Johannes Calvin: Die himmlischen Dinge

Schätze der Gnade 14

Lukas 16:8 Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts.

Etwas zu verschenken was einem nicht einmal Selbst gehört, ist alles andere als nachahmenswert. Welcher Mensch würde geduldig zusehen, wie ein anstandsloser Übeltäter etwas stiehlt und das gestohlene Gut nach seiner Lust verteilt? Es ist töricht zu behaupten, dass ein Mensch der zusieht, wie sein Eigentum gestohlen und verteilt wird, diesen Übeltäter auch noch loben würde! Christus meint an dieser Stelle, wie er etwas später hinzufügt, dass ungläubige weitaus fleißiger und geschickter sind, obwohl es bei ihnen nur um die weltlichen, temporären Dinge geht, als die Kinder Gottes, bei denen es doch um das himmlische und ewige Leben geht. Durch diesen Vergleich hält er unsere verbrecherische Gleichgültigkeit vor Augen. Da wir nicht einmal so viel Eifer an den Tag legen, wie die ungläubigen, die nur ihren eigenen Interessen dieser Welt nachjagen. Wie beschämend ist es, dass die Kinder des Lichts, die doch durch den Geist und durch das Wort Gottes erleuchtet wurden, die ewige Freude einfach links liegen lassen. – Währenddessen sind die Menschen dieser Welt so vorsorglich und klug bei den Angelegenheiten dieses Lebens! Somit ist es klar, dass Gott nicht die Weisheit dieser Welt mit der Weisheit Gottes vergleicht. Er rüttelt die Gläubigen aus ihrem Schlaf und zeigt ihnen, dass sogar die Blinden in der Dunkelheit mehr sehen, damit sie ihre Augen auf das noch kommende Leben richten und nicht vor dem Licht des Evangeliums verschließen. In der Tat, die Kinder des Lichts sollten noch begehrenswerter nach dem himmlischen Leben zu trachten, im Angesicht dessen, dass die Kinder dieser Welt auf eine Zukunft hinarbeiten, die doch nur einen Augenblick währt und verschwindet.

Quelle: Johannes Calvin – Kommentar zu den synoptischen Evangelien (Lukas 16:8)
Übersetzung: TheologiaDE.blog

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Johannes Calvin: Gefäß der Heiligung

Schätze der Gnade 11

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr euch der Unzucht enthaltet; dass es jeder von euch versteht, sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehrbarkeit in Besitz zu nehmen, nicht mit leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen; (1 Thessalonicher 4:3-5)

Denn das ist der Wille Gottes Aus dieser Lehre fließt, wie aus einer Quelle, eine ganz besondere Aufforderung. Wenn hier von dem Willen Gottes die Rede ist, dann meint Paulus den Sinn und Zweck unserer Berufung. „Aus diesem Grund seid ihr Christen – darauf hat es das Evangelium abgesehen – damit ihr euch vor Gott heiligt.“ Die Bedeutung des Wortes Heiligung haben wir schon oftmals unter die Lupe genommen – auf die Welt zu verzichten, die Reinigung von all den Beschmutzungen des Fleisches; wir bereiten uns vor, wie bei einer Opferbringung, denn nichts kann rechtmäßig vor Gott gebracht werden, dass nicht rein und heilig ist.

Dass wir uns enthalten sollen Ist eine Vorschrift, die aus der gleichen Quelle entspringt; denn nichts streitet mehr gegen die Heiligung als die Unzucht, welche den ganzen Menschen verunreinigt. Aus diesem Grund schreibt er diese Sünde auch den Heiden zu, die Gott nicht kennen. Denn, „wo die Erkenntnis Gottes regiert, dort müssen die Begierden unterworfen werden.“

Mit leidenschaftlicher Begierde meint er alle Leidenschaften des Fleisches. Zusätzlich schließt er all die Begierden, die nach einer Erfüllung unseres Fleisches trachten, mit der Unzucht zusammen. Dies ist eine Ermahnung, wie auch in Römer 13:14 zu sehen ist, dass wir den Lüsten keinen Raum geben sollen. Sobald ein Mensch seinem Reiz nachgibt, entfesselt er die Lüsternheit. Somit ist der einzige Weg um sich zu enthalten, ein zügeln aller Lüste.

