Steven Walton: Liebe

Ich lade euch nun ein, mit mir zusammen, die Bibel im 20. Kapitel des 2. Buches Mose aufzuschlagen. Wir lesen zusammen die Verse 1-17, um einen Überblick der Zehn Gebote zu bekommen. Achtet genau auf dieses Wort, denn dies sind die Worte Gottes:

2 Mose 20,1-17
Und Gott redete alle diese Worte und sprach:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe.


Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!


Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist. 
Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.


Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen! Denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.


Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn!
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun; weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag; darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und geheiligt.


Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!


Du sollst nicht töten!


Du sollst nicht ehebrechen!


Du sollst nicht stehlen!


Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!


Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch irgendetwas, das dein Nächster hat!

Soweit das Wort Gottes. Lasset uns beten:

Himmlischer Vater, wir bitten segne Dein Wort an uns, lehre uns durch dein Wort, schaffe in uns eine ehrfürchtigere Haltung deinem Gesetz gegenüber, schenke uns eine noch ehrfürchtigere Haltung, Dir, Herr, gegenüber. Und möge der Herr Jesus Christus in unserer Mitte erhöht werden, in wessen Namen wir beten, Amen.


In Amerika gibt es eine Art Redewendung „That’s what right looks like“, mit der wir versuchen hervorzuheben, was richtig oder falsch ist.  Beim Militär z.B.: sieht man dort einen Kollegen, der nicht alles nach Vorschrift macht, die Klamotten völlig verschmutzt usw., dann würde man auf diese Person zeigen und sagen: „So geht das nicht!“. Auf der anderen Seite ebenso, gibt es dort jemanden, der alles zur äußersten Zufriedenheit erledigt, dann würden wir sagen: „So soll es sein oder so ist es Recht.“

Doch wie sieht es mit der Liebe aus, wie äußert sie sich? Wir Menschen haben dort oft ein gefühlsmäßiges Bild vor Augen und denken, wir hätten die Antwort schon parat. Doch eigentlich wissen wir es nicht aus uns selbst. Gott muss es uns zeigen, Gott muss es uns durch diesen Textabschnitt zeigen.

Die nächsten Wochen werden wir uns zusammen die Zehn Gebote ansehen, sie werden hier zwar nicht expliziert die Zehn Gebote genannt, doch in 5.Mose 13 werden sie so beschrieben, bzw. als die Zehn Worte – die Zehn Worte Gottes. Davon stammt auch das griechische Wort Dekalog ab:
Deka = Zehn
log – Logos = Wort.
Somit Zehn Worte. Wenn also von dem Dekalog die Rede ist, dann sind die Zehn Gebote gemeint.

Wenn wir nun zusammen durch die Zehn Gebote gehen, möchte ich mich vor euch verantworten und bitte euch, mich darauf hinzuweisen, wenn ich es nicht tue. Denn dies ist von äußerster Wichtigkeit und wäre sehr schlecht, wenn ich mich davon abwende. Es handelt sich um den dreifachen Gebrauch des Gesetzes. Das Gesetz Gottes ist natürlich für uns, es ist für Christen. Das Gesetz Gottes zeigt uns folgendes:

  1. Es zeigt uns, dass wir Sünder sind. Denn das Gesetz Gottes ist allumfassend. Zusammen werden wir uns das genauer ansehen, wir werden in den nächsten Wochen durch jedes Gesetz gehen und erkennen, dass es viel tiefer geht, als es auf den ersten Blick scheint. Darin werden wir dann erfahren, dass wir dem Maßstab einfach nicht genüge tun können und das bei jedem einzelnen Gebot. Im gleichen Zug jedoch, weist uns das Gesetz zu Christus. Denn wenn wir an den Punkt gelangen, an dem wir erkennen, dass wir das Gesetz nicht einhalten können, dann rufen wir laut aus wie Jesaja, als er den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sah: „Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen …“ [Jesaja 6,5]. Wir brauchen unbedingt einen Erlöser; und dieser ist der Herr Jesus Christus.
  2. Es hält die Ungerechtigkeit im Zaum. Das Gesetz zeigt uns zwar was man zu tun hat, die Kraft es zu erfüllen wird jedoch nicht geliefert. Und so wie das Gesetz Gottes seinen heiligen Willen und sein Wesen offenbart, so hält es auch die Sünde der Gesellschaft in Grenzen. Aber wie gesagt, die Kraft es aufzuführen liegt nicht im Gesetz selbst. Desgleichen mit den Gesetzen unserer Regierung, sie bewahren die Menschen davor noch schlimmere taten zu begehen.
  3. Es zeigt uns, wie wir leben sollen. Man kann auch sagen, es sagt uns was Recht ist.

