Sinclair Ferguson: Wie Sünde abgetötet wird

Die Nachwirkung eines Gesprächs kann die Weise ändern, wie wir über dessen Wichtigkeit denken.

Mein Freund – ein jüngerer Pastor – saß am Ende einer Konferenz mit mir zusammen am Tisch und sagte: „Bevor wir heute auseinandergehen, erkläre mir doch nacheinander die notwendigen Schritte, um einem Menschen zu helfen, die Sünde abzutöten.“ Wir sprachen eine Weile darüber und gingen anschließend ins Bett. Hoffentlich fühlte er sich durch dieses Gespräch ebenso gesegnet wie ich. Noch immer frage ich mich, ob er seine Frage als Pastor stellte oder einfach für sich selbst – oder beides.

Wie würdest du diese Frage am ehesten beantworten? Das erste was zu tun ist: Schlag die Bibel auf. Ja, schlag John Owen auf (immer eine gute Idee!), oder einen anderen Ratgeber, sei er tot oder lebendig. Aber vergiss nicht, wir wurden in diesem Bereich nicht nur mit guten menschlichen Quellen alleingelassen. Es ist notwendig aus dem „Mund Gottes“ unterwiesen zu werden. Damit die Grundsätze, welche wir anzuwenden lernen, sowohl die Autorität Gottes als auch die Versprechen Gottes beinhalten, um sie funktionstüchtig zu machen.

Mir kommen einige Passen zum Studieren in den Sinn: Römer 8:13; Römer 13,8-14 (der Text von Augustinus); 2. Korinther 6,14-7,1; Epheser 4,17-5,21; Kolosser 3,1-17; 1 Petrus 4,1-11; 1 Johannes 2,28-3,11. Bemerkenswerterweise kommt das Verb „töten“ („abtöten“) nur zweimal in diesen Passagen vor. Ebenso bedeutend ist, dass es in jeder Passage um mehr geht als nur dieser einen Ermahnung, die Sünde zu töten. Diese Beobachtung erweist sich, wie wir später sehen werden, als enorm wichtig.

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Michael Horton: Reformierte Theologie Vs. Hyper-Calvinismus

Ehe der durchschnittliche Gläubige lernt, was reformierte Theologie (z.B. Calvinismus) eigentlich ist, lernt er normalerweise zuerst, was es nicht ist. Es ist oft so, dass Kritiker die reformierte Theologie nicht nach ihren Lehren definiert, sondern nachdem, was sie denken, wäre die logische Schlussfolgerung. Noch tragischer ist aber, dass einige Hyper-Calvinisten dem gleichen Kurs folgten. So oder so, der „Calvinismus“ wird am Ende von einer Extreme dargestellt, die er selbst nicht als Biblisch anerkennt. Die Vorwürfe gegen die reformierte Theologie, wofür der Hyper-Calvinismus schuldig ist, empfingen eine deutliche Antwort von der internationalen Dordrechter Synode (1618-1619) und dem Westminster Bekenntnis.

Ist Gott der Autor der Sünde?

Der Gott Israels ist der Fels; vollkommen ist sein Tun; ja, alle seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist er“ (5. Mose 32.4-5, Schlachter 2000). In der Tat, Jakobus hatte reale Menschen im Sinn als er verwarnte, „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott ist unangefochten vom Bösen; er selbst versucht aber auch niemand. (Jakobus 1:13, Schlachter 1951). Sünde und Bosheit haben ihren Ursprung nicht in Gott oder der Schöpfung, jedoch im eigenhändigen Willen und Handeln von Geschöpfen.

