Martin Luther: Wie Gott will, dass wir beten

Eine Predigt von Martin Luther über das beständige Gebet.

Ein kleiner Auszug:

Da siehe nun auf dies Weiblein, und lerne dich auch in solchem Fall halten, wie sie sich hält. Sie geht hin und sieht solches nicht, ist gleich blind im Geist, daß sie eine Heidin und er ein Jude ist. Denn das Vertrauen und Herz zu Christo ist so groß, daß sie denkt: Er wird mich nicht lassen. Mit solchem Glauben löscht sieht das aus, daß sie eine Heidin ist. Das würde ein anderer ohne Glauben nicht getan haben; sondern würde also gedacht haben: Du bist des Teufels, es ist vergebens, daß du betest; Laß sein Volk bitten, mit dir will Gott nichts zu tun haben, und würde darum nicht gebeten haben. Aber das Weiblein läßt sich nicht anfechten, diskutiert nicht bei sich selbst: Du gehörst in das Haus nicht, du bist eine ausgeschlossene Heidin, und nicht Wert, daß dich die Erde trage.

Dennoch läßt sich der Herr noch nicht finden, wie sie ihn gerne hätte. Denn höre, was sagt er zu diesem Weiblein? “ Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme, und werfe es vor die Hunde „. Wenn er solch ein Wort zu mir gesagt hätte, ich wäre schnell davongelaufen, und hätte gedacht: es ist umsonst, was du tust, da es nicht zu holen. Denn es ist über die Maßen ein hartes Wort, daß der Herr ihr vor die Füße wirft, sagt noch dazu, daß sie kein Kind oder eine Heidin ist, sondern heißt sie dazu noch einen Hund. Das ist ärger, als wenn er sie nur eine Heidin geheißen hätte. Ja, ist genau so als wenn er gesagt hätte: du bist des Teufels, wie du gehst und stehst, du hast hier nichts zu suchen. Das heißt doch wohl hoch versucht. Wenn ein Heiliger ein solches Wort zu mir sagen würde, ich würde mich zu Tode fürchten. Was soll es aber jetzt sein, daß es Christus selbst zu diesem Weiblein sagt.

Hier sieht man, warum sich der Herr so hart gestellt und ihr die Hilfe abgeschlagen hat nämlich: daß er seine harte Art nicht darum gezeigt hat, als wollte er nicht helfen; sondern das so ihr Glaube offenbar würde, und die Juden, so Erben zu seinem Reich und Kinder waren, an der Heidin, die kein Kind noch Erbe war, lernten, wie sie an Christum glauben und alles Vertrauen auf ihn setzen sollten. Denn solches will Christus haben, und gefällt ihm sehr wohl, daß er seine Güte und Freundlichkeit nicht länger kann verbergen, und spricht: “ Gehe hin, dir geschehe, wie du nur willst „. Geht also mit dem Recht eines Hundes und macht nicht allein die Tochter gesund, sondern gibt, was sie begehrt und haben will, und setzt sie unter Abrahams Samen. Zu solcher Gnade bringt sie der Glaube, daß sie nicht mehr ein Hund noch eine Heidin, sondern liebe Tochter und ein rechtes heiliges Weib heißt und ist.


Die ganze Predigt:

Matthäus 15:21-28
Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.
Und siehe, ein kanaanäisches Weib kam aus derselben Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach HERR, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt.
Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreit uns nach.
Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel.
Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: HERR, hilf mir!
Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
Sie sprach: Ja, HERR; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen.
Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselben Stunde.

Das ist ein hohes Evangelium. Man hat es darum auf diesem Sonntag gelegt, eben wie andere, daß auch hier geschrieben wird vom Teufel austreiben; damit soll angezeigt werden, daß man fromm werden und beichten soll. Aber das ist eine schlechte und päpstliche Frömmigkeit, wenn sie sich nur auf diese Zeit bezieht. Und wird mit elenden Fasten und unbilligem Beichten, weil man aus der Schrift keinen Befehl davon hat.

Darum müssen wir erstlich wissen, daß dies Evangelium nicht von solchem Kinderspiel und Puppenwerk redet; sondern es ist eine hohe und schwere Lehre, von dem rechten Kampf und Todesangst im Glauben vor Gott, daraus wir das lernen sollen, daß uns kein Ding abschrecken soll vom rufen und beten zu Gott, ob er schon selbst nein dazu spricht. Wie man erfährt in Todesnöten; da schiebt und schürt der Teufel überall mit Gedanken dazu, daß sich unser Herr Gott nicht anders läßt ansehen, denn als wolle er unser nicht. Da geht es denn scheußlich zu, wenn die schwarzen dicken Wolken also die liebe Sonne dämpfen und decken, da ist dann eine Not über alle Not.

