wasser holen und anderen ihnen gedient habe, wie es in der Not üblich ist. Aber solches ist hier nicht geschrieben. Darum ist es zu vermuten, obwohl jedermann wusste, daß ein junges Weib im Kuhstall gelegen, sich doch niemand ihrer angenommen hat.

Das ist das erste Stück von der Geschichte, welche uns darum so vorgeschrieben ist, daß wir das Bild lernen sollen und in unser Herz fassen, wie unser lieber Herr Jesus Christus so elendiglich in dieser Welt geboren ist, auf das wir lernen Gott für solche große Wohltat zu danken und zu loben, daß wir armen, elenden, ja auch verdammten Menschen heut zu so großen Ehren gekommen, daß wir ein Fleisch und Blut mit dem Sohn Gottes geworden sind. Denn eben der ewige Sohn des ewigen Vaters, durch welchen Himmel und Erde aus nichts erschaffen ist, der ist, wie wir hören, Mensch geworden und auf diese Welt geboren wie wir, ohne daß es mit ihm ohne alle Sünde zugegangen ist. Deswegen mögen wir rühmen, daß Gott unser Bruder, ja, unser Fleisch und Blut geworden sei. Diese große Ehre ist nicht den Engeln, sondern uns Menschen widerfahren. Deswegen obwohl die Engel eine herrlichere Kreatur sind denn wir, so hat doch Gott uns mehr und höher geehrt und sich näher zu uns getan, denn zu den Engeln, weil er nicht ein Engel, sondern ein Mensch geworden ist. Wenn nun wir Menschen solches recht bedenken und von Herzen glauben könnten, so sollte gewisslich solche unaussprechliche Gnade und Wohltat unseres lieben Herrn Gottes eine hohe große Freude machen, und uns treiben, daß wir Gott von Herzen dafür dankten, ihn liebten und gern uns nach seinem Willen halten würden.

Adam und Eva sind nicht geboren, sondern geschaffen. Denn Adam hat Gott aus der Erde gemacht; das Weib aber aus seiner Rippe. Wieviel aber ist Christus uns näher, denn die Eva ihrem Mann Adam, besonders weil er unser Fleisch und Blut ist? Solche Ehre sollten wir hochachten, und wohl in unsere Herzen bilden, daß der Sohn Gottes ist Fleisch geworden, und gar kein Unterschied zwischen seinem und unserem Fleisch ist, nur das sein Fleisch ohne Sünde ist. Denn er ist von dem Heiligen Geist empfangen, und Gott hat die Seele und den Leib der Jungfrau Maria voll Heiligen Geistes gegossen, daß sie ohne alle Sünde gewesen ist, als sie den Herrn Jesus empfangen und getragen hat. Außer denselben ist alles natürlich an ihm gewesen, wie an anderen Menschen: daß er gegessen, getrunken, ihn gehungert, gedürstet, gefroren hat, wie andere Menschen. Solche und dergleichen natürliche Gebrechen, welche der Sünden wegen auf uns geerbt sind, hat er, der ohne Sünde war, getragen und gehabt, wie wir, wie Paulus sagt: Er sei erfunden in allem ein Mensch wie wir, der gegessen, getrunken, fröhlich und traurig gewesen ist.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Über den Sabbat und die Demut

Eine Predigt von Martin Luther über die Heiligung des Sonntags, dem christlichen Wandel und der Demut.

Ein kurzer Auszug:

Darauf geht der schöne Spruch des Propheten Hosea Kapitel 6,6.: “ der Herr hat Lust an der Liebe mehr, denn am Opfer, und an Erkenntnis Gottes mehr, denn am Brandopfer „. Was heißt Gott erkennen? Anderes nicht, denn Gottes Wort hören. Ursache, ohne daß Wort wird niemand von Gott etwas wissen. Wenn aber das Wort kommt und spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich meinen Sohn gesandt und für dich in den Tod gegeben habe, der ich dich habe angenommen: durch solches Wort lernen wir Gott erkennen, daß er gnädig und barmherzig ist; welches die Vernunft nicht von sich selbst wissen noch lernen kann. Aus diesem aber folgt, weil man durch das Wort zur Erkenntnis Gottes kommt, daß es heiße, Gott dienen und den Sabbat recht heiligen, wenn man Gottes Wort hört, und nach dem Wort Gottes lebt und tut. Solches lassen die heillosen Heuchler, die Pharisäer, anstehen: sie hören Gottes Wort nicht, tun auch nicht danach; wollen dennoch den Namen haben, sie brechen den Sabbat nicht.