Die Schrift liefert uns hierzu ein paar Leitplanken: Auf der einen Seite wirkt Gott „alles nach dem Ratschluss seines Willens“ (Eph. 1:11); auf der anderen, übt Gott nicht – vielmehr, kann nicht – böses ausüben. Wir sehen diese zwei Leitplanken des Öfteren flüchtig in einigen Abschnitten, am deutlichsten aber in 1. Mose 45 und Apostelgeschichte 2. Beim Ersteren erkennt Josef, dass obwohl der Vorsatz seiner Brüder, ihn als Sklave zu verkaufen, böse war, Gott es gut gemeint hat, damit viele Menschen während der Hungersnot gerettet werden (Verse 4-8). In dem gleichen Atemzug lesen wir in Apg. 2:23, dass „gesetzlose Menschen“ für die Kreuzigung verantwortlich sind, und doch wurde Jesus „nach Gottes festgesetztem Rat und Vorherwissen dahingegeben …“. Die Herausforderung hier liegt darin, das zu bejahen was die Schrift lehrt und nicht weiter zu spekulieren. Wir wissen zwar von der Schrift das beides wahr ist, jedoch nicht wie das sein kann. Die vielleicht prägnanteste Aussage zu diesem Argument ist im Westminster Bekenntnis zu finden (Kapitel 3:1): „Gott hat von aller Ewigkeit her nach dem vollkommen weisen und heiligen Ratschluss seines eigenen Willens uneingeschränkt frei und unveränderlich alles angeordnet, was auch immer geschieht;“ – dort ist die erste Leitplanke – doch so, dass Gott dadurch weder Urheber der Sünde ist noch dem Willen der Geschöpfe Gewalt angetan, noch die Freiheit oder Möglichkeit der Zweitursachen aufgehoben, sondern vielmehr in Kraft gesetzt werden.“1 und hiermit die zweite Leitplanke. Der gleiche Punkt wird auch im niederländischen Glaubensbekenntnis gemacht (Artikel 13) und fügt hinzu, „über alles aber, was er tut, dass die menschliche Fassungskraft übersteigt, wollen wir nicht neugierig und über unsere Fassungskraft nachforschen.“2

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Sinclair Ferguson: Ist Christologie von Bedeutung?

„Wir lehren alle einstimmig, einen und denselben Sohn zu bekennen, unseren Herrn Jesus Christus. Derselbe ist vollkommen in Gottheit und Menschlichkeit; wahrhaftig Gott und wahrhaftig Mensch … Erkannt in zwei Naturen, unvermischt, unverändert, unsichtbar, untrennbar … die Eigenschaften jeder Natur bewahrend.“

So schrieben es die Kirchenväter in der Definition von Chalcedon in 451 n.Chr nieder. Aber auch wenn sie alle „einstimmig“ lehrten. Die Lehre hört sich so komplex an. Ist es überhaupt von Bedeutung?

Angesichts der Opfer die sie brachten um Christus korrekt darzustellen kann man sich vorstellen wie sie bei einem Gruppen-Bibelstudium zu Philipper 2:5-11 sagen würden, „Von dem was wir gehört haben ist es noch nie von größerer Bedeutung gewesen.“

Stell dir mal eine Diskussion zu dieser Bibelstelle vor „der, als er in der Gestalt Gottes war … entäußerte sich selbst“ (Phil. 2:6-7). Einer sagt: „Es bedeutet Jesus wurde für eine Zeit Mensch und kehrte anschließend wieder zurück Gott zu sein“. „Nein,“ sagt ein anderer „Er hat sich nur Seiner göttlichen Eigenschaften entäußert und nahm sie anschließend wieder auf“. „Sicherlich,“ sagt ein anderer (ohne eine Pause zu machen um an die Werke von Mose, Eliah oder Apostel zu denken) „Er vermischte Menschlichkeit mit Seiner Gottheit – ist dies denn nicht wie Er in der Lage war Wunder zu wirken?“

Solange wir glauben, dass Jesus rettet und anderen davon erzählen, macht es dann wirklich etwas aus ob diese Sichtweisen falsch oder gar häretisch sind? Schließlich ist es am wichtigsten das Evangelium verkünden.

Da ist der Knackpunkt – Jesus Christus selbst ist das Evangelium. Wie die losen Fäden einer Tapisserie – zieh an irgendeiner dieser Sichtweisen, und das ganze Evangelium löst sich auf. Wenn unser Christus, dem wir vertrauen und verkünden, nicht qualifiziert ist uns zu retten, dann haben wir einen falschen Christus.

Nimm dir einen Moment Zeit über die oben genannten Beschreibungen nachzudenken. Würde Er an irgendeinem Punkt aufhören Gott zu sein, dann würde das Weltall zusammenbrechen – denn Er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft (Heb. 1:3). Wäre Er eine Vermischung von Menschlichkeit und Gottheit, dann wäre Er nicht wahrhaftig oder vollkommen Mensch und somit nicht mehr einer von uns. Er wäre damit nicht mehr in der Lage unser Stellvertreter und Repräsentant zu sein. Er könnte weder Sünder retten noch Heiligen beistehen. Aus diesem Grund legt das Buch der Hebräer sein Augenmerk darauf, dass Christus, gleich wie wir, menschlich ist, jedoch ohne Sünde. Ohne Vermischung oder Durcheinander.

