John Owen – Keine Besserung irgendeiner natürlichen Veranlagung

Die Abtötung der Sünde besteht nicht in der Verbesserung einer ruhigen, gelassenen Natur. Manche Menschen genießen aufgrund ihres natürlichen Wesens einige Vorteile, solange sie nicht wie viele andere der Gewalt von unmäßigen Leidenschaften und ungestümen Neigungen ausgesetzt sind. Wenn nun diese Menschen ihre natürliche Veranlagung und das Temperament durch Disziplin, Überlegungen und Vernunft verbessern, so können sie vor sich selbst und anderen als Personen dastehen, welche die Sünde wirklich abgetötet haben. Währenddessen kann aber ihr Herz ein stehender Pfuhl voller Abscheulichkeiten bleiben. Der eine Mensch ist vielleicht sein ganzes Leben weder durch Ärger noch durch Leidenschaften aufgebracht und auch anderen bereitet er keine Schwierigkeiten, wohingegen eine andere Person täglich für sich selbst und für andere ein Problem darstellt. Und doch kann der Letztgenannte mehr dazu beigetragen haben, seine Sünde abzutöten, als der erste. Die Menschen sollen sich nicht bemühen, ihre Abtötung der Sünde durch Dinge zu erreichen, für die ihnen das natürliche Temperament weder Leben noch Vitalität verleiht. Vielmehr sollen ihnen Selbstverleugnung, Unglaube, Neid und andere geistliche Sünden bewusst werden; dann werden sie mehr Einsicht über sich selbst gewinnen.

Aus dem Buch: „Von der Abtötung der Sünde“ von John Owen.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/von-der-abtotung-der-sunde.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

John Owen – Die Einheit Christi mit seiner Gemeinde

Die Gemeinde musste also erlöst werden, weil sie dazu bestimmt war, Christi Weib zu sein. Die Erlösung, die Christus vollbrachte, machte es dann möglich, dass die Einheit zwischen Christus und seiner Gemeinde zustande kam.
Hinter allem, was Christus für die Gemeinde tat und erlitt, stand ein Willensakt Gottes, des Vaters, der ihm alle Erwählten gegeben und anvertraut hatte, auf dass sie erlöst, geheiligt und gerettet würden.
Auf dieser Grundlage war die geistliche Vereinigung zwischen Christus und seiner Gemeinde bereits Wirklichkeit, ehe sie tatsächlich zustande gekommen war.
 
Eine solche Einheit beruht auf einem Vertrag oder einem Bund, der zwischen den betreffenden Personen geschlossen wurde. So übernahm unser Herr die Aufgabe, der Bürge des neuen Bundes zwischen Gott und der Gemeinde zu sein. Als Bürge verpflichtete er sich Gott gegenüber, alle Forderungen des göttlichen Gesetzes und der göttlichen Gerechtigkeit stellvertretend für die Gemeinde zu erfüllen, damit sie geheiligt und gerettet werden kann. Gott aber sah es um dieses Bundes willen für gerecht und richtig an, Christus unsere Sünden, uns aber seinen Gehorsam und Tod anzurechnen, um uns fortan so zu behandeln, als wären wir selbst gehorsam gewesen und für unsere eigenen Sünden gestorben.
 
Aus dem Buch: „Die Herrlichkeit Christi“ von John Owen.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/die-herrlichkeit-christi-589.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

Ralph Venning – In der Schule Gottes lernen

Viele der christlichen Juden waren nur jüdische Christen. Sie ließen sich nicht leicht überzeugen, Mose und sein Gesetz beiseitezulegen. Die christlichen Heiden war zu sehr heidnische Christen, dich sich kaum von dem Gesetz der Natur und der Werke trennen konnten. Wenige schafften das, was Paulus lehrte, alleine in Christus zu ruhen und alle Formen, Vorrechte, Tränen und Gebete, Demütigungen und alles, was man unsere eigene Gerechtigkeit nennen könnte, als Verlust und Dreck anzusehen, was die Rechtfertigung betrifft, selbst wenn sie in Bezug auf das Gesetz untadelig sein sollten. Wenige gelangten an den Punkt, dass sie in ihm und der Gerechtigkeit erfunden wurden, die von Gott durch den Glauben an ihn ist, und nicht auf Fleisch vertrauten, sondern sich in Jesus Christus freuten.