Nun zu dem Satz: dass jeder von euch versteht sein Gefäß … . Manche behaupten dieser Satz beziehe sich auf die Ehefrau. So als würde die Aussage lauten: „Der Mann soll mit seiner Frau in aller Sittsamkeit leben.“ Da aber in diesem Zusammenhang beide, Männer und Frauen, angesprochen werden, bezieht es sich ohne Zweifel auf den Leib. Denn jeder besitzt seinen Leib als Haus in dem er wohnt. Somit hat Paulus im Sinn, dass wir uns von aller Unreinheit bewahren und in Ehre halten. Ein Mensch nämlich, der seinen Leib zur Prostitution oder der Unzucht hingibt, taucht seinen Leib in Abscheu und schändet ihn.

Quelle: Johannes Calvin – Kommentar zum 1. Thessalonicherbrief (1. Thes 4:3-5)
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Der erste Brief des Johannes, Aufbau und Hintergrund

Über Johannes

  • Johannes ist der jüngere Bruder es Jakobus (Apg 12:2)
    • Johannes und Jakobus werden auch „Donnersöhne“ genannt (Mk 3:17)
    • Sie werden auch „Söhne des Zebedäus genannt“ (Mt 10:2-4)
  • Johannes zählte zu den drei vertrautesten Weggefährten Jesu (Mt 17:1, 26:37)
    • Die anderen waren Petrus und Jakobus
  • Er war ein Augenzeuge an Jesu irdischen Dienst (1Joh 1-4)
  • Der Jünger lehnte sich am Passahmahl an Jesu Brust (Joh 21:20)
  • Johannes gibt sich im Johannesevangelium, welches er auch schrieb, als „Jünger, den Jesus liebte“ bekannt (Joh 13:23; 19:26; 20:2; 21:7,20)
  • Er schrieb neben den drei Johannesbriefen, das Johannesevangelium zusätzlich noch das Buch der Offenbarung (Offb 1:1)

Über diesen Brief

Abfassung und Adressat

  • Der Brief wurde eventuell an die Allgemeinheit geschrieben (Kein Adressat im Brief)
    • Könnte aber auch an die Gemeinden in Kleinasien gemeint sein, in welcher Johannes seine apostolische Leiterfunktion ausübte
  • Johannes gibt sich nicht persönlich zu erkennen
    • Die Autorität, mit der er schreibt, lässt erkennen, dass es Johannes war,
    • wie auch die Übereinstimmungen mit dem Johannesevangelium
      • Vokabular und Ausdrucksweise

Datierung

  • Die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts
    • Manche behaupten, dieser Brief wäre kurz nach dem Johannesevangelium geschrieben worden (auch die zweite Hälfte des 1.Jahrhunderts)
  • Nach Aussagen der frühen Gemeinde war er Autor war schon im fortgeschrittenen alter
    • Der Text unterstützt diese Aussage (1Joh 2:1,18,28)
  • Johannes bekämpfte die Irrlehre der Gnosis, die sich im frühen Stadium befand (Siehe mehr hier)
  • Es wird keine Verfolgung unter Domitian erwähnt (Römischer Kaiser von 86 – 91)
  • Die Datierung des Briefes könnte somit berechtigt, zwischen 90-95 n. Chr. sein

Hintergrund und Umfeld

  • Trotz des fortgeschrittenen Alters, war Johannes sehr aktiv im:
    • Gemeindedienst
    • Schriftlichen Dienst (Offenbarung, Evangelium)
    • „Evangelisieren“ – beaufsichtigte neu entstandene Gemeinden in Kleinasien
  • Johannes war der einzig verbleibende Apostel, welcher Augenzeuge des Wirkens, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu war.
  • Johannes bekämpfte in seinem Brief die Philosophie „Gnosis“ – gr. Erkenntnis
    • Sie war nach dem paulinischen Kampf für die Freiheit vom Gesetz die gefährlichste Irrlehre
    • Sie begleitete, bzw. wurde in den ersten drei Jahrhunderten von der Gemeinde bekämpft
    • Diese Irrlehre zielte darauf, die Grundlagen des Glaubens zu widerlegen
    • Beeinflusst wurde diese Irrlehre von Philosophen wie Plato
      • Er verbreitete den „Dualismus“ (Materie böse, Geist gut)
        • Dies leugnete das wahrhaftige Menschsein Christi
      • Diese Gnostiker beanspruchten ein höheres Wissen der Wahrheit, zusammen mit Mystischer Erkenntnis der Wahrheit, welche sogar höher als die Schriften anzusehen sind
      • Diese Irrlehre konnte man in zwei Sparten einordnen:
        • Doketismus – gr. Scheinen
          • Der Körper Jesu war nicht real, erscheint nur physisch, somit göttlich und nicht menschlich (1Joh 1:1-4; 4:2-3)
        • Irrlehrer „Kerinthos“
          • Er behauptete unter anderem, dass der Geist nur bei der Taufe auf Christus abstieg und vor der Kreuzigung verließ
        • Diese Irrlehren führten wiederum dazu, dass die Menschen dachten, dass die Sünde die ein Mensch begeht, nichts mit dem Geist zu tun hat und schlussendlich nicht zählt
          • Solch eine Lehre führte zu Zügellosen Moralverhalten bis hin zur Leugnung von Sünde (1Joh 1:8-10) und das verachten des Gesetzes Gottes (1Joh 3:4)
        • Typisch für die Irrlehrer war auch, dass sie extrem negativ auf die reagiert haben (Mangel an Liebe), die ihren Lügen nicht folgten und hielten sich von denen fern, die der apostolischen Lehre treu blieben, daraufhin antwortete Johannes, dass diese falschen Lehrer nie wirklich gerettet waren (1Joh 2:19)
        • Der Kampf gegen die Lüge war äußerst wichtig, da die Gemeinde sich in einem kritischen Zustand befand. Sie drohte von falschen Lehrern überschwemmt zu werden