Die meisten von uns sind Pedanten bei Dingen die wir Lieben, lass es Wissenschaft, Informatik, Sport, Handel oder das Familienleben sein. Sollten wir also gleichgültig sein, wenn wir über unseren Herrn und Retter nachsinnen und sprechen?

Aus diesem Grund betonten die Kirchenväter und später die Westminster Synode, dass Gottes Sohn in Ewigkeit „von einem Wesen und gleich mit dem Vater ist“ und doch, in der Verkörperung „nahm, als die Fülle der Zeit gekommen war, menschliche Natur an sich mit all deren wesentlichen Eigenschaften und allgemeinen Schwachheiten, jedoch ohne jede Sünde.“ … „So sind die beiden ganzen, vollständigen und verschiedenartigen Naturen – die Gottheit und die Menschheit – untrennbar in einer Person vereinigt, ohne Verwandlung, Zusammensetzung oder Vermischung“ (WB 8.2).

Dieses Bekenntnis ist so beeindruckend, weil es das Geheimnis der Verkörperung wahrt und gleichzeitig die Realität erklärt. Die zwei Naturen sind nicht ineinander vereint, jedoch in einer Person. Somit handelte Er, in allem was Er tat, seiner Gottheit entsprechend oder seiner Menschlichkeit. Eine göttliche Person mit der Kraft beider Naturen in ihrer eigenen, ordnungsgemäßen Sphäre.

Dies unterstreicht den Wert der kirchlichen Glaubensbekenntnisse. Sie wurden von Menschen geschrieben die inniger über Dinge nachdachten und oftmals schmerzhafter zu Leiden hatten als wir. Aus einer leidenschaftlichen Liebe zu Christus und seinen Leuten sprachen sie, besorgt um eine verlorene Welt. Ihr Zeugnis hilft uns in drei Punkten:

  1. Es schützt unser Nachsinnen indem Grenzen gesetzt werden.
  2. Es unterrichtet uns indem biblische Wahrheiten in kürzester Form wiedergegeben werden.
  3. Es verbindet uns, damit überall in der Welt Christen das gleiche, klare Bekenntnis von Christus und seinem Werk teilen.

Ist es überhaupt von Bedeutung? Im Lichte der Opfer die unsere Vorväter darbrachten um die Erhabenheit der Person Chrisi zu artikulieren, unserem Retter und wie Er sein muss um uns zu retten, du kannst darauf wetten, dass es von Bedeutung ist.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Anthony Carter: Unser Prophet, Priester und König

Wie kraftvoll die Sünde auch sein mag, das Blut Christi ist kraftvoller. In Christus wurden die Ketten der Gefangenschaft zerbrochen und das Licht seiner Gnade scheint auf dem Weg der Freiheit. Doch wie hat er uns befreit? Christus hat unsere Freiheit gesichert indem er durch sein Blutvergießen als göttlich-eingesetzter munus triplex handelte, das dreifache Amt des Propheten, Priesters und Königs. Aus diesem Grund wird er „treuer Zeuge“ (als Prophet); „der Erstgeborene von den Toten“ (als Priester); und „Fürst über die Könige der Erde“ (als König) in Offenbarung 1:5 genannt. Im dreifachen Amt Christi wird uns die Freiheit der Sünde erteilt.

Als Prophet verkündete Jesus das Ende all unserer Sünden. Im Alten Testament war ein Prophet das Mundstück Gottes, der zu dem Volk redete. Tatsächlich leitete ein Prophet die Worte Gottes folgendermaßen ein, „So spricht der Herr“. Als Mundstück Gottes sprach ein Prophet zu dem Volk anklagende Worte ihrer Sünde wegen (Jes. 1:4) und rief das Volk zur Buße (v. 18). Ein Prophet verkündigte die Vergebung und Begnadigung Gottes (Jes. 4:1-2). Jesus, der endgültige und vollkommen-ausreichende Prophet tat all dies für uns. Er kam nicht nur die Worte Gottes zu verkünden; Er ist das Wort Gottes selbst (Joh. 1:1). Er kam der Sünde wegen in die Welt (Matt. 1:21). Er proklamierte unsere Notwendigkeit der Buße und Glauben an Ihn (Mk. 1:15). Und Er verkündigte unsere Begnadigung und Vergebung der Sünden (Kol. 1:14).