Deswegen soll bei uns Christen alle Tage Sabbat sein. Denn wir sollen alle Tage Gottes Wort hören und unser Leben danach ausrichten. Gleichwohl ist der Sonntag für das gemeine Volk geordnet, daß jedermann am selben Tag besonders Gottes Wort hören und lernen soll und danach leben. Denn die anderen sechs Tage muß der gemeine Mann seiner Arbeit warten, und erwerben, davon er lebe. Das will Gott gern geschehen lassen; denn er hat die Arbeit geboten. Aber den siebten Tag will er geheiligt haben, daß man daran nicht soll arbeiten, auf das jedermann ungehindert sei, sich in Gottes Wort und Werken zu üben, und zu tun, nicht was das zeitliche betrifft, sondern was Gott in seinem Wort fordert und haben will.

Wiederum, Hoffärtigen Leuten kann niemand hold sein. Sobald Vater und Mutter an einem Kinde oder Gesinde den Ungehorsam und Stolz merken (denn diese zwei Unarten sind häufig bei einander), daß sie sagen: Muss ich doch nicht tun, was du mich heißt; da hebt es sich, daß Vater und Mutter denken, wie sie ihnen den Stolz brechen und sie demütigen, oder zum Haus hinaus stoßen. Weltliche Obrigkeit tut es auch so. Wer stolzieren und nicht Gehorsam sein will, den lehrt sie es mit dem Stricke oder Schwertes durch Meister Hansen.

Wie kommt es nun, daß den Stolz niemand leiden kann? Anders nicht, denn daß es Gott haben will, und sein Wort der steht und sagt: Er wolle getrost dazu helfen, daß die gedemütigt werden, so stolz und hoffärtig sind. Wie man sieht in allen Ständen: was reich, gelehrt, vernünftig, schön, stark, mächtig und gewaltig ist, sobald sie in die Hoffart geraten und sich nicht haben willig heruntergegeben, hat sie Gott gestürzt, daß sie haben fallen müssen. Denn so steht geschrieben: Gott selbst legt sich gegen die Hoffärtigen. Der nun einen solchen schweren Feind auf sich ladet, den er nicht tragen kann, der muß fallen, und hilft ihn keine Macht noch Stärke.

Also ging es mit Saul: der war seinem Vater Gehorsam, hütete der Esel und hielt sich für den geringsten in Benjamin. Zu solchem Eseltreiber schickt Gott den Propheten Samuel und salbt ihn zum König. Denn weil er demütig und nicht hoffärtig war, setzte Gott zu ihm alle Gnade und Barmherzigkeit. Was geschah aber? Da Saul König war, schwoll ihm das Herz, daß er Stolz ward und fragte nach unserm Herrn Gott und seinem Wort nichts. Darum, gleich wie ihn Gott zuvor erhoben hatte, also stürzt er ihn danach wieder herunter, daß er sich aus Verzweiflung selbst erstach, und sein Geschlecht ausgerottet ward.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Anfechtungen

Eine Predigt von Martin Luther über geistliche Anfechtungen und das Vertrauen auf das offenbarte Wort Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Darum ist dies Beispiel Christi wohl zu bedenken, daß er nicht von sich selbst ist in die Wüste gelaufen, sondern der Heilige Geist hat es ihm geheißen; auf das wir dergleichen auch tun, und nichts aus eigener Andacht vornehmen; sondern in allem, daß wir tun, rühmen und sagen können: Es geschehe im Gehorsam und Befehl des Wortes. Diese Lehre habt ihr oft gehört, daß man besonders danach sehen soll, daß man gewiss sei, Gott habe es befohlen, und außer seinem Wort nichts anfangen.