Lasst uns also diese drei Dinge vor Augen haben.

Durch und in den Zehn Geboten zeigt uns Gott auf, was Liebe ist. Das ist letztlich das Ziel der Gebote, Gott offenbart uns, was Liebe ist. Daher habe ich die Predigt heute Morgen auch „Liebe“ genannt. Wahrscheinlich habt ihr, wenn ihr diese Passage lest und kennt, dass Gott mit einer Donnerstimme vom Berg Sinai her erschallt und das Volk Gottes am Fuß des Berges vor furcht zittert, ein anderes Bild als Liebe im Kopf. Doch schlussendlich geht es in den Geboten um Liebe.

Die drei Punkte heute Abend sind somit folgende:

  1. Das Fundament der Gebote.
  2. Der Grundriss der Gebote.
  3. Die Schönheit der Gebote.

– Das Fundament der Gebote –

Untersuchen wir zuerst das Fundament der Gebote Gottes. Was ist das grundlegende Prinzip jedes einzelnen Gebotes Gottes? Eine gute Antwort wäre natürlich die Heiligkeit Gottes. Doch dies trifft nicht auf das Fundament, den Grund zu. Denn das grundlegende Prinzip der Gebote Gottes ist die Liebe.

Die Mehrheit, wenn man sie fragt, würde wahrscheinlich niemals darauf kommen zu sagen, dass das Gesetz Gottes eine Äußerung der Liebe ist, sie würden höchstwahrscheinlich sagen: „Die Gebote Gottes sind eine Sammlung von Richtlinien – ‚tue dies, lasse das‘ – oder auch zusammengefasst in ‚du sollst nicht …‘.“

Wir Menschen haben für gewöhnlich ein gutes Bild von dem Konzept der Liebe. Uns kommen positive Gedanken in den Sinn, wenn wir über die Liebe nachdenken, sei es die familiäre Liebe, die romantische Liebe oder auch die Bruderliebe. Liebe ist in unseren Augen etwas Gutes. Doch wenn wir über Regeln nachsinnen, dann sieht die Sache gleich ganz anders aus. Denn sobald uns Menschen Regeln auferlegen, fühlen wir uns bedrängt oder bedrückt. „Der möchte mir schon wieder sagen, was ich zu tun habe!“ – so reagieren wir auf Regeln und antworten mit Gegendruck.

Da die Liebe nun in unseren Köpfen eine positive Reaktion bewirkt und Regeln in unserem natürlichen Zustand eher eine negative, kommen wir zu der Frage: „Wie passen Liebe und Gebote zusammen?“ Wir assoziieren Gebote normalerweise nicht mit Liebe – Gott jedoch schon. Gottes Gesetz zeigt uns nämlich, wie wir Ihm und unseren Nächsten unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Und genau das benötigen wir, denn wir wissen nicht wie es geht.

Die Gesetze Gottes sind wahrhaftig und wurden auf unsere Herzen geschrieben. Schlagt mit mir zusammen das zweite Kapitel des Römerbriefs auf, die Verse 14 und 15:

„Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt“

Das trifft auf jeden Menschen in diesem Raum zu, egal ob jung oder alt. Wir alle sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden, mit dem Gesetz Gottes in unseren Herzen. Doch hier kommt das Problem, wir sind eine gefallene Schöpfung. Die Sünde hat das Gesetz in unseren Herzen ausgebleicht. Es wurde verwischt. Man kann es mit einer Schiefertafel vergleichen. Wenn etwas auf der Tafel mit Kreide geschrieben steht und man wischt es mit einem trockenen Schwamm weg, dann kann man noch immer Rückstände erkennen. Erst nachdem jemand kommt und die Tafel gründlich saubermacht, kann man nichts mehr erkennen. So ist es mit dem Gesetz Gottes in unseren Herzen, nachdem die Schöpfung gefallen ist wurde es von unseren Herzen gewischt. Es ist jedoch nicht ganz verschwunden, es haust noch tief in unseren Herzen. Aus diesem Grund achtet jedes Volk auf Erden das menschliche Leben zu einem gewissen Grad. In allen Kulturen auf der Erde ist es nicht gestattet, einfach so andere Menschen umzubringen. Das gleiche gilt für die Ehe, überall gibt es auf die ein oder andere Weise ein Konzept dafür. Ebenso das Privateigentum.

Doch der Sündenfall und die Sünde selbst bewirken nicht nur, dass das Gesetz in unseren Herzen verwischt wurde, sie machen uns zusätzlich zu Rebellen. Wir sind somit in unserem natürlichen Zustand Aufständige, die Gott nicht gehorchen wollen. Wir haben jedoch nicht das Recht zu entscheiden, wie wir gerne zu leben haben, wir haben ebenso nicht das Recht zu entscheiden, wie wir gerne unseren Nächsten lieben. Das ist nicht unsere Entscheidung, es ist Gottes Entscheidung. Menschen gehen davon aus sie wüssten und dürften entscheiden was das Beste für sie ist. In den Worten des berühmten Musik-Hits: „I did it my way“ [Ich tanze nach meiner eigenen Pfeife]. So möchten wir Menschen gerne Leben, nach unseren eigenen Vorstellungen.

Nach den Worten eines anderen, etwas älteren Liedes: „I wan’t to know what love is“ [Was ist Liebe, das würde ich gerne wissen] eine berechtigte Frage, die wir uns Menschen für gewöhnlich nicht stellen. Wieso nicht? – fragst du. Weil wir davon ausgehen, wir wüssten die Antwort. Wir haben die Frage schon abgehakt. Vor Augen haben wir bei der Frage der Liebe etwas rein Intuitives und antworten darauf: „Natürlich weiß ich wie man liebt“. Doch wir benötigen das Gesetz Gottes um uns zu zeigen was Liebe ist.

Als ein Gesetzesgelehrter zu Christus kam und ihn folgende Frage stelle: „Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetz?“ [Mt. 22,36]. Die Antwort darauf kennt ihr: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken“ [Mt. 22,37] – in anderen Worten: „Liebe Gott mit allem was du bist und hast.“ Seht was Christus hier an dieser Stelle tat, er griff nicht in den Dekalog und schnappte eines der Zehn Gebote heraus, wie zum Beispiel: „Das höchste Gebot ist – du sollst nicht töten!“ oder „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ Jesus wählte nicht nur ein Gebot aus, er fasste sie zusammen. Wenn wir nun also hören wie Christus spricht, dass wir Gott mit unserem ganzen Wesen zu lieben haben, dann sollte unsere instinktive Reaktion sein: „Wie soll das gehen? Wie sieht das aus? Wie macht man dies? Denn wenn dies das höchste Gebot ist, dann muss ich wissen wie das funktioniert!“ Das zweite Gebot kommt mit dem ersten einher, mit den Worten: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Gott zeigt uns hier, dass die Liebe die Grundfeste des Gesetzes ist und sie sich äußerlich bemerkbar macht. Wenn man jemanden wirklich liebt, dann äußert man diese Liebe durch Werke. Die Liebe macht sich auf diese Weise bekannt. Auf der anderen Seite gibt es auch den inneren Aspekt der Liebe. Liebe kommt von innen, es entspringt aus dem Herzen. Daher legt Gottes Gesetz auch einen so großen Wert auf das Gesetz, das Gesetz ist nämlich dazu da in unser Innerstes einzudringen.