Als Priester gab Jesus sich selbst hin, das Opfer all unserer Sünden. Im Alten Testament war der Hohepriester der Mittler zwischen den sündigen Menschen und Gott. Als Mittler trat der Hohepriester in das Heiligtum um Gott, stellvertretend für das Volk, einmal im Jahr am Tag der Versöhnung ein Opfer zu bringen (3.Mose 16:34). Er besprengte den Sühnedeckel mit dem Blut des Opfers „wegen der Unreinigkeiten der Kinder Israel und wegen ihrer Übertretungen und aller ihrer Sünden“ (3.Mose 16:16). Das tat er ein Jahr nach dem anderen. Christus, unser Mittler und Hohepriester,  brachte nicht nur das Opfer dar (ein für alle Mal), Er war das Opfer selbst. Wie der Hohepriester einst, so trat Christus in das Heiligtum, doch anders als der Hohepriester, ging Er hinein um sich selbst hinzugeben. Er musste nur einmal eintreten, Er besprengte den Sühnedeckel mit seinem eigenen Blut. Wie uns der Schreiber des Hebräerbriefs mitteilt:

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R. C. Sproul: Wie kann eine Person ein göttliches und menschliches Wesen zur gleichen Zeit haben, so wie wir es von Jesus Christus glauben?

Eines der größten Probleme in christlich-evangelikalen Kreisen ist der Mangel an Wissen über die Person Christi. Wann immer ich im Fernsehen etwas Christliches anschaue, sehe ich wie unverfroren eine der fundamentalsten Bekenntnisse des Christlichen Glaubens schlichtweg, wissend oder unwissend, verneint wird. Natürlich liegt es teils auch daran, dass es schwer zu verstehen ist wie ein Mensch zwei Naturen besitzen kann. Du fragst mich „Wie?“, ich weiß nicht wie; Ich weiß nur, dass Jesus eine Person ist, mit zwei Naturen. Aber wie kann das sein? Vor langer Zeit, als es noch keine menschliche Natur gab, existierte die zweite Person der Dreieinigkeit. Die zweite Person der Dreieinigkeit, wahrer Gott vom wahren Gott, Gott selbst, nahm die menschliche Natur auf sich. Keine Menschenseele wäre in der Lage sich selbst Gottheit zuzufügen. Es ist nicht so als hätte Christus von Gottheit zu Menschheit gewechselt. Das ist jedoch was ich andauernd zu hören bekomme. Ich höre, wie Gott plötzlich aufgehört hat Gott zu sein und ein Mensch wurde. Das ist nicht was die Bibel uns lehrt, sondern, die Göttliche Person nahm die menschliche Natur an. Wir können nicht wirklich verstehen wie dieses Geheimnis stattfand. Es ist jedoch erdenklich, dass Gott, in seiner Kraft, sich die menschliche Natur anfügt, auf die Art und Weise, beide Naturen in einer Person zu vereinen. Das wichtigste Konzil der Kirche zu diesem Thema, das Konzil von Chalcedon, wessen Bekenntnis Jahrhunderte lang als Zeichen der Christlichen-Orthodoxie galt, wird von Lutheranern, Presbyterianern, Methodisten, Römisch-Katholiken, Baptisten –  von nahezu jeder Abzweigung des Christentums anerkannt. Dieses Konzil wurde im Jahre 451 abgehalten, die Kirche bekannte sich im Glauben zu Christus folgendermaßen: Sie sagten sie glaubten das Jesus, verus homus, verus Deus – ist, wahrhaftig Mensch, wahrhaftig Gott. Dann gingen sie einen Schritt weiter und zogen eine Grenze, eine Grenze die uns weist, den richtigen Bezug zwischen diesen zwei Naturen zu ziehen. Sie sagten diese zwei Naturen sind in perfekter Harmonie, ohne Vermischung, Teilung, Verwechslung, oder Trennung. Wenn wir über die Verkörperung Jesu nachsinnen, möchten wir diese zwei Naturen nicht durcheinanderbringen. Wir sollten nicht auf die Idee kommen und denken, Jesus hatte eine göttlich-menschliche Natur, oder eine menschlich-göttliche Natur. Wir können sie unterscheiden, aber nicht auseinanderreißen, da sie in perfekter Harmonie existieren.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog

R. C. Sproul: Wie Sündhaft ist der Mensch?

Stelle dir einen Kreis vor. Dieser Kreis repräsentiert den Charakter des Menschen. Jedes Mal, wenn ein Mensch Sündigt taucht ein Fleck – eine Art moralischer Schandfleck – in diesem Kreis auf, welcher den Charakter des Menschen ruiniert. Sobald weitere Sünden erfolgen tauchen mehr Schandflecken in diesem Kreis auf. Wenn Sünden sich also weiterhin vermehren, dann wird der Kreis irgendwann vollständig mit Flecken und Makel gefüllt sein. Ist es wirklich schon so weit? Der menschliche Charakter ist offensichtlich mit Sünde befleckt, es geht in dieser Diskussion jedoch um das Ausmaß dieser Beschmutzung. Die Römisch-Katholische Kirche behauptet, dass der Charakter des Menschen nicht vollständig beschmutzt ist und eine kleine Insel an Rechtschaffenheit besitzt. Die protestantischen Reformatoren aus dem 16. Jahrhundert dagegen, bekräftigten die lückenlose Verschmutzung und Verderbtheit des Menschen, welche uns vollkommen korrupt darstellt.

Es gibt einen Haufen an Missverständnissen zu diesem Bekenntnis der Reformatoren. Der Begriff „totale Verderbtheit“, wird in der klassischen, reformierten Theologie verwendet, um die Zwangslage des Menschen zu beschreiben. Menschen tendieren bei der Erwähnung dieses Wortes zusammenzuzucken, weil es eine weiterverbreitete Verwechslung zwischen dem Konzept der totalen Verderbtheit und dem Konzept der äußersten Verderbtheit gibt. Äußerste Verderbtheit würde bedeuten, dass der Mensch so Böse ist, so korrupt, wie er nur sein kann. Ich denke nicht, dass es einen Menschen gibt, der aufs äußerste Verdorben ist, dies ist aber nur wegen der Gnade Gottes und der Kraft seiner allgemeinen Gnade so. So viele Sünden wie wir auch Individuell begangen haben, wir hätten schlimmer sein können. Wir hätten öfters Sündigen können. Wir hätten Sünden begehen können die noch abscheulicher sind. Wir hätten auch eine größere Anzahl an Sünden begehen können. Totale Verderbtheit bedeutet nun nicht, dass der Mensch so schlecht ist, wie man es sich nur vorstellen kann.

Wenn die protestantischen Reformatoren nun von totaler Verderbtheit sprachen, meinten sie, dass die Sünde – ihre Kraft, ihr Einfluss, ihr Trieb – den ganzen Menschen beeinflusst. Unser Körper ist gefallen, unser Herz ist gefallen, unser Verstand ist gefallen – es gibt nichts an uns das die Verwüstung der Sünde entfliehen könnte. Sünde beeinflusst unser Verhalten, unser Gedankenleben, sogar unsere Unterhaltungen. Die ganze Person ist gefallen. Dies ist das wahre Ausmaß unserer Sündhaftigkeit, wenn bei dem Standard und der Norm von Gottes Perfektion und Heiligkeit verurteilt.

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R. C. Sproul: Wie können wir die Tatsachen vereinen, dass Gott Souverän ist und uns Menschen einen freien Willen gab?

Ich sehe nicht wie es zu einem Problem zwischen der Souveränität Gottes und dem freien Willen des Menschen kommen könnte, solange wir das biblische Konzept der Freiheit verstehen. Schauen wir uns den Menschen an. Wir Menschen haben die Fähigkeit freie Entscheidungen zu treffen, unsere Entscheidungen sind jedoch in unserer Freiheit begrenzt. Wir sind nicht völlig frei. Bedenke, Gott sprach zu Adam und Eva, „Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens.“ Und fügte eine Einschränkung hinzu „aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon isst, mußt du unbedingt sterben!“ Nun, Gott ist ein Wesen das freie Entscheidungen treffen kann; und ich auch, bin auch ein Wesen mit der Fähigkeit freie Entscheidungen zu treffen. Der Unterschied ist aber, ich bin nicht Souverän. Gott ist Souverän. Gott hat mehr Autorität als ich. Gott hat das Recht, die Autorität und die Kraft alles zu tun was Ihm Gefällt. Ich habe die Kraft, die Fähigkeit und die Freiheit all die Dinge zu tun, zu denen ich in der Lage bin, doch meine Freiheit kann niemals die Autorität Gottes außer Kraft setzen. Meine Freiheit wird immer durch die höhere Freiheit Gottes eingeschränkt. Ein Widerspruch wäre, Gottes Souveränität und die menschliche Autonomie. Autonomie bedeutet, ich kann tun und lassen was ich will ohne mir Gedanken über das Gericht von oben zu scheren. Offensichtlich sind diese zwei Dinge nicht vereinbar, wir glauben auch nicht das der Mensch autonom ist. Wir glauben der Mensch ist frei, aber nur begrenzt und diese Grenze wird von der Souveränität Gottes festgelegt. Ein simples Beispiel: In meinem Haus habe ich mehr Freiheit als mein Sohn. Wir beide haben Freiheiten, doch ich habe mehr.