Themen (Facette)

Zurück zu den Grundlagen des Glaubens – Hauptthema

Freude (1Joh 1:4), Heiligkeit (1Joh 2:1) und Gewissheit (5:13) – Unterthemen

  • Charakter des Christentums, ganz schlicht
  • Der Brief hat einen warmen, vertrauten und liebevollen Ton
    • Ein Pastoraler Brief aus dem Herzen eines Gemeindeleiters (besorgt um seine gläubigen)
  • Es war der Wunsch Johannes, dass sie sich über ihre Sicherheit des Glaubens freuen konnten und sich nicht von anderen beirren lassen (1Joh 1:4)
  • Gegenüber den Irrlehren hat Johannes kein Erbarmen, er beschreibt sie als: „falsche Propheten“ (1Joh 4:1), Antichristen (1Joh 2:18) bis hin zu dämonisch (1Joh 4:1-7)

„Die ständige Wiederholung von drei Unterthemen stützt das Hauptthema über die Treue zu den grundlegenden Dingen des Christentums: Freude (1,4), Heiligkeit (2,1) und Gewissheit (5,13). Durch die Treue zu den Grundlagen werden seine Leser diese drei Dinge beständig in ihrem Leben erfahren. Diese drei Faktoren veranschaulichen auch den wichtigsten Zyklus wahrer Geistlichkeit: der richtige Glaube an Jesus bewirkt Gehorsam gegenüber seinen Geboten; aus dem Gehorsam ergibt sich die Liebe zu Gott und den Mitgläubigen (z.B. 3,23,24). Wenn diese drei Dinge (gesunder Glaube, Gehorsam, Liebe) zusammen wirken, führen sie zu Freude, Heiligkeit und Glaubenssicherheit. Sie bilden den Beweis, den entscheidenden Test für einen wirklichen Christen.“
Aus der John MacArthur Studienbibel, Seite 1887

 

Martin Luther: Vorrede zum Römerbrief

Diese Epistel ist das eigentliche Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium. Sie ist es wohl würdig und wert, daß sie ein Christenmensch nicht nur von Wort zu Wort auswendig wisse, sondern daß er auch täglich damit als mit täglichem Brot der Seele umgehe. Denn sie kann nimmer zu viel und zu gründlich gelesen oder betrachtet werden. Je mehr sie behandelt wird, um so köstlicher wird sie und schmeckt sie. Darum will ich auch meinen Dienst dazu tun und will durch diese Vorrede, so viel mir Gott verliehen hat, eine Einleitung dazu geben, damit sie von jedermann umso besser verstanden werde. Denn sie ist bisher mit Deutungen und mancherlei Geschwätz böse verfinstert worden, während sie doch an sich ein helles Licht ist und vollkommen genügt, um die ganze Schrift zu erleuchten.
Zuerst nun müssen wir der Sprache kundig werden und wissen, was St. Paulus mit den Worten: Gesetz, Sünde, Gnade, Glaube, Gerechtigkeit, Fleisch u. dergleichen meint. Sonst nützt kein Lesen darin.

„Martin Luther: Vorrede zum Römerbrief“ weiterlesen