Die Gebote zielen nicht darauf, dass man rein äußerlich danach lebt. Gott hat es noch nie darauf abgesehen, dass der Mensch rein äußerlich auf seiner Spur bleibt und nach gewissen Vorschriften und Regelungen lebt. Gott will das Herz, darum geht es ihm.

Wir sehen hier also wie der Dekalog in zwei Geboten zusammengefasst wurde. Liebe Gott und deinen Nächsten. Ein Kommentator sagte folgendes: „Bei den Zehn Geboten geht es um Liebe. Wir lieben Gott indem wir ihn anbeten und seinen Namen in Ehren halten. Wir äußern unsere Liebe den Eltern gegenüber, indem wir sie Ehren. Unseren Nächsten lieben wir, indem wir das Privateigentum respektieren, die Wahrheit sagen und dessen Leben schützen.“ Das ist Liebe – das Fundament der Gebote.

 – Der Grundriss der Gebote –

Als keiner Junge hat es mir immer gefallen den Grundriss von Gebäuden zu betrachten, denn ich hatte im Sinn eines Tages mal ein Architekt zu sein. Die Aufmachung von den Zimmern usw. haben mich fasziniert. So ist es mit dem Gesetz Gottes – es hat diese wundersame Form. Ich sage nochmal, das Gesetz ist nicht einfach eine Aufzählung. In dem Gesetz ist ein wunderschönes Muster zu erkennen!

Wir haben also diese zwei Tafeln und auf der ersten Tafel sind die ersten vier Gebote, die Gott gegenüber gelten. Sie zeigt uns, wie wir Gott zu lieben haben. Dann kommt die zweite Tafel, die Gebote fünf bis zehn, sie lehrt uns wie wir unseren Nächsten zu lieben haben.

Jedes einzelne Gebot spricht eine gewisse ethische Kategorie an. Es geht auf eine Tugend ein. Lasst mich euch ein Beispiel geben. Das sechste Gebot – „Du sollst nicht töten.“ Dort geht es um die Heiligkeit des Lebens – wir Menschen werden aufgefordert das Leben zu behüten, aufrechtzuerhalten und zu fördern. Und das achte Gebot – „Du sollst nicht stehlen“. Dort wird uns etwas über die Heiligkeit des Privateigentums gesagt. So sehen wir hier diese unterschiedlichen Kategorien.

Die Gesetze, so kurz sie auch sind, geben uns Aufschluss über das Extrem jeder einzelnen Kategorie der Sünde. Ich wiederhole es nochmal, das Gesetz Gottes identifiziert und verbietet das Extrem jeder einzelnen Kategorie der Sünde.

Somit kann man eine Rangordnung oder Priorität in den Geboten erkennen. Ich sage das ganz vorsichtig, nicht dass ich falsch verstanden werde. „Worauf möchte unser Pastor jetzt hinaus?“ – fragt ihr euch. Ich gebe euch ein Beispiel. Als Jesus gefragt wurde: „Was ist das höchste Gebot,“ dann sprach er nicht „es gibt kein höchstes Gebot, denn alle sind gleichgroß.“ Er gab uns jedoch eine genaue Antwort. Die erste Antwort zielte auf die erste Tafel des Gesetzes, Gebote eins bis vier – „Liebe den Herrn deinen Gott …“ Darauffolgend kam die Antwort, die sich auf die zweite Tafel bezieht, Gebote fünf bis zehn.

Beim Auslegen der Gebote gibt es ein Prinzip, auf das man achten muss. Es wird unter anderem „Prinzip der Priorität“ oder „Gesetz der Tafeln“ genannt. Ich gebe euch ein Beispiel: Kommt man in eine Situation, in welcher man von der zweiten Tafel des Gesetzes aufgefordert wird etwas zu tun, dabei jedoch die erste Tafel übertritt, hat die erste Tafel den Vorrang, eine höhere Priorität und sollte unterlassen werden. Wie in Apostelgeschichte Kapitel 5, Petrus war vor den angesehenen Führern Israels vor Gericht und sie haben Petrus verboten den Namen Jesu zu verkünden. Petrus war ein gottesfürchtiger Mann, er hat sich als Jude an die Gebote gehalten und sich der Obrigkeit untergeordnet. Diese Autorität hat aber mit ihrem Gebot gegen ein größeres Gebot verstoßen. Daher antwortete Petrus auch: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ [Apg. 5,29]. Hier kann man diese Rangordnung gut erkennen.