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Steven Lawson: Gottes Zorn verkündigen

Der Reformator Johannes Calvin sagte einmal, „Predigen ist die öffentliche Auslegung der Schrift durch Männer die von Gott gesandt sind, worin Gott selbst anwesend in Gericht und Gnade ist.“ Treuer Dienst an der Kanzel verlangt es beides, das Gericht und die Gnade zu verkünden. Das Wort Gottes ist scharf, ein zweischneidiges Schwert, es erweicht und härtet, tröstet und betrübt, rettet und verdammt.

Die Verkündung von Gottes Zorn dient als samtweicher, schwarzer Hintergrund, welches den Diamanten von Gottes Gnade noch heller scheinen lässt als zehntausend Sonnen. Der heilige Zorn ist eine dunkle Leinwand, die den Glanz seiner errettenden Gnade vollkommen zum Ausdruck bringt. Das Predigen von Gottes Zorn zeigt uns auf hervorragende Weise wie Barmherzig und Gütig Er gegenüber Sünder ist.

Wie Trompeter stehend auf einer Burgmauer vor Bedrohungen warnt, so müssen Prediger den ganzen Ratschluss Gottes verkünden. Wer an der Kanzel steht, muss die ganze Wahrheit in den Schriften verkünden, was beides, den souveränen Zorn und die großartige Liebe beinhaltet. Sie können sich nicht rauspicken was sie predigen möchten. Der Zorn Gottes muss angesprochen werden, es ist nicht optional – es ist ein göttlicher Auftrag.

Tragischerweise fehlt heutzutage in zu vielen Kanzeln die Verkündigung von Gottes bevorstehenden Zorn. Prediger rechtfertigen den Zorn Gottes oder verlieren nicht mal ein Wort darüber. Sie behaupten, um die Liebe Gottes zu verstärken, müssen wir seinen Zorn verharmlosen. Doch wenn wir den Zorn Gottes weglassen, vernebeln wir nur seine erstaunliche Liebe. Auf eigenartige Weise ist es unbarmherzig die heilige Vergeltung zurückzuhalten.

Wieso ist es notwendig den heiligen Zorn zu verkünden? Erstens: Die Heiligkeit Gottes verlangt es. Ein wesentlicher Teil Seiner moralischen Vollkommenheit ist Sein Hass der Sünde. A. W. Pink behauptet, „Der Zorn Gottes ist seine Heiligkeit, die durch praktizieren der Sünde (der Menschen), aufgeheizt wurde.“ Gott ist ein „verzehrendes Feuer“ (Heb. 12:29), Er ist „täglich Zornig“ auf Gottlose (Ps 7:11-12) Gott „hasst Gottlosigkeit“ (Ps 45:7-8) und zürnt mit allen, die seinem perfekten Wesen widersprechen. Somit wird Er alle Sünder am Tag des Gerichts „vertilgen“ (Ps 5:7).

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R. C. Sproul: Wenn Türme einstürzen

Sobald es zu einer Katastrophe in unserer Welt kommt, können wir mit dieser Frage rechnen: „Wo war Gott?“. Die Menschheit scheint sich immer zu fragen wieso ein guter Gott so etwas Schlimmes zulassen könne.

Die gleiche Frage wurde auch zu Zeiten Jesu gefragt und zwar im Lukasevangelium:

Es waren aber zur selben Zeit etliche eingetroffen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen! Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen! (Lukas 13:1-5, Schlachter 2000)

Einige Leute stellen Jesus eine Frage über eine gewisse Gräueltat, die Pontius Pilatus tat, der Römische Gouverneur von Judäa. Es ging, so wie es scheint, um Menschen die während des Gottesdienstes, von Pilatus‘ Soldaten massakriert wurden. Die Fragesteller kamen beunruhigt zu Jesus und stellten ihm die Frage, wieso Gott so etwas mit seinen Auserwählten zulässt.