Wer vor solcher Anfechtung sich bewahren will, der lerne hier von Christus, daß ein Mensch zweierlei Brot habe, das vom Himmel kommt, ist das Wort Gottes. Das andere und geringere ist das zeitliche Brot, daß aus der Erde wächst. Wenn ich nun das erste und beste Himmel-Brot habe, und lasse mich davon nicht bringen, so soll das zeitliche Brot auch nicht fehlen noch außen bleiben: es müßten eher die Steine zu Brot werden. Die anderen aber, die das himmlische Brot fahren lassen, und nehmen sich allein um das zeitliche an: wenn sie den Bauch voll haben, legen sie sich hin und sterben. Sie können das Gut nicht total fressen, sondern müssen es hinter sich lassen und dort ewig Hungers sterben. Es soll aber nicht so sein. Darum ob dich der Teufel anficht durch Verfolgung, Mangel, Hunger und Kummer: leide es und faste mit Christus, weil doch der Geist dich so treibt, und laßt das Vertrauen auf Gottes Gnade nicht fallen. So werden bald die lieben Engel kommen und deine Tischdiener werden; wie der Evangelist hier am Ende von Christus sagt.

Das ist auch eine nötige und nützliche Lehre, daß es heißt Gott versuchen, wo jemand von dem ordentlichen Befehl abtreten, und ohne Gottes Wort etwas Neues und Besonderes anfangen will. Wie Mönche und Nonnen tun, die fahren aus eigener Andacht, nehmen sich ein besonderes Leben vor; sagen danach, Christus hat es befohlen, da er sagt: “ Verlasse alles, und folge mir nach „. Das ist nicht allein Vernunft, sondern auch Schrift. Aber hier siehst du, daß der Teufel auch die Schrift führen kann um damit die Leute zu betrügen. Aber den Mangel hat es, daß er die Schrift nicht ganz führt, sondern nimmt nur so viel, als ihm zu seiner Sache dient; was ihm nicht dient, daß lässt er aus und schweigt still davon.

Da sieht man, wie der Teufel mit dieser Anfechtung so gewaltig ist. Wir aber sollen dem Teufel unter die Augen treten, und ihm sagen, wie Christus sagt: Teufel, heb dich von mir weg, es steht geschrieben: “ Du sollst Gott deinem Herrn, allein dienen „, das ist, allein auf Gottes Wort sehen und demselben folgen, und außerhalb desselben keinen Gottesdienst anrichten. Auf diese drei Anfechtungen müssen wir gewappnet sein, weil wir leben. Sollen darum hier lernen, wie wir uns mit Gottes Wort dagegen schützen, daß wir auf der Mittelstraße gehen; und uns darum nicht den Glauben nehmen lassen, daß wir Stein und nicht Brot haben, wenn uns hungerte, noch im Glauben vermessen werden, oder endlich um Geldes um Guts willen vom rechten Gottesdienst abfallen; sondern zugleich im Glauben und in der Furcht Gottes beständig bleiben. Unser lieber Herr Christus, der diese Anfechtung und zu gut selbst überwunden hat, der gebe uns auch Stärke, daß wir es durch ihn überwinden und selig werden mögen, Amen.

Die ganze Predigt:

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Martin Luther: Warnung vor Irrlehren

Eine Predigt von Martin Luther über das Wort Gottes, die Wachsamkeit und dem Fliehen von Irrlehren.

Ein kurzer Auszug:

Der Herr will, daß wir nur am Wort halten und von denselben uns nicht sollen abführen lassen. Was aber dem Wort entgegen ist, daß sollen wir hassen und fliehen, als den Teufel selbst. Darum soll niemand sicher sein, noch schlafen. Denn es wird nicht fehlen (wie zuvor gesagt), wo das Wort recht und fein ist, da bleiben die Wölfe nicht außen, sondern kommen gewiß. Wie man den sieht, erstlich in der Kirche, danach auch in weltlichem Regiment und Haushalten. Allenthalben mischt sich der Wolf ein, ob er uns von Wort reißen und Schaden tun könnte. Die christliche Kirche hat das rechte, reine Wort Gottes; dabei kann der Teufel sie nicht bleiben lassen, führt allerlei Schwärmer herrein, die von der Taufe, vom Abendmahl Christi, von Christus selbst etwas Neues uns Sonderliches bringen, die Leute dadurch Irre machen und verführen. Und wo sich solche Schwärmer finden, haben wir, als heillose, vorwitzige Leute, die Unart an uns, sobald wir etwas Neues hören, daß wir sofort darauf fallen, fallen vom Wort, und gaffen solchen Rotten und Schwärmern auch noch nach.