So gibt es ebenso eine Priorität in jedem einzelnen Gesetz selbst. Denn alle Gebote des Dekalogs sprechen das Extrem jeder Kategorie an. Lasst uns als Beispiel wieder das sechste Gebot ansehen: „Du sollst nicht töten!“ In diesem Gebot geht es aber um viel mehr als nur Mord, nicht wahr? Jesus macht uns dies in der Bergpredigt bewusst. Erst vor ein paar Wochen kam das sechste Gebot in unserem Katechismus vor: „Was ist verboten im sechsten Gebot? – „Das sechste Gebot verbietet das Wegnehmen unseres eigenen Lebens oder das Leben unseres Nächsten oder was auch immer dahin tendiert.“ Bei solch einer Antwort wird uns der Boden unter den Füßen weggezogen. Alles was meinem Nächten ungerechterweise schädigen könnte, ist verboten und eine Übertretung des sechsten Gebots.

Stellt euch vor, nach dem Gottesdienst, wir haben eine schöne Gemeinschaft zusammen, einige halten sich draußen auf, ein paar begeben sich nach vorne um den Brief zu unterschreiben [Grußkarte an einen Pastor des gleichen Missionswerks], und einer kommt zu mir, fand die Predigt schlecht und schlägt mir auf die Nase – dies wäre eine Übertretung des sechsten Gebots. Hätte die Person mich wegen meiner Predigt nun umgebracht, wäre es aber weitaus schlimmer, klar, doch ebenso ist der Schlag auf die Nase eine Übertretung des Gesetzes. Von all den verschiedenen Möglichkeiten unserem Nächsten etwas Schädliches zuzufügen, ist Mord das schlimmste. Hier erkennen wir wiederum die Rangfolge des Gesetzes – nicht alle Sünden sind gleichböse. Wir tendieren jedoch dazu dies zu glauben, da wir wissen, dass jede noch so kleine Sünde die Verdammnis verdient. Doch in Gottes Augen ist ein Schlag auf die Nase nicht ganz so schrecklich wie der Mord. Obwohl, ich sage nochmal, jede Sünde die Hölle verdient.

 – Die Schönheit der Gebote –

Kommen wir nun zu der Schönheit der Gebote, welche direkt aus dem wunderbaren Grundriss hervorgeht, die ganze Sache mit der Rangfolge, der Ordnung und diese Einheit im Gesetz.

Das Gesetz Gottes ist wie ein ansehnliches Gebäude. Man ist von ihrer Form verblüfft und kommt nicht aus dem Stauen. Gottes Gebote sind eins. Sie erhalten sie alle gegenseitig, sie arbeiten zusammen, sie sind ineinander verwoben, wie ein Wandteppich.

Auf der einen Seite sehen wir in der Heiligen Schrift wie es unmöglich ist auch nur ein einzelnes Gebot gesondert zu übertreten, es sind meistens viele andere ebenso betroffen. Das neunte Gebot sagt: „Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!“ – dort geht es um die Heiligkeit der Wahrheit. Gibt man nun ein falsches Zeugnis, spricht man zum Schaden eines anderen. In dem Beispiel wird dann a) die Heiligkeit der Wahrheit mit Füßen getreten und b) meinem Nächsten Schaden zugefügt. Wenn man nun das neunte Gebot in dessen größtmöglichen Form übertritt, geht man ebenso gegen das sechste Gebot.