Dieser Kampf ist uns hier aufgezeigt in dem Weiblein, da nicht allein die Person, sondern alle anderen Umstände so böse sind, daß sie nicht schlimmer sein können. Denn erstens ist es ein heidnisches Weib, das ist das erste welches die Sache schwermacht, daß sie kein Kind nach Abrahams Samen ist; hat darum auch kein Recht, hier etwas zu bitten, denn sie ist fremd. Dieses sollte sie dermaßen vor den Kopf gestoßen haben, daß sie gesagt haben sollte: Was soll ich bitten? Es ist alles verloren. Ursache, ich bin ein heidnisch, fremd Weiblein; er aber ist ein Jude und zu den Juden gesandt.

Wenn wir solch einen Stoß in unserem Herzen fühlen, so würden wir bald liegen und das Gebet fallen lassen. Denn es ist kein Scherz, wenn das Gewissen dasteht und spricht: ach, du bist einer der nicht beten soll, du gehörst nicht zu Christus, dich hört unser Herr Gott nicht; du hast keinen Glauben, bist vielleicht nicht erwählt, bist nicht Wert zu solch einem hohen Werk, daß du vor Gott treten, und ihn um etwas bitten sollst. Mit solchen Gedanken kann der Teufel uns in Verzweiflung bringen; denn es ist ein sehr großer Stoß.

Da siehe nun auf dies Weiblein, und lerne dich auch in solchem Fall halten, wie sie sich hält. Sie geht hin und sieht solches nicht, ist gleich blind im Geist, daß sie eine Heidin und er ein Jude ist. Denn das Vertrauen und Herz zu Christo ist so groß, daß sie denkt: Er wird mich nicht lassen. Mit solchem Glauben löscht sieht das aus, daß sie eine Heidin ist. Das würde ein anderer ohne Glauben nicht getan haben; sondern würde also gedacht haben: Du bist des Teufels, es ist vergebens, daß du betest; Laß sein Volk bitten, mit dir will Gott nichts zu tun haben, und würde darum nicht gebeten haben. Aber das Weiblein läßt sich nicht anfechten, diskutiert nicht bei sich selbst: Du gehörst in das Haus nicht, du bist eine ausgeschlossene Heidin, und nicht Wert, daß dich die Erde trage.

Solches ist eine harte und böse Anfechtung, wenn der Teufel also im Herzen alles zuschüttet, und spricht: Was willst du lange beten, du bist doch mein; hebe dafür an und fluche Gott, es gilt gleich viel; du wirst doch nicht selig. Solche Teufels Gedanken können ein ungeübtes Herz hindern, daß es gar nicht betet, und in Verzweiflung fällt.

Darum ist diese Geschichte um unseretwillen geschrieben, daß wir uns nicht daran stoßen, wenn der böse Feind uns vorhalten will und sagen: Du bist kein Christ, beten hat keinen Sinn. Nein, so nicht, kehre dich daran nicht, sondern sprich also: Ich sei, wer ich will, so frage ich nichts danach. Denn ob ich gleich ein Sünder bin, so weiß ich doch, daß darum mein Herr Christus nicht ein Sünder ist, sondern er bleibt gerecht und gnädig. Darum will ich getrost zu ihm rufen und schreien, und mich sonst an nichts kehren; denn ich habe jetzt keine Zeit zu diskutieren, ob ich erwählt sei oder nicht. Das aber fühle ich, daß ich Hilfe bedarf; komme darum, und suche sie in aller Demut.

Solches heißt dieses Beispiel hier recht verstehen und gefolgt. Denn das Weiblein war eine Heidin, konnte darum, ja, sie mußte wohl denken, sie wäre nicht erwählt; dennoch schlägt sie es in den Wind, und tritt vor den Herrn Christus, und läßt solche Gedanken am Gebet nicht hindern. Also tue du auch, und sprich: Herr, ich komme jetzt, und muß dies und anderes haben; wo will ich es sonst nehmen oder suchen, denn bei dir im Himmel durch deinen Sohn, meinen Erlöser Jesus Christus? Das ist ein Kampfstück und ein sehr großes Wunder an dem heidnischen Weib.