Aber weil wir so unfleißig daß Wort hören, und ledige Herzen behalten, die sich nicht an das Wort halten, daher kommt es, daß der Teufel solche ledigen Herzen findet, und sie in grobe und schlimme Irrtümer führt. Davor will uns der Herr gerne warnen, daß wir nicht solche leichtfertigen Herzen behalten, sondern bedächten, wie wir Gottes Wort ja wohl und fest fassen könnten. Denn er schickt uns nicht unter die Engel, sondern unter die Wölfe; da heißt es gut aufpassen. Wer nun hier der Sache will gewiß sein und nicht irren, der halte sich, spricht Christus, an mein Wort. Das ist das rechte Licht, daß ich euch angezündet habe, und der Harnisch, damit ihr euch gegen des Teufels Stiche halten könnt, und euch fein wehren, wenn er auch gleich den Schafskleidern zu euch kommen wird.

Um dieser Gefahr wegen, daß wir nicht auch vom Teufel verführt werden, warnt uns der Herr hier und sagt: “ Sehet euch vor „. Als wollte er sagen: Werdet ihr verführt, so ist die Schuld nicht meine, sondern euer. Ursache, ich habe euch mein Wort rein und lauter gegeben, daß soll euer Hut und Licht sein, daß euch vorleuchte. Schaut nur ihr darauf, und laßt dieses Licht nicht aus den Augen, sondern haltet euch fest daran. Höret ihr jemand dagegenreden, daß mit meinem Wort nicht stimmt, so sprecht: Ich höre nicht; hier ist mein Licht, daß leuchtet mir anders.

Wie er bald dem Anfang im Paradies mit Adam und Eva bewiesen, und sie mit allen ihren Nachkommen in Sünde, Tod und Zorn Gottes geworfen hat. Aus solchen Jammer hat uns unser barmherziger Gott und Vater im Himmel durch seinen Sohn geholfen, daß wir von Sünden und Tod sind selig geworden. Darum schleicht der Feind uns wieder nach, ob er aus solcher Gnade uns rücken und in den alten Unfall bringen könnte. Da müssen wir uns wohl vorsehen, und treu am Wort halten, sonst sind wir verloren.

Das ist die erste Regel, daß wir uns durch die Schafwolle nicht sollen betrügen lassen. Denn wenn auch die Worte gut, daß Amt recht, daß äußerliche Leben ohne Ärgernis, und daneben große, sonderliche, und nicht schlechte Gaben sind; dennoch kann man verführt und betrogen werden: das unter dem guten Wort ein schädliches Gift, unter dem rechten Amt ein gefährlicher Mißbrauch, unter dem guten Leben ein Betrug, und unter den großen Gaben ein falsches Herz verborgen liegen. Darum, sobald du das Schafskleid siehst, so denke: Hier ist es nicht sicher; denn Christus selbst warnte, daß auch die Wölfe Schafskleider anziehen und sich darunter verbergen. Darum muß ich den Schafspelz aufdecken und darunter sehen. Wie geschieht nun das?

Die ganze Predigt:

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Steven Walton: Liebe

Ich lade euch nun ein, mit mir zusammen, die Bibel im 20. Kapitel des 2. Buches Mose aufzuschlagen. Wir lesen zusammen die Verse 1-17, um einen Überblick der Zehn Gebote zu bekommen. Achtet genau auf dieses Wort, denn dies sind die Worte Gottes:

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Martin Luther: Im Glauben schauen

Eine Predigt von Martin Luther über den Glauben – das Erfassen der Umstände aus der Perspektive Gottes.