Somit die Worte von Jakobus, wäre ein Mensch imstande das ganze Gesetz zu halten und nur in einer kleinen Sache fehlt, dann wäre man allen Geboten schuldig. Denn alle Gebote sind eins. Wie ein wunderbares Gemälde. Stellt euch vor, das Gesetz Gottes ist wie ein elektrischer Leiter der Heiligkeit Gottes. Sobald eine Leitung gekappt wird, ist das ganze Ding aus. So ist es mit dem Gesetz, entweder es läuft oder ist defekt. Dieser Stromkreislauf erinnert mich ebenso an den Kreislauf des Gesetzes. Geht man nacheinander durch alle Gebote und endet beim zehnten, welches sagt: „Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten!“ und vergleichen es mit dem was im Kolosserbrief Kapitel 3 Vers 15 steht, sehen wir, dass Begehrlichkeit Götzendienst ist. Und damit kommen wir wieder zu dem ersten Gebot Gottes. Seht ihr diese Einheit – sie gehören alle zusammen.

Das zehnte Gebot ist außerdem das einzige Gebot, welches direkt das Herz anspricht. Mit den Händen oder allgemein mit dem Leib kann man nicht begehren. Dort geht es um das Herz, es ist zu 100 Prozent innerlich. Wenn also ein Gebot nur im Herzen übertreten wird, geht man gleichzeitig gegen das zehnte Gebot, man begehrt was man nicht hat. Somit spricht letztendlich das ganze Gesetz das Herz an, nicht einfach nur äußerliche Erscheinungen und das war schon immer so.

Diese Gebote sind ebenso eine Manifestation Gottes ewigen, unabänderlichen Wesens. Denn Gott verändert sich nicht, somit sein Gesetz auch nicht. Regeln geben Aufschluss über uns Menschen. In der Familie zum Beispiel, dort gibt es Regeln, diese Regeln sagen etwas über den Gesetzgeber aus, welche Prioritäten man hat. Wenn das bei uns stimmt, wieviel mehr bei Gott selbst. Die Gebote geben Aufschluss über ihn selbst. Gottes Gesetze spiegeln sein Wesen wieder – und durch seine Gesetze sollen wir ihn wiederspiegeln, denn wir wurden in seinem Ebenbild geschaffen.

Gesetzesübertretungen sind Terroranschläge gegen Gottes Charakter. Daher hasst Gott die Sünde auch so sehr. Denn wenn wir Menschen manchmal denken die Sünde wäre nicht so schlimm, man tut dabei auch niemandem weh – greifen wir Gott damit an, wir tun so gesehen Gott weh, wir beschmutzen seine Heiligkeit.

Die Heiligkeit Gottes ist etwas Furchtsames, Atemberaubendes und Wunderschönes. Schlagt mit mir zusammen den 29. Psalm auf: „Gebt dem Herrn die Ehre seines Namens, betet den Herrn an in der Pracht der Heiligkeit!“ Sie ist etwas Schönes, eine Pracht. Psalm 27 Vers 4: „Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel.“ Der Psalmist wollte die Lieblichkeit der Heiligkeit Gottes erblicken. Diese Lieblichkeit erblicken wir in dem Gesetz Gottes. Das Gesetz, welches uns aufzeigt, was Liebe ist.

So auch mit Christus – auch hierhin solltet ihr mich in Verantwortung ziehen, sollte ich an irgendeinem Zeitpunkt, wenn wir hier die nächste Zeit durch die Zehn Gebote gehen, nicht Christus predigen. Prüft mich, ob ich Christus verkündige und zieht mich in Verantwortung. Denn alles deutet auf Christus hin. Jesus ist der Heilige, die Gebote sind ebenso seine Pracht. Er ist der perfekte Mensch, der auf die Erde kam und das ganze Gesetz für uns gehalten hat.

Die Zehn Gebote umfassen das Moralgesetz Gottes und alle Menschen sind dazu verpflichtet sie einzuhalten. Ihr habt bestimmt noch andere Christen getroffen die sprechen: „Ach, der Dekalog, das ist das Alte Testament, hat nichts mit uns zu tun, das war der alte Bund, das ist für die Juden und nicht für die Christen.“ Doch ich sage euch, das ist weit entfernt von der Wahrheit. Sie sind freilich für die Juden, doch ebenso auch für die Moslems, ganz egal ob sie einen anderen Gott haben, der Herr wird sie in Verantwortung ziehen. Das Gesetz Gottes ist für Buddhisten, wie für Atheisten. Der Atheist mag wohl sagen: „Ich glaube nicht an Gott!“ Das ist Gott egal, sie werden Rechenschaft ablegen müssen, Gott glaubt nicht an Atheisten. Die Zehn Gebote sind für Liberale, für Agnostiker, für Kommunisten, das spielt alles keine Rolle – jeder Mensch wird Rechenschaft vor Gott ablegen müssen. Das heilige Gesetz verpflichtet alle.