Jesus beantwortete ihre Frage mit einer Gegenfrage: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“ Aus der Antwort können wir darauf schließen welche Vorurteile die Fragesteller hatten, nämlich, alles Leid in der Welt hängt in Proportion mit unserer Sündhaftigkeit zusammen, eine Vorstellung die heute noch vertreten wird.

Natürlich kam Leid und Tod durch die Sünde in diese Welt. Somit waren die Fragesteller nicht ganz im Unrecht mit ihrer Annahme, böse Moral führt zu physischem Leid. Doch Jesus nahm diese Gelegenheit um sie daran zu erinnern, dass wir nicht zu dem Entschluss springen können, alle Menschen leiden in Proportion zu ihrer Sündhaftigkeit.

Die Bibel ist hier sehr eindeutig. Uns wird gezeigt wie boshafte Menschen manchmal gedeihen und rechtschaffende Menschen manchmal schlimme Dinge erleiden. Besonders im Buch Hiob wird das Verhältnis zwischen Leid und Sünde widerlegt, denn obwohl Hiob der aufrichtigste Mensch der Welt war, wurde er von unbeschreiblicher Qual heimgesucht und von seinen „Freunden“ in Frage gestellt, die behaupteten, Hiob müsse schlimm gesündigt haben.

Als Jesus somit seinen Jüngern diese Frage stellte: „Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder gewesen sind als alle anderen Galiläer, weil sie so etwas erlitten haben?“, war die Antwort offensichtlich. Nein, sie waren nicht Sündhafter als die anderen. Jesus wollte die Vorstellung einer proportionalen Verbindung zwischen Sünde und Leid, aus den Jüngern entfernen, damit sie nicht auf die Idee kämen sie wären bessere Menschen, weil sie noch nichts erlitten und starben. Deshalb warnte er sie: „wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen!“

Um es noch unmissverständlicher klar zu machen, erwähnte Jesus noch eine ähnliche Begebenheit: „Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, meint ihr, dass diese schuldiger gewesen sind als alle anderen Leute, die in Jerusalem wohnen?“ Noch einmal ist die Antwort zweifelsohne, Nein. Diese Opfer waren weder schlimmer noch besser als die anderen Juden. Somit warnte er sie noch einmal: „wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen!“

Beide, die Menschen die vom Turm erschlagen wurden und die, die von den römischen Soldaten umgebracht wurden, sind aufrichtige Bürger gewesen. Doch in ihrer „vertikalen“ Beziehung, ihre Beziehung zu Gott, war keiner unschuldig und das gleiche gilt auch für uns. Jesus sagte: „Anstatt zu fragen wieso ein guter Gott so seine Katastrophe zulässt, solltest du dich fragen, wieso dein eigenes Blut nicht vergossen wurde.“ Jesus erinnerte seine Zuhörer an die Realität, dass es schlussendlich keine Person gibt, die unschuldig ist (außer Er). Demnach sollten wir nicht über die Gerechtigkeit Gottes wundern, sondern über die Gnade Gottes. Wir sollten uns fragen: „Wieso werden wir nicht täglich von Türmen erschlagen?“

Wenn uns jemals etwas schmerzhaftes, leidvolles oder Schwerwiegendes befällt, ist es nie ein Akt der Ungerechtigkeit von Gotte Seite, da Gott uns keinen Freifahrtschein von Tragödien schuldig ist. Er schuldet uns keinen Schutz vor einstürzenden Türmen. Wir schulden Gott etwas und können es nicht zurückzahlen. Unsere einzige Hoffnung um nicht durch die Hände Gottes umzukommen ist Buße.

Jesus war nicht unsensibel oder rau mit seinen Jüngern. Er hat sie nur etwas aufgerüttelt, um ihre falsche Denkweise loszuwerden. Es würde uns guttun, diesen Ruck mit Freuden anzunehmen, es hilft uns nämlich dabei, Dinge aus der Perspektive der Ewigkeit zu sehen. Wir werden erst dann in der Lage sein mit Katastrophen umzugehen, wenn wir verstehen, dass hinter ihr der Ewige-Vorsatz Gottes steht und wenn wir begreifen, dass Gott uns vor der größten Katastrophe gerettet hat – der Einsturz des Turmes seines letzten Gerichts.

From Ligonier Ministries and R.C. Sproul © 2016. Used by permission.
Übersetzung: TheologiaDE.blog