Ein kurzer Auszug:

Es ist aber eine wunderliche Rede, die der Herr hier tut, wenn wir es nur recht bedenken wollten. Er bekennt, es sei eine Kraft von ihm ausgegangen. Wie nun das Weiblein da vor dem Herrn steht, und bekennt die Wohltat, die er ihr erzeigt hat, lässt sich der Herr nicht merken, daß solche Kraft von ihm ausgegangen sei; sondern schreibt es dem Glauben dieser Frau zu, so doch nicht sie selbst, sondern der Herr ihr geholfen hatte. Solches tut der Herr darum, uns damit anzuzeigen, was für eine große Lust er daran habe, wenn du alles Gute und Hilfe bei ihm suchst. Als wollte er sagen: sehet zu und lernet nur getrost glauben, es sei die Not gleich groß wie sie ist; denn ich will euch viel lieber helfen, denn ihr es erhoffen könnt. Ich will viel lieber vom Tod erlösen, denn ihr das Leben habt. Wie er es hier mit dem Werk beweiset, da es so leicht zugeht, und er die Kraft so gern von sich gehen lässt.

Darum lerne du aus dem heutigen Evangelium dies, daß der Tod gegen den Herrn Christum nichts anderes ist, denn ein Schlaf; wie wir hier sehen, daß er das gestorbene Mägdelein mit der Hand aufweckt, als aus einem Schlaf. Das Weiblein hat ihre Krankheit, und hat sie doch nicht, da sie zu Christus kommt. Und die Krankheit ist dem Herrn Christus keine Krankheit. Wie das andere Beispiel mit den Weiblein zeigt, welches sehr krank war; aber sobald sie zu Christus kommt und sein Kleid anrühret, muss die Krankheit weichen.

In der Summe, daß alles geht dahin, daß wir unsere Not nicht ansehen sollen nach der Vernunft, mit fleischlichen Augen, sondern mit Christenaugen. Das sind solcher Augen, wenn sie in den Tod, Sünde und Hölle sehen, können sie gewiss sagen: Ich sehe keinen Tod, ich fühle keine Sünde, ich bin nicht verdammt; sondern wie sehe durch Christum lauter Heiligkeit, Leben und Seligkeit. Also, wenn ich arm bin, fühle ich keine Armut, ich denke, ich habe alles genug; denn ich habe Christus, der mir alle Stunden geben kann, was sich bedarf, ob ich‘s gleich nicht habe.

Wer solche Augen hätte, der möchte sich rühmen, er hätte Christenaugen, der würde weit anders die Sache ansehen, wenn eine teure Zeit oder die Zeit des Sterbens, als die Welt zu tun pflegt. In der Teuerung sieht jedermann, was er im Keller und auf dem Boden habe; danach er da findet, danach steht ihm der Sinn. Findet er viel, so ist der fröhlich; findet er wenig, so ist der betrübt und will verzweifeln. Also in solch einer Zeit: wer da fliehen kann, der fliehe, und denkt, er wolle an einem anderen Ort sicher sein. Aber ein Christ, der einen festen Glauben an Christum hat, würde so denken: Wenn ich denn, wo es möglich wäre, gleich tausend Mal die Pest an meinem Leibe hätte, will ich mich darum nicht zu Tode fürchten; denn ich habe Christus. Ist es sein Wille, so soll mir die Pest wenig schaden, als ein Floh unter meinem Arm; der frisst und sticht wohl ein wenig, er kann mir aber das Leben nicht nehmen. Und ist gewiss, wer ein solchen Herz könnte fassen, der würde sicher bleiben ohne Furcht guter Dinge sein. Aber weil wir nicht glauben und solche geistlichen Augen nicht haben, kommt es, daß wir uns so fürchten und verzagen, und in so närrische Gedanken geraten, als könnten wir dem Zorn Gottes über zehn oder zwanzig Meilen entfliehen.

Die ganze Predigt:

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H. F. Kohlbrügge: Suchet was droben ist!

Eine Predigt von Hermann Friedrich Kohlbrügge über das neue Leben in Christus.
Das ist der erste Teil der Predigt über Kolosser 3:1-14, Teil zwei gibt es hier.