Nun steht im Text, daß sie schreit: “ O Herr, du Sohn Davids, erbarm dich mein „; und klagt ihre Not: “ Meine Tochter wird hart gepeinigt von dem Teufel „. Solches Geschrei hört Christus wohl, aber er antwortet ihr nicht ein Wort. Das ist der andere Stoß, daß sich unser Herr Gott stellt, eben wie sie war. Sie ist eine Heidin, die nicht in das Erbe gehört, soll auch der Wohltat nicht genießen. Darum da sie Christus nachläuft und ihn bittet, schweigt er, als habe er nichts mit ihr zu schaffen. Da sollte sie wohl gedacht haben: Wo ist nun der Mann, der mir von jedermann so gerühmt ist, wie barmherzig er sei, er höre bald und helfe gern? Aber wie sehe und erfahre ich es hier, so hört er, wenn er will, und nicht, wenn wir es bedürfen. Aber es läßt sich das arme Weiblein noch nicht schrecken. Was begegnet ihr aber weiter?

Zum dritten werden die Jünger des Geschreis müde, sind in ihrem Sinn frömmer denn Christus selbst. Denn sie denken, er sei zu hart und unfreundlich; bitten darum für das Weib: Ach Herr, gib und hilf ihr, sie läßt sonst doch nicht ab. Das ist ein schönes Beispiel, daß man im Gebet nicht ablassen soll.

Es gibt Prediger die schreiben, daß man ablassen soll zu bitten. Aber das ist nicht richtig, wenn man so predigt. Denn das Ablassen findet sich auch so schon früh genug, als daß man es noch anzeigen muß. So zeigt uns auch dies Beispiel genügend, daß man nicht aufhören, sondern immer weiter bitten und beten soll, und mit diesem Weiblein hier sagen: Ich kann jetzt nicht diskutieren, ob ich fromm oder böse, würdig oder unwürdig bin, kann jetzt nicht warten; ich habe eine große Not. “ Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt „, da muß ich Rat und Hilfe dazu haben. Da sieht man, daß solche harten Stöße Ursache geben dem, der seine Not fühlt, nur desto mehr und ernster anzuhalten mit Bitten und Flehen, daß ihm geholfen werde, ganz gleich wie böse und unwürdig er der Hilfe ist.

Da findet sich die dritte Anfechtung, oder der dritte Stoß, daß Christus spricht: ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels. Schlägt dadurch die Jünger auch vor den Kopf, will weder das Weiblein noch sie, so für sie bitten, hören.

Da sollte sie gedacht haben: Das muß doch ein harter Mann sein, der auch andere Leute, die von sich selbst und ungebeten bitten, nicht hören will. Und ist die Wahrheit, Christus ist uns im ganzen Evangelium nirgendwo so hart dargestellt als hier. Dennoch läßt sie nicht ab, sondern bittet für und für.

Da nun ihr Schreien und Fürbitte nicht helfen will, kommt sie auch ins Haus hinein, wie Markus sagt. So etwas mag man wohl ein unverschämtes Weib heißen. Sie ist ihm auf der Gasse mit einem Geschrei nachgelaufen; da nun Christus ins Haus geht, daß er ihrer loswürde, läuft sie ihm nach, fällt zuerst vor ihm nieder. Aber solches ist uns zur Lehre und zum Trost geschrieben, daß wir lernen sollen, was für ein herzliches Wohlgefallen Christus daran hat, wenn man so mit bitten anhält.

Dennoch läßt sich der Herr noch nicht finden, wie sie ihn gerne hätte. Denn höre, was sagt er zu diesem Weiblein? “ Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brot nehme, und werfe es vor die Hunde „. Wenn er solch ein Wort zu mir gesagt hätte, ich wäre schnell davongelaufen, und hätte gedacht: es ist umsonst, was du tust, da es nicht zu holen. Denn es ist über die Maßen ein hartes Wort, daß der Herr ihr vor die Füße wirft, sagt noch dazu, daß sie kein Kind oder eine Heidin ist, sondern heißt sie dazu noch einen Hund. Das ist ärger, als wenn er sie nur eine Heidin geheißen hätte. Ja, ist genau so als wenn er gesagt hätte: du bist des Teufels, wie du gehst und stehst, du hast hier nichts zu suchen. Das heißt doch wohl hoch versucht. Wenn ein Heiliger ein solches Wort zu mir sagen würde, ich würde mich zu Tode fürchten. Was soll es aber jetzt sein, daß es Christus selbst zu diesem Weiblein sagt.