Und so sehen wir, dass die Apostel, ob sie nun an Juden oder Heiden schreiben, es sich zur Aufgabe machten, sie von jedem Gesetz und jeder Regel ab- und zu dem des Glaubens hinzubringen und sie auf dem einzig wahren Fundament und Eckstein zu gründen und aufzubauen, Jesus Christus, damit er in allen Dingen den Vorrang habe und alles in allem sei, wie er es verdient (Kol 3,11; Gal 6,15-16; Hebr. 13,7-8; 1.Pt. 2,5-6; 1.Kor. 1,29-31).

Aus dem Buch: „In der Schule Gottes lernen“ von Ralph Venning.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/in-der-schule-gottes-lernen.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

Richard Sibbes: Verwurzelter Glaube

Das, was einige vom verwurzelten Glauben, dem „fidas radicata“, sagen, dass er fortbestehe, während ein schwacher Glaube zu nichts käme, scheint im Widerspruch zu dieser Schriftstelle zu stehen, denn wie der stärkste Glaube erschüttert werden mag, so ist doch der schwächste Glaube – wo Wahrheit ist – so weit verwurzelt dass er bestehen wird. Schwäche, gepaart mit Wachsamkeit, wird standhalten, während Stärke gepaart mit zu großer Selbstsicherheit, versagen wird. Schwäche, die man eingesteht, ist der geeignetste Ort und Anlass für Gott, um darin seine Kraft vollkommen zu machen, denn das Bewusstsein für unsere Schwächen drängt uns von uns selbst weg zu ihm, in dem unsere Kraft liegt.

Daraus folgt, dass Schwachheit sehr wohl vereinbar sein kann mit der Heilsgewissheit. Die Jünger werden, ungeachtet all ihrer Schwächen, aufgefordert, sich zu freuen, dass ihre Namen „im Himmel geschrieben sind“. Mit Konflikten verbundene Misserfolge in der Heiligung sollten nicht den Frieden unserer Rechtfertigung und Heilsgewissheit schwächen. Was in uns schlecht ist, spielt keine so große Rolle wie das, was gut ist; es geht nicht um unsere Verderbtheiten, sondern wie wir sie betrachten; nicht um unsere besonderen Fehler, sonder vielmehr darum, was der Zusammenhang und Verlauf unseres Lebens ist. Denn Christi Abneigung gegenüber dem, was in uns nicht stimmt, führt nicht zu einem Hass auf uns als Person, sondern zur siegreichen Unterwerfung all unserer Schwachheiten.

Aus dem Buch: „Geborgen in Ihm“ von dem Puritaner Richard Sibbes.
Das Buch ist hier erhältlich: https://www.3lverlag.de/geborgen-in-ihm.html
Vorlesungen / Tonspuren der Puritaner gibt es hier: http://glaubensgerechtigkeit.de/die-puritaner-buchreihe/

James Smith: Ohne ein Heim

Schätze der Gnade 52


Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.
(Matthäus 8:20)

Welch erstaunliche Tatsache!
Hier haben wir den Schöpfer aller Dinge – ohne ein Heim!
Der Herrscher des Universums – ohne einen Wohnsitz!
Ewiger, unvergänglicher König – bedürftiger als die Vögel des Himmels oder Tiere der Erde!

„Und so ging jeder in sein Haus. Jesus aber ging an den Ölberg“  (Johannes 7:53-8:1).

Jeder hatte ein Zuhause, nur Er nicht!