Traurigerweise sehen auch viele in der Kirche die Gebote Gottes sehr banal an – der Grund dafür ist, denke ich, ihre mangelnde Gotteserkenntnis.

Alle Worte in diesem Buch sind Gottes Worte. Wie in Hebräer Kapitel 1 geschrieben steht: „Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten“ [Hebräer 1,1]. Doch mit dem Gesetz verhält es sich ein wenig anders. Gott sprach hörbar zu einem ganzen Volk. Das ist eines der tiefgründigsten Momente der Menschheit. Hört was unser Bruder Matthew Henry dazu sagte: „Gott spricht auf vielerlei Weise zu den Menschenkindern, sei es durch seinen Geist oder durch das Gewissen, durch die göttliche Vorhersehung oder auch hörbar mit seiner Stimme – und in allen Fällen sollten wir aufmerksam sein. Das Gesetz aber ist mit nichts zu vergleichen. Daher sollten wir umso eifriger bemüht und sein es aufzunehmen.“ So lasst uns dem Gesetz noch mehr Beachtung schenken.

Seht ihr wie heilig und hoch Gottes Maßstab ist? Vielleicht habt ihr das ja schon alles gewusst, nachdem wir zusammen durch die Gebote in dem Katechismus gegangen sind. Die Erkenntnis, dass wir nicht in der Lage sind die Gebote einzuhalten. Eben hier treibt uns das Gesetz zu Christus, er ist unsere einzige Hoffnung. Klammere dich an Christus, denn er hat das Gesetz vollkommen erfüllt, er war gehorsam. Beobachten wir nun das Gesetz und erkennen unsere Not, sehen wir natürlich wie verdorben wir sind, doch belasse es nicht dabei, sondern flieh hin zu Jesus.

Einfach ausgedrückt: Die Zehn Gebote zeigen uns wie wir zu leben haben. Doch nicht so, als könnten wir dadurch die Rechtfertigung erlangen, sondern als Menschen die schon durch Ihn gerechtfertigt wurden, um Dankbarkeit auszudrücken.

Selbst der Einstieg der Zehn Gebote zeigt uns dies: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe.“ Er ist schon unser Gott, er hat uns schon erlöst und genau aus diesem Grund möchte er, dass wir nach seinem Wort leben.

Gott hat uns durch den, der das Gesetz vollkommen genüge getan hat, gerechtfertigt, sein Sohn, der Herr Jesus Christus.

Lasst uns zusammen beten:

Himmlischer Vater, wir loben und preisen dich, dass du uns gezeigt hast, was Liebe ist, wie sie ausschaut. In deinem Gesetz sehen wir wie wir eigentlich sein sollten. Und daher bitten wir, Herr, aus Dankbarkeit für deine Erlösung, dass du uns hilfst noch mehr und mehr so zu leben, wie du es in deinem Wort offenbart hast, nach deinen Geboten. Herr vergib uns, da unsere Herzen widerspenstig sind und nicht nach deinen Satzungen leben wollen. Und gib uns doch Herzen, die zusammen mit dem Psalmisten sagen „Wie sehr liebe ich dein Gesetz“. Wir bitten alles um deines Namens Willen, in Jesu Namen, Amen.


Eine Predigt von Steven Walton aus der Presbyterianischen Gemeinde in Stuttgart Möhringen über den Prolog der Zehn Gebote. Aus dem Englischen übersetzt. Diese Predigt ist ein Teil der Serie über das zweite Buch Mose.
Quelle: https://www.sermonaudio.com/sermoninfo.asp?SID=92417151493

Übersetzung: TheologiaDE.blog

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