Darum ist dies ein hohes und treffliches Beispiel, an welchem man sieht, was für ein gewaltiges Ding der Glaube ist, der ergreift Christum bei seinen Worten, da er am zornigsten ist, und macht aus einem harten Worte eine tröstliche Predigt. Du sprichst, sagt sie, ich sei ein Hund: ich lasse es geschehen, will gern ein Hund sein, halte mich nur wie einen Hund. Gib deinen Kindern das Brot, setze sie zu Tisch, solches begehre ich nicht, laß mich unter dem Tisch die Brosamen auflesen, und gönne mir das, was umsonst ist; an diesem will ich mir genügen lassen. Fängt also den Herrn Christus mit seinen eigenen Worten. Ja, daß noch mehr ist, mit dem Recht eines Hundes gewinnt sie das Recht eines Kindes. Denn wo will er hin, der liebe Herr Jesus? Er hat sich selbst gefangen und kann nicht anders. Aber wer es nur wohl könnte, er läßt sich von Herzen gern so fangen.

Das ist nun das rechte Meisterstück, ein besonderes und großes Beispiel, welches darum uns aufgeschrieben ist, daß wir es lernen sollen, und uns von dem Manne nicht abweisen lassen sollen, Gott gebe, er heiße uns Hunde oder Heiden. Denn die Hunde müssen auch Herren und zu essen haben. So müssen die Heiden auch einen Gott haben.

Mit solchem harten Anhalten und festem Glauben ist der Herr gefangen, und antwortet: “ oh Weib, kannst du diese Stöße in deinem Herzen erleiden und ausstehen, so geschehe dir, wie du geglaubt „. Denn es ist ein seltsam Gericht. Er sah, daß die anderen Juden sich bald an einem Wort ärgerte, da er sagt: Sie müßten sein Fleisch essen. Dies Weiblein aber hält immer fest an der Hoffnung, er werde helfen, und will von ihm nicht ablassen.

Hier sieht man, warum sich der Herr so hart gestellt und ihr die Hilfe abgeschlagen hat nämlich: daß er seine unfreundliche Art nicht darum gezeigt hat, als wollte er nicht helfen; sondern das so ihr Glaube offenbar würde, und die Juden, so Erben zu seinem Reich und Kinder waren, an der Heidin, die kein Kind noch Erbe war, lernten, wie sie an Christum glauben und alles Vertrauen auf ihn setzen sollten. Denn solches will Christus haben, und gefällt ihm sehr wohl, daß er seine Güte und Freundlichkeit nicht länger kann verbergen, und spricht: “ Gehe hin, dir geschehe, wie du nur willst „. Geht also mit dem Recht eines Hundes und macht nicht allein die Tochter gesund, sondern gibt, was sie begehrt und haben will, und setzt sie unter Abrahams Samen. Zu solcher Gnade bringt sie der Glaube, daß sie nicht mehr ein Hund noch eine Heidin, sondern liebe Tochter und ein rechtes heiliges Weib heißt und ist.

Dieses Beispiel dient uns dazu, ob uns unser Herr Gott lange aufhält, daß wir doch nicht ablassen, sondern fest glauben sollen, er werde endlich Ja dazu sagen; und wenn er es nicht laut und öffentlich sagt, daß er es doch heimlich bei sich im Herzen habe, bis die Zeit kommt, daß du es erfahren und sehen muß, wenn du nur mit Beten nicht faul bist. Wie man in anderen Beispielen auch sieht. Josef schrie und hielt mit Beten fest über 13 Jahre, Gott wolle ihm helfen. Aber es wurde immer schwerer je länger es dauerte. Je mehr er betete, umso schwerer ging es ihm. So geht es auch noch heute den Christen: wenn sie lange gerufen und zu Gott geschrieen haben, fühlen sie keine Besserung, sondern wird je länger, wie sie es fühlen, je ärger, wie bei Josef. Wenn Gott den Josef früher hätte erlöst, da wäre Jakob, sein Vater, wohl froh geworden. Aber Josef hätte ein Schafhirte bleiben müssen. Da es sich aber solange verzog, ward er ein Herr über ganz Ägypten, und schafft Gott durch ihn viel Gutes, nicht allein die sieben Jahre der Teuerung über, sondern auch sonst in Welt-und Kirchenregiment; aus dem nicht allein Ägypten, sondern auch die umliegenden Länder gebessert worden sind.