Ein kurzer Auszug:

Da muß man denn zum Licht, zur Klarheit kommen, nicht allein um es zu verstehen, sondern auf daß man Ruhe im Herzen habe, und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, auf daß man das Wort stehen lasse, sich darunter beuge und bleibe bei dem Gebete, welches wir so eben mit einander gesungen haben:

„Denke nicht mehr meiner Sünde;
Ach, entbinde
Mich vielmehr von ihrer Wut!
Laß Dein ewiges Erbarmen
Mich umarmen
In dem teuren Lammesblut!“

Da klammert man sich denn fest an Christum, wahrhaftig von ganzem Herzen, und hat nichts anderes mehr, es ist sonst alles verloren; in Ihm allein ist Sicherheit, in Ihm allein Errettung.

. Aus diesem großen Tode hat Christus euch herausgezogen; Er hat euch, so tot wie ihr waret, in Sich aufgenommen; Er hat euren Tod verschlungen durch Seinen Tod, und als Er auferweckt wurde, seid ihr mit Ihm auferstanden. Das ist nun der Praxis nach offenbar geworden, als ihr glaubtet, d. i., als ihr bekehrt wurdet, als ihr aus eurem Tode ins Leben hinüber gegangen seid. Da war diese eure Auferstehung vom Tode eine Auferstehung mit Christo, und in Christo habt ihr eure Auferstehung zu suchen, – nicht in eurer Bekehrung, sondern in der Auferstehung Jesu Christi. Dieser Auferstehung seid ihr in eurer Bekehrung teilhaftig geworden. So seid ihr denn also aus eurem Tode hinweg und lebet mit Christo. Nun suchet, was droben ist! Ihr dürfet suchen euer täglich Brot, ihr dürfet trachten, daß ihr das bekommt, wozu ihr Menschen als Menschen geschaffen seid, daß ein jeder mit Gott und Ehren sich durch dieses Leben schlage, – aber die Wirksamkeit eurer Seele, die wahre Wirksamkeit der Seele sei: daß sie suche, was droben ist. Was ist denn droben? Christus! Wer ist denn das? Das ist der andere Adam, welcher Adams Schuld, worin du lagest, völlig bezahlt hat. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes, indem Er Sieger ist furchtbar großer Heere; Er hat alles überwunden für euch.

Wenn die Kolosser aus sich selbst gesucht hätten, was droben ist, so hätte der Apostel nicht nötig gehabt, in dieser Weise an sie zu schreiben. Aber eben den Kolossern, obschon er sie nennt „Heilige und gläubige Brüder in Christo“, obschon er zu ihnen mit der Predigt kommt: „Ihr seid mit Christo auferstanden“, – hält er es vor: „Ihr suchet, was hienieden ist; ihr trachtet nach dem, was hienieden ist, aber trachtet doch nach dem, was droben ist“. Ist es denn so was Liebliches, zwischen Gräbern zu wandeln unter Totengebein?

Der Apostel gibt weiter die Ursache an, warum er das sagt, indem er fortfährt: „Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott“; das ist: „Ihr seid tot für die Dinge, welche hienieden sind, nicht durch euer Verdienst oder durch mystische Gedanken, nein, wirklich vor Gott. Er, Christus, hat euch so tot dafür gemacht, daß ihr nichts mehr damit tun könnt, wie ein Jüngling nicht mehr spielen kann mit seinen Kindersachen; das geht nicht mehr. So lange ich ein Weltkind bin, so lange ich blind bin, so lange kann ich Freude haben an Unkeuschheit, an Ungeduld, an Unfreundlichkeit; bin ich aber durch Gottes Gnade arretiert worden, so hat die Gnade mich tot gemacht, so daß ich lauter Verdruß habe an Unglaube, Ungeduld, Unkeuschheit, Unfreundlichkeit, und gestachelt werde, um mich so zu benehmen, daß ich die Früchte genieße in dem herrlichen Garten und mit dem Bräutigam die edlen balsamischen Düfte einatme der Lilien und Granatäpfel. Ihr seid gestorben, und euer Leben, das ist alles droben in Christo bei dem Vater, in Seinem Schrank. Dort steckt euer Leben.

Die ganze Predigt:

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