Wie kam es dazu?
Es ist die LIEBE!
Liebe für wen?
Die Liebe für Sünder – für die schändlichsten und gemeinsten Menschen!
Doch wieso erniedrigte Er sich auf diese Weise?
Er wurde arm – damit wir reich würden!

Ohne eine Behausung lebte der Herr hier auf Erden, um uns eine Residenz im Himmel zu sichern!

Die Zeit hier auf Erden lebte Er in Armseligkeit, um uns einen glorreichen Teil in der Ewigkeit zu schenken!

O, Jesus, wie wunderbar ist deine Liebe!

Meine Seele, verehre, preise, bewundere die erstaunliche Liebe deines Herren!

Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
(2. Korinther 8:9)

Quelle: Grace Gems 25.12.2017 – Bible Readings for the Lord’s Household – James Smith
Übersetzung: TheologiaDE.blog

Martin Luther: Menschwerdung Christi

Eine Predigt von Martin Luther über die Fleischwerdung Jesu und damit resultierende Demut und Dankbarkeit.

Ein kurzer Auszug:

Warum malt doch der Evangelist diese Geburt so arm und elend? Darum, daß du daran denken und es nimmermehr vergessen sollst, und es dir durch Dein Herz gehen lassen, und besonders, weil du hier hörst, es ist alles deinetwegen geschehen, daß du darüber fröhlich und Gott auch dankbar dafür bist. Es ist eine weite Reise von Nazaret aus Galiläa nach Bethlehem, ja, soweit als aus Sachsen nach Bayern, wenn nicht noch weiter. Da ist es doch wohl zu denken, daß sie auch nicht viel Hausrat mitgeführt oder getragen haben. So werden die Windeln oder was sonst zu solchem Handel gehört, auch nicht besonders schön gewesen sein, daß sie das Kind vielleicht nur mit ihrem Hemd eingewickelt und ihm die Krippe gelegt hat. Denn sie hat es nicht immer im Schoß halten können, und sich an den Kleidern und Leib der Mutter wärmen, sondern das liebe Kind musste sich mit Stroh und Heu und einer Krippe behelfen. Josef hat auch das Beste tun müssen, und es wird wohl so gewesen sein, daß eine Magd dem Hause mit Wasser holen und anderen ihnen gedient habe, wie es in der Not üblich ist. Aber solches ist hier nicht geschrieben. Darum ist es zu vermuten, obwohl jedermann wusste, daß ein junges Weib im Kuhstall gelegen, sich doch niemand ihrer angenommen hat.

Das ist das erste Stück von der Geschichte, welche uns darum so vorgeschrieben ist, daß wir das Bild lernen sollen und in unser Herz fassen, wie unser lieber Herr Jesus Christus so elendiglich in dieser Welt geboren ist, auf das wir lernen Gott für solche große Wohltat zu danken und zu loben, daß wir armen, elenden, ja auch verdammten Menschen heut zu so großen Ehren gekommen, daß wir ein Fleisch und Blut mit dem Sohn Gottes geworden sind. Denn eben der ewige Sohn des ewigen Vaters, durch welchen Himmel und Erde aus nichts erschaffen ist, der ist, wie wir hören, Mensch geworden und auf diese Welt geboren wie wir, ohne daß es mit ihm ohne alle Sünde zugegangen ist. Deswegen mögen wir rühmen, daß Gott unser Bruder, ja, unser Fleisch und Blut geworden sei. Diese große Ehre ist nicht den Engeln, sondern uns Menschen widerfahren. Deswegen obwohl die Engel eine herrlichere Kreatur sind denn wir, so hat doch Gott uns mehr und höher geehrt und sich näher zu uns getan, denn zu den Engeln, weil er nicht ein Engel, sondern ein Mensch geworden ist. Wenn nun wir Menschen solches recht bedenken und von Herzen glauben könnten, so sollte gewisslich solche unaussprechliche Gnade und Wohltat unseres lieben Herrn Gottes eine hohe große Freude machen, und uns treiben, daß wir Gott von Herzen dafür dankten, ihn liebten und gern uns nach seinem Willen halten würden.

Adam und Eva sind nicht geboren, sondern geschaffen. Denn Adam hat Gott aus der Erde gemacht; das Weib aber aus seiner Rippe. Wieviel aber ist Christus uns näher, denn die Eva ihrem Mann Adam, besonders weil er unser Fleisch und Blut ist? Solche Ehre sollten wir hochachten, und wohl in unsere Herzen bilden, daß der Sohn Gottes ist Fleisch geworden, und gar kein Unterschied zwischen seinem und unserem Fleisch ist, nur das sein Fleisch ohne Sünde ist. Denn er ist von dem Heiligen Geist empfangen, und Gott hat die Seele und den Leib der Jungfrau Maria voll Heiligen Geistes gegossen, daß sie ohne alle Sünde gewesen ist, als sie den Herrn Jesus empfangen und getragen hat. Außer denselben ist alles natürlich an ihm gewesen, wie an anderen Menschen: daß er gegessen, getrunken, ihn gehungert, gedürstet, gefroren hat, wie andere Menschen. Solche und dergleichen natürliche Gebrechen, welche der Sünden wegen auf uns geerbt sind, hat er, der ohne Sünde war, getragen und gehabt, wie wir, wie Paulus sagt: Er sei erfunden in allem ein Mensch wie wir, der gegessen, getrunken, fröhlich und traurig gewesen ist.

Die ganze Predigt:

„Martin Luther: Menschwerdung Christi“ weiterlesen

J. C. Ryle: Rückratloses Christentum

Schätze der Gnade 51


Vor achtzehn Jahrhunderten warnte uns der Apostel Paulus:

Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben;
(2. Timotheus 4:3)

 

Der natürliche Mensch hasst das Evangelium, zusammen mit all den zugehörigen Lehren. Er sucht und erfreut sich sogar darin, dem aus dem Weg zu gehen und es mit nichtigen Ausreden abzulehnen.

Grund dafür ist die gefallene Natur des Menschen. In dieser Natur verbirgt sich das Böse. Dazu gehört auch der tief sitzende Unglaube gegenüber dem Wort Gottes. Ich vermute, wir haben nicht einmal den blassen Schimmer, wie viele Menschen rettenden Glauben besitzen. Und noch viel weniger sind es, die sich ganz der Bibel hingeben.

 

Einer ist stolz – dieser kann die Lehren des Evangeliums nicht ausstehen, da es ihm keinen Raum zum Rühmen gibt.

Der nächste ist faul und träge – er kann die Lehren des Evangeliums nicht leiden, da er aufgefordert wird, sich mit beschwerlichen Dingen zu befassen. Wie zum Beispiel sich selbst zu prüfen und den Kopf anzustrengen.

Ein anderer ist gleichgültig – er macht sich weiß, dass alle Lehren nur zusammengewürfelte Worte sind und es letztlich egal ist, was man glaubt.

Dann gibt es noch einen, der ist durch und durch weltlich – er zuckt vor den Lehren des Evangeliums zusammen, da es seine „heile Welt“ zunichtemacht.

 

Doch auf gewisse Weise bin ich völlig damit zufrieden, dass die Erbsünde die Wurzel dieses Verderbens ist. Was [die Erbsünde] wiederum dazu führt, dass Menschenmengen gierig nach der Anschauung ragen, die Lehren wären nur Nebensache. Es versorgt sie mit einer Ausrede für ihre Sünde.

Die Auswirkungen, dieser verächtlichen Haltung gegenüber den Lehren sind in der heutigen Zeit gravierend. Ob es uns gefällt oder nicht, diese Epidemie verursacht viel Leid. Es ist nämlich der Nährboden für Instabilität in Sachen Religion. Daraus entspringt, wenn ich das so sagen darf, ein rückratloses Christentum. Ein Christentum ohne Halt, Festigkeit oder Kraft.

Man kann es mit einer Qualle vergleichen. Im Meer sieht die Qualle beeindruckend aus. Ihre Art im Wasser umherzugleiten, wie ein Regenschirm der auf und zu geht, wunderschön. Doch sobald die gleiche Qualle ans Land gezogen wird und auf der Erde liegt, dann ist sie eine hilflose Masse. Nicht in der Lage sich selbst fortzubewegen, geschweige denn, sich selbst zu verteidigen oder am Leben zu erhalten.

Ach! Dies ist leider ein Abbild der heutigen Religion, mit dem Motto: „Keine Lehrsätze, keine Grundsätze und nichts wozu wir stehen.“

Hunderte Pastoren, von denen man meint, sie hätten nicht einmal einen einzigen Knochen in ihrem geistlichen Leib. Sie stehen zu nichts – haben keine Zugehörigkeit. Sie fürchten sich so sehr vor „extremistischen Ansichten“, dass sie gar keine Ansicht haben!

Jedes Jahr werden unzählige Predigten abgehalten, die auf nichts rauslaufen und keine Kanten besitzen, an denen man sich stoßen könnte. Sie sind so glatt wie ein Aal – hierdurch wird kein Sünder erweckt, noch ein Christ erbaut.

„J. C. Ryle: Rückratloses Christentum“ weiterlesen

Martin Luther: Über den Sabbat und die Demut

Eine Predigt von Martin Luther über die Heiligung des Sonntags, dem christlichen Wandel und der Demut.

Ein kurzer Auszug:

Darauf geht der schöne Spruch des Propheten Hosea Kapitel 6,6.: “ der Herr hat Lust an der Liebe mehr, denn am Opfer, und an Erkenntnis Gottes mehr, denn am Brandopfer „. Was heißt Gott erkennen? Anderes nicht, denn Gottes Wort hören. Ursache, ohne daß Wort wird niemand von Gott etwas wissen. Wenn aber das Wort kommt und spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich meinen Sohn gesandt und für dich in den Tod gegeben habe, der ich dich habe angenommen: durch solches Wort lernen wir Gott erkennen, daß er gnädig und barmherzig ist; welches die Vernunft nicht von sich selbst wissen noch lernen kann. Aus diesem aber folgt, weil man durch das Wort zur Erkenntnis Gottes kommt, daß es heiße, Gott dienen und den Sabbat recht heiligen, wenn man Gottes Wort hört, und nach dem Wort Gottes lebt und tut. Solches lassen die heillosen Heuchler, die Pharisäer, anstehen: sie hören Gottes Wort nicht, tun auch nicht danach; wollen dennoch den Namen haben, sie brechen den Sabbat nicht.

Deswegen soll bei uns Christen alle Tage Sabbat sein. Denn wir sollen alle Tage Gottes Wort hören und unser Leben danach ausrichten. Gleichwohl ist der Sonntag für das gemeine Volk geordnet, daß jedermann am selben Tag besonders Gottes Wort hören und lernen soll und danach leben. Denn die anderen sechs Tage muß der gemeine Mann seiner Arbeit warten, und erwerben, davon er lebe. Das will Gott gern geschehen lassen; denn er hat die Arbeit geboten. Aber den siebten Tag will er geheiligt haben, daß man daran nicht soll arbeiten, auf das jedermann ungehindert sei, sich in Gottes Wort und Werken zu üben, und zu tun, nicht was das zeitliche betrifft, sondern was Gott in seinem Wort fordert und haben will.

Wiederum, Hoffärtigen Leuten kann niemand hold sein. Sobald Vater und Mutter an einem Kinde oder Gesinde den Ungehorsam und Stolz merken (denn diese zwei Unarten sind häufig bei einander), daß sie sagen: Muss ich doch nicht tun, was du mich heißt; da hebt es sich, daß Vater und Mutter denken, wie sie ihnen den Stolz brechen und sie demütigen, oder zum Haus hinaus stoßen. Weltliche Obrigkeit tut es auch so. Wer stolzieren und nicht Gehorsam sein will, den lehrt sie es mit dem Stricke oder Schwertes durch Meister Hansen.

Wie kommt es nun, daß den Stolz niemand leiden kann? Anders nicht, denn daß es Gott haben will, und sein Wort der steht und sagt: Er wolle getrost dazu helfen, daß die gedemütigt werden, so stolz und hoffärtig sind. Wie man sieht in allen Ständen: was reich, gelehrt, vernünftig, schön, stark, mächtig und gewaltig ist, sobald sie in die Hoffart geraten und sich nicht haben willig heruntergegeben, hat sie Gott gestürzt, daß sie haben fallen müssen. Denn so steht geschrieben: Gott selbst legt sich gegen die Hoffärtigen. Der nun einen solchen schweren Feind auf sich ladet, den er nicht tragen kann, der muß fallen, und hilft ihn keine Macht noch Stärke.

Also ging es mit Saul: der war seinem Vater Gehorsam, hütete der Esel und hielt sich für den geringsten in Benjamin. Zu solchem Eseltreiber schickt Gott den Propheten Samuel und salbt ihn zum König. Denn weil er demütig und nicht hoffärtig war, setzte Gott zu ihm alle Gnade und Barmherzigkeit. Was geschah aber? Da Saul König war, schwoll ihm das Herz, daß er Stolz ward und fragte nach unserm Herrn Gott und seinem Wort nichts. Darum, gleich wie ihn Gott zuvor erhoben hatte, also stürzt er ihn danach wieder herunter, daß er sich aus Verzweiflung selbst erstach, und sein Geschlecht ausgerottet ward.

Die ganze Predigt:

„Martin Luther: Über den Sabbat und die Demut“ weiterlesen

Johannes Calvin: Unbekannte Anbetung

Schätze der Gnade 50


was ich ihnen nie geboten habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist
(Jeremia 7:31)

Wir sollten hier aufmerken, denn genau an dieser Stelle schneidet Gott den Menschen den Fluchtweg ab, nämlich mit diesen Worten: „was ich ihnen nie geboten habe“. Es ist der Aberglaube, der hier von Gott verdammt wird, nichts anderes ist dem mehr entgegenzubringen, denn Gott hat es nicht geboten. Sobald sich die Menschen ihren eigenen Fantasien zuwenden und Gott nach ihrem eigenen Kopf anbeten und nicht nach den Satzungen Gottes, verdrehen sie die wahrhaftige Frömmigkeit. All die erfundenen und absurden Anbetungstechniken fänden keinen Platz, würden die Papisten nach dieser Regel handeln. Es ist in Wirklichkeit sogar schreckhaft, die Papisten verwerfen ihre Verantwortung, die sie Gott schuldig sind, und geben sich ihrem selbsterfundenen Aberglauben hin, als würde eines das andere aufheben. Traurigerweise gibt es einen Haufen solcher Menschen. Würden sie nur diesem Prinzip nachgehen, Gott kann einzig in rechter Weise verehrt werden, indem man seinem Wort gehorsam leistet, dann würden sie aus diesem Schlund der Irrlehre entfliehen. Die Worte des Propheten sind somit von größter Bedeutung. Wenn Gott hier spricht „was ich nie geboten habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist“, bringt Er damit zum Ausdruck, dass die Menschen sich zu viel anmaßen und nach Dingen trachten, die Gott nie forderte noch „in den Sinn“ gekommen ist. Selbstverständlich ist vor Gott nichts verborgen, Er weiß alles. Er kommuniziert jedoch mit uns Menschen auf menschliche Weiße, um uns klar zu machen, dass was die Juden hier praktizierten, Ihm völlig fremd sei, da das Gesetz sowieso schon vollkommen und genügsam ist.

Quelle: Johannes Calvin – Bibelkommentar
Übersetzung: TheologiaDE.blog