Also will Gott noch mit uns tun. Wenn er uns lange unsere Bitte versagt, und immer das Nein gegeben hat, wir aber an dem Ja festhalten, so solle es endlich Ja und nicht Nein sein. Denn sein Wort wird nicht lügen: “ Was ihr den Vater bittet in meinem Namen, das wird er euch geben „.

Aber unsere Vernunft ärgert sich hoch wenn die Sache lange dauert, und wollte gern, daß uns Gott sofort erhört. Da ist es nötig, daß man sich nicht ärgere. Man soll unseren Herrn Gott Nein sagen lassen, und die Bitte ein Jahr, zwei Jahr, drei Jahr oder noch länger aufhalten, und hüte sich nur davor, daß wir die Hoffnung und Glauben an seiner Verheißung nicht aus unseren Herzen reißen lassen: so wird zuletzt etwas daraus werden müssen, daß er weit mehr geben wird, denn du zu geben gebeten hast. Wie diesem Weiblein geschieht: und hätte sie mehr begehrt und haben wollen, er hätte es ihr auch noch gegeben.

So will nun unser Herr Gott uns lehren, daß es nicht alle Zeit gut sei, bald erhören. In großen Nöten tut er es; als, wenn du in ein Wasser fällst oder im Krieg bist, da gilt es nicht lang Harren, wenn die Not so nahe und groß ist. Aber wo sich das Harren und der Verzug aushalten läßt, da soll man lernen, daß er es gern pflegt zu verziehen, aber doch so, wie der Prophet Habakuk sagt 2,3.: “ ob die Verheißung verzieht, so harre ihrer, sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen „.

Also verzieht er jetzt und läßt den Papst und die Türken gegen uns toben. Wir schreien und tun jämmerlich, er aber hört nicht, und stellt sich, als kenne er uns nicht, läßt uns so jämmerlich zurichten, als hätten wir keinen Gott. Aber es wird nicht immer so bleiben. Darum laßt uns keinen Zweifel daran haben; das Wort im Himmel haben wir, das steckt dem Herrn Christo und Gott seinem Vater, gewiß im Herzen, ob er wohl hier vier oder fünf eiserne Mauern davor baut und der Teufel mit Nein dazu schießt. Aber da lerne sagen: ich weiß ja, daß Gott seiner Kirche wird gnädig sein und sie erretten, wenn sie um Hilfe schreit. Das Wort Ja steckt in seinem Herzen, laut der Zusagung Christi: “ Was ihr den Vater bittet in meinem Namen, das wird er euch geben „. Darum will ich nicht diskutieren, ob ich erwählt und zum Beten würdig bin; sondern das Ja Wort gewißlich da sein wird, wenn nicht nur bete und fest anhalte.

Also ist diese Geschichte ein besonders schönes Beispiel eines rechten Glaubens, daß derselbe will geübt sein, und soll doch endlich alles überwinden und erlangen, wenn wir diesem Weiblein folgen; die will sich auch den Herrn Christum selbst das Ja Wort nicht lassen aus dem Herzen nehmen, daß er freundlich sei und helfen werde.

Besonders aber tröstet uns diese Geschichte gegen die allgemeine Anfechtung, davon wir unser Leben lang nicht von kommen können, daß der Glaube und das Vertrauen dahinfällt, wenn wir an unsere Unwürdigkeit und unser sündiges Leben denken. Denn so Christus mehr auf unsere Würdigkeit und Verdienst, denn auf seine Barmherzigkeit und unsere Not sehen wollte, würde er diesem Weib nicht geholfen haben. Aber er will gnädig sein und gern helfen, wenn nur wir mit dem Vertrauen und Beten anhalten. Unser lieber Herr Gott helfe uns, daß wir auch dahin kommen, und uns mit festem Glauben auf sein Wort und Zusagung von ganzem Herzen verlassen, und durch Christum, mit Hilfe des Heiligen Geistes, ewig selig werden, Amen.

Martin Luther: Matthäus 15:21-28 „Wie Gott will, dass wir beten sollen“ (